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Bodennah statt breit verteilt: Umweltfreundlichere Gülledüngung | BR24

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Inzwischen legen schärfere Regeln fest, wann und wo Bauern Gülle einsetzen dürfen. Deshalb sollen die Landwirte den Dünger nicht sofort ausbringen, sondern über längere Zeit in großen Behältern lagern. Doch mit deren Genehmigung hapert es in Bayern.

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Bodennah statt breit verteilt: Umweltfreundlichere Gülledüngung

Wenn der Bauer sein Feld mit Gülle düngt, wird in die Luft nicht nur jede Menge Gestank abgegeben, sondern auch klimaschädliche Stoffe. All das muss nicht sein: Es gibt Techniken, die Gülle weit diskreter in den Boden bringen.

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Schleppschlauch, Schleppschuh und Gülleinjektion - das sind die Techniken, die das alles bewirken können. Im Grunde ist das Zauberwort dabei die bodennahe Ausbringung.

Viele haben beim Thema Gülle automatisch den sogenannten Breitverteiler vor Augen: vorn ein Traktor, der ein Güllefass zieht - hinten spritzt die Gülle in hohem Bogen heraus. Ist eine Wiese fertig bearbeitet, ist das gut zu sehen - und auch zu riechen. Dieses System wird noch von vielen Landwirten verwendet. Vorteil: Es ist eine einfache und damit auch kostengünstige Methode.

Die Gülle kommt direkt zum Boden

Bei der Gülleausbringung mit Schleppschlauch, Schleppschuh oder Injektion wird die Gülle nicht durch die Luft gespritzt, sondern direkt auf den Boden gebracht oder sogar ein paar Zentimeter in den Boden hineingespritzt. Vorteil: Wer an einer so behandelten Wiese vorbeigeht, wird es fast nicht mehr riechen oder sehen, dass gerade Gülle ausgebracht worden ist.

Die neue Technik ist nasenfreundlich - und teuer

Nachteil für die Landwirte: Die Injektionstechnik, quasi der Porsche unter den Techniken, bei der die Gülle einige Zentimeter in den Boden eingearbeitet wird, ist teuer. Ein einzelner Betrieb kann sie kaum bezahlen. Ein durchschnittlich großes Güllefass dafür kostet etwa 90.000 Euro. Zum Vergleich: Einen gebrauchten Breitverteiler gibt es für ein paar Tausend Euro.

Ein weiterer Nachteil der neuen Technik: Sie ist sehr schwer. Entsprechend stark motorisiert müssen die Traktoren sein. Viele Landwirte können diese Technik daher nicht selbst anwenden, sondern müssen Lohnunternehmen engagieren - was mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Und an Hängen kann es durch das Gewicht der Maschinen gerade bei Nässe auf Wiesen zu Verletzungen der Grasnarbe kommen.

Die Tage des Breitverteilers sind gezählt

Trotz dieser Probleme: Der Breitverteiler wird bald von den bayerischen Wiesen und Feldern verschwinden. Auf Ackerland ist er bereits ab dem Jahr 2020 verboten, auf Grünland ab dem Jahr 2025. Dann ist die bodennahe Gülleausbringung Pflicht. Ausgenommen sind Betriebe mit weniger als 15 Hektar Fläche.

Ammoniak als Umwelt - und Klimaproblem

Anlass für das Verbot ist aber nicht die Geruchsbelästigung durch die Gülle. Es geht dabei in erster Linie um Umwelt- und Klimaschutz. In der Gülle steckt nämlich Ammoniumstickstoff. Schafft der es in den Boden, düngt er die Pflanzen. Geht er aber als Ammoniak in die Luft, dann entsteht gesundheitsschädlicher Feinstaub. Zudem können naturnahe Ökosysteme versauern und mit Nährstoffen überversorgt werden. Unterm Strich führt das dazu, dass sich das Artenspektrum verändert oder abnimmt. Auch gilt Ammoniak als indirektes Treibhausgas. Es kann zu Lachgas umgewandelt werden und dieses ist etwa 300 Mal so schädlich wie Kohlendioxid.

Im Vergleich mit dem Breitverteiler wird bei der Gülleausbringung mit der Injektionsmethode bis zu 80 Prozent weniger Ammoniak in die Luft abgegeben. Das ist aber auch stark von der Bodenbeschaffenheit und der Witterung abhängig.

Deutschland zur Reduzierung verpflichtet

Da Ammoniak nicht nur das Klima, sondern auch die Gesundheit belastet, muss der Ammoniakausstoß verringert werden. Deutschland hat sich dazu verpflichtet, bis 2029 seine Ammoniak-Emissionen um 29 Prozent zu senken. Und das betrifft vor allem die Landwirtschaft, denn sie ist für rund 95 Prozent dieser Emissionen verantwortlich. Da etwa 40 Prozent davon bei der Ausbringung von Gülle entstehen, werden die neuen Techniken verpflichtend eingeführt.