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Der Verkauf von Silvester-Feuerwerk hat begonnen.
© dpa-Bildfunk/Christophe Gateau

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Der Verkauf von Silvester-Feuerwerk hat begonnen.

Kritik an allzu exzessiver Böllerei kommt von vielen Seiten, zum Beispiel von der Polizeigewerkschaft. Die Polizei stellte in den vergangenen Jahren eine erhebliche Gewaltbereitschaft rund um den Jahreswechsel fest.

Gewalt an Silvester: Böller auf Menschen

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Malchow, spricht nun von einem hohen Maß an Aggressivität und Respektlosigkeit. So würden Böller zum Beispiel gezielt auf Menschen geworfen. Die Gewalt treffe immer öfter auch Einsatzkräfte, die Orte mit Verletzten oder Brandstellen sichern. Eine Ausweitung von Böllerverboten sieht Malchow dennoch skeptisch. Für die Kontrollen, die dann nötig würden, habe die Polizei nicht genügend Personal, sagte der GdP-Vorsitzende.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte gefordert, Feuerwerk aus Innenstädten mit hoher Feinstaubbelastung zu verbannen.

4,5 Millionen Kilo Feinstaub zu Silvester

Das Umweltbundesamt ruft indessen dazu auf, wegen der hohen Feinstaubbelastung auf das private Silvester-Feuerwerk zu verzichten.

"Wenn Sie an Silvester weniger Feuerwerk benutzen - oder ganz darauf verzichten -, können Sie dazu beitragen, die Feinstaubbelastung zu verringern - das hilft der Gesundheit und verursacht weniger Müll auf den Straßen und in der Umwelt." Maria Krautzberger, Chefin des Umweltbundesamtes

In der Silvesternacht steige die Luftbelastung mit Feinstaub explosionsartig an. Laut Umweltbundesamt werden in der Silvesternacht in Deutschland rund 4.500 Tonnen Feinstaub in die Luft geblasen. Das entspricht etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge. Feinstaub-Partikel können in den Blutkreislauf eindringen und Entzündungen der Atemwege hervorrufen, außerdem Thrombosen und Herzstörungen.

Wie groß ist die Feinstaubbelastung an Silvester? #fragBR24

Wie groß ist die Feinstaubbelastung an Silvester? #fragBR24

Böller-Verbote in Innenstädten

Einige Städte wollen mit Böller-Verboten und mehr Polizeipräsenz Exzesse in der Silvesternacht verhindern. Verboten wird das Böllern zum Beispiel im Innenstadt-Kern von Hannover, in der Altstadt von Düsseldorf, im Bahnhofsviertel von Dortmund und rund um den Kölner Dom. Bahnhofsvorplatz und Domplatte in Köln werden außerdem hell ausgeleuchtet, um erst gar keine Feierstimmung aufkommen zu lassen.

In historischen Altstädten wie etwa Göttingen, Lüneburg, Weimar oder auch Tübingen dürfen schon seit längerem keine Feuerwerkskörper mehr abgebrannt werden. Zum Jahreswechsel 2017/18 war es in Hannover in der Silvesternacht mehrfach zu gefährlichen Situationen gekommen, weil Böller inmitten von Menschenansammlungen gezündet wurden.

Zwei Tote durch Böller zu Silvester 2017

Beim vergangenen Jahreswechsel waren zwei Menschen durch Böller ums Leben gekommen; jedes Jahr werden Hunderte an Silvester teils schwer verletzt.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund lehnt trotzdem schärfere Vorschriften gegen Silvester-Böller ab:

"Wir sollten Feuerwerk als Brauchtum respektieren. In Deutschland ist es langjährige Tradition, das neue Jahr mit einem Feuerwerk zu begrüßen. Die Menschen bringen damit ihre Lebensfreude, aber auch ihre Hoffnung auf ein glückliches neues Jahr zum Ausdruck. Das sollten wir akzeptieren." Gerd Landsberg, der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, in der "Passauer Neuen Presse"

CDU-Vize Klöckner: Böller-Verbote sind "bevormundend"

Auch CDU-Vize Julia Klöckner spricht sich gegen strengere Böller-Vorschriften aus. Dass es immer wieder "Deppen" gebe, die ihre Mitmenschen in Gefahr brächten, komme leider auch in anderen Bereichen des Alltags vor, so Klöckner. Es könne nicht angehen, dass "diejenigen, die sich fehlverhalten, das Leben derer bestimmen, die sich ordentlich verhalten". Den Vorstoß der Umwelthilfe nannte sie "bevormundend". Er beeinträchtige das "Verantwortungsbewusstsein" der Bürger, erklärte Klöckner dem "Spiegel".

Kirche ruft zu "Brot statt Böller" auf

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick schlug unterdessen einen freiwilligen Verzicht auf Feuerwerk vor. An den Slogan "Brot statt Böller" solle man denken, bevor man Silvester-Raketen kaufe, schrieb er auf Facebook und Twitter. Der katholische Weltkirche-Bischof ergänzte, mehr als 800 Millionen Menschen weltweit hungerten:

"Mit dem Geld für unnötigen Krach und Luftverschmutzung könnt Ihr Menschen vor dem Hungertod retten. Caritas und Diakonie leiten Eure Spende weiter." Erzbischof Ludwig Schick, Bamberg

Unter dem Motto "Brot statt Böller" ruft das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" zum Jahreswechsel wieder zu Spenden auf. Die Aktion sei "eine Einladung an alle, denen Silvester-Feuerwerk mit Böllern und Krachern eher Unbehagen bereitet", sagte Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel.

Das Glitzern am Nachthimmel sei von kurzer Dauer - die Freude, mit Menschen weltweit etwa vom eigenen Wohlstand geteilt zu haben, halte dagegen viel länger vor. Laut Brot für die Welt wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zu Silvester rund 137 Millionen Euro für Feuerwerksartikel ausgegeben.