ARCHIV - 09.03.2022, Hamburg: ILLUSTRATION - Eine Frau dreht an einem Heizungsthermostat. Beim vieldiskutierten Heizungstausch mahnt die Kommunalwirtschaft auch die Nutzung kommunaler Wärmepläne an. (zu dpa "VKU: Heizungstausch vorantreiben und parallel Wärmenetze ausbauen") Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Heizung

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BR24live: Ende der Öl- und Gasheizung - was jetzt?

Die meisten Haushalte heizen mit Gas oder Öl. Damit soll bald Schluss sein. Ab 2024 muss jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Was bedeutet das und mit welchen Folgen ist zu rechnen?

Über dieses Thema berichtet: BR24live am .

Das Ende von Öl- und Gasheizungen ist beschlossen: Die Ampel-Koalition hat sich auf das umstrittene Gebäudeenergiegesetz geeinigt. Demnach muss ab 2024 jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Es soll aber Ausnahmen, Übergangsfristen und eine umfassende Förderung geben.

Was kommt da auf uns zu? Wer zahlt? Und was gilt es jetzt zu beachten? Darüber sprechen wir bei BR24live mit der Verbraucherzentrale Bayern.

Öl und Gas decken 80 Prozent des Wärmebedarfs

Der Wärmebedarf in Deutschland wird derzeit noch zu mehr als 80 Prozent durch das Verbrennen fossiler Energieträger gedeckt. Von den rund 41 Millionen Haushalten heizt fast jeder zweite mit Erdgas und fast jeder vierte mit Heizöl. Zusammen macht das an die 75 Prozent aller Haushalte. Zum Vergleich: Wärmepumpen machen nach Angaben des Wirtschaftsministerium weniger als drei Prozent aus.

Was kommt auf Eigentümer zu?

Die ursprünglich vorgesehene Austauschpflicht für funktionierende Öl- und Gasheizungen ist vom Tisch. Diese können auch nach dem 1. Januar 2024 weiterbetrieben und sogar repariert werden, wenn sie ausfallen. Generell aber gilt: Wer nach diesem Stichtag eine neue Heizung einbauen lässt, der muss dafür sorgen, dass diese mindestens zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Das gilt für Neubauten ebenso wie für ältere Häuser.

Was bedeutet der Gesetzentwurf für Mieter?

Währenddessen rechnet das Wirtschaftsministerium bis 2028 mit jährlich mehr als neun Milliarden Euro an Kosten für den Einbau klimafreundlicherer Heizungen. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Gesetzentwurf zum neuen Gebäudeenergiegesetz hervor.

Der Deutsche Mieterbund warnte bereits in den vergangenen Wochen davor, die Kosten für den Heizungstausch auf die Mieter umzulegen. Die Umrüstung müsse als Instandhaltung gewertet und ausschließlich vom Vermieter bezahlt werden. Es brauche eine "sozialverträgliche Ausgestaltung" des Gesetzes. "Viele haben kleinere, ältere Häuschen auf dem Land, in denen sie wohnen können. Das heißt aber nicht unmittelbar, dass die Menschen dann auch ein gefülltes Bankkonto haben", erklärt Verene Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK.

Der Eigentümerverband Haus & Grund sieht die Gefahr einer finanziellen Überlastung von Eigentümern. "Für die meisten Immobilien bietet das Gebäudeenergiegesetz weder technologieoffene, noch bezahlbare Lösungen und führt damit für viele private Eigentümer zu einer finanziellen Überlastung", sagte der Verbandspräsident Kai Warnecke.

User Meikel schreibt dazu bei BR24:

"Die Umstellung auf Wärmepumpe mit allen notwendigen Folgen (neue Heizkörper, Fußbodenheizung, Photovoltaik auf dem Dach) wird mindestens 50.000 bis 60.000 Euro kosten. Jetzt stelle ich mir den 80-jährigen Rentner (und Hausbesitzer) vor, der von der Bank keinen Kredit mehr bekommt. Was macht er?" User "Meikel"

Wie sieht es mit Ausnahmeregelung und Förderung aus?

Für Eigentümer, die über 80 Jahre alt sind, soll die Pflicht zum Umstellen auf Erneuerbare entfallen. Ist die alte Öl- oder Gasheizung kaputt, kann sie durch eine ebensolche ersetzt werden. Wird das Haus vererbt oder verkauft, greift das neue Recht - mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren. Härtefallregelungen gibt es auch für einkommensschwache Haushalte.

Gisela Kienzle von der Verbraucherzentrale Bayern bestätigt im Interview mit BR24: Im Einzelfall kann es für alte Menschen mit unsaniertem Haus preiswerter sein, eine neue Öl- oder Gasheizung zu kaufen. Eine Wärmepumpe koste in der Anschaffung etwa das Dreifache einer Öl- oder Gasheizung. Trotz Zuschuss vom Staat müsse man mit Mehrkosten von etwa 10.000 Euro rechnen. Die Kosten für Wärmepumpen seien aktuell auf einem historischen Höchststand.

Die Ampel will die Umstellung auf klimafreundliche Heizungen finanziell unterstützen. Details sind jedoch noch nicht bekannt. Laut Finanzministerium soll es eine Art Abwrackprämie für alte Anlagen geben. Deren Höhe könnte sich daran orientieren, "wie alt und schmutzig" die zu erneuernde Heizung ist, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner der "Bild am Sonntag".

"Jeder, der beim Thema Heizung derzeit abwarten kann, sollte das auch tun. Es ist noch nicht absehbar, wie sich die Preise im nächsten Jahr entwickeln und welche Möglichkeiten zur Förderung die Regierung schaffen wird", so Energieberaterin Kienzle.

Kritik von der Opposition

Trotz geplanter Ausnahme- und Übergangsregelungen stößt das Einbauverbot neuer Gas- und Ölheizungen ab 2024 bei der Opposition auf Kritik. CSU-Generalsekretär Martin Huber warf der Ampel-Koalition vor, "Klimaschutz mit der Brechstange" zu betreiben. Der Linken-Ostbeauftragte Sören Pellmann sprach von einem "Verarmungsprogramm". Im Osten stünden Zigtausende Heizungswechsel an, da viele Anlagen in den 90er Jahren eingebaut worden seien. "Die Menschen verzweifeln angesichts der horrenden Sanierungskosten, die anfallen werden."

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin", diejenigen, die wenig Geld haben, sollten "angemessen gefördert" werden, damit sie nicht überfordert werden. Solange Wärmepumpen noch teurer seien, sollten sie "auf den Preis einer Gasheizung runtergebracht werden". Und: "Niemand muss eine funktionierende Gas- und Ölheizung ausbauen", versicherte Habeck.

Mit Informationen von dpa

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