BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: picture alliance / Maximilian Schönherr | Maximilian Schönherr

Die Polizei hat eine der größten illegalen Tauschbörsen für Kinderpornographie hochgenommen. Über 400.000 Mitglieder sollen dem Ring im Dark Net angehören. Vier Deutsche wurden festgenommen, darunter auch ein Verdächtiger im Landkreis München.

20
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

"Boystown": Schlag gegen internationale Kinderporno-Plattform

Ermittlern in Deutschland ist ein Schlag gegen die weltweite Verbreitung von kinderpornografischem Material gelungen. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios wurden vier Männer festgenommen - einer ist aus Bayern.

20
Per Mail sharen
Von
  • Michael Götschenberg

Die Plattform mit dem Namen "Boystown" wurde im Darknet als Tauschbörse für kinderpornografisches Material betrieben. Sie soll weltweit rund 400.000 Mitglieder gehabt haben. Wie die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) an der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main dem ARD-Hauptstadtstudio bestätigte, wurden die Betreiber bereits Mitte April festgenommen. Die Ermittlungen werden vom Bundeskriminalamt durchgeführt und dauern noch an.

Vier Betreiber der Plattform festgenommen - einer ist aus Bayern

Hauptbeschuldigte sind vier Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit: ein 40-jähriger im Kreis Paderborn, ein 49-jähriger im Landkreis München, sowie ein 54-jähriger in Paraguay sollen den Ermittlungen zufolge die Administratoren und Betreiber der Plattform gewesen sein. Ein 64-jähriger in Hamburg wird beschuldigt, eines der aktivsten Mitglieder gewesen zu sein. Die drei Beschuldigten in Deutschland sitzen seit dem 14. beziehungsweise 15. April in Untersuchungshaft. Im Zuge der Festnahmen wurden sieben Objekte in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg durchsucht. Gegen den 54-Jährigen in Paraguay liegt ein internationaler Haftbefehl vor – er soll nach Deutschland ausgeliefert werden. Nach der Festnahme der Hauptbeschuldigten wurde die Plattform von den Ermittlern abgeschaltet.

Plattform "Boystown" hatte weltweit 400.000 Mitglieder

Wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte, konnten die Nutzer auf "Boystown" im Darknet kinderpornografisches Material tauschen. Die Plattform soll mindestens seit Juni 2019 bestanden haben. Die Server befanden sich demnach in der Republik Moldau und waren dort angemietet worden. Bei den Missbrauchs-Darstellungen soll es sich überwiegend um Jungen unterschiedlichsten Alters gehandelt haben, darunter den Angaben zufolge auch schwerste Fälle von Missbrauch an Kleinkindern. Demnach bestand die Plattform aus einem Forum, das in unterschiedliche Bereiche gegliedert war, in denen die Missbrauchsdarstellungen abgelegt und gesucht werden konnten. Darüber hinaus habe es zwei Chatbereiche gegeben, über die die Mitglieder kommunizieren und Material tauschen konnten.

Betreiber gaben den Mitgliedern Hinweise für "sicheres Surfen"

Allein der 64-jährige aus Hamburg, der besonders aktiv gewesen sein soll, habe demnach rund 3.500 Darstellungen auf der Plattform geteilt, so die Ermittler. Die drei mutmaßlichen Betreiber sollen den Mitgliedern Verhaltenshinweise für das sichere Surfen gegeben haben, um sich vor einer Entdeckung zu schützen.

Schwierige Ermittlungen im Darknet

Für die Ermittlungen war auf deutsche Initiative eine internationale Taskforce ins Leben gerufen worden, die von Europol koordiniert wurde. An den Ermittlungen waren Strafverfolgungsbehörden in Schweden, den USA, Australien und Kanada beteiligt. Da die Plattform im Darknet betrieben wurde, in dem anonym gesurft werden kann, sind die Ermittlungen besonders schwierig.

Großer Erfolg für Ermittler

Für die Ermittler ist die Abschaltung der Plattform und die Festnahme der mutmaßlichen Betreiber ein großer Erfolg im Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornografie. Mit 400.000 Mitgliedern war "Boystown" um ein vielfaches größer als die Plattform "Elysium", die 111.000 Nutzer hatte und im Juni 2017 abgeschaltet wurde. Sie galt als eine der größten ihrer Art und wurde ebenfalls von Deutschland aus betrieben. Die Betreiber wurden vor zwei Jahren zu Haftstrafen zwischen drei Jahren und zehn Monaten und zehn Jahren und neun Monaten verurteilt.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!