Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Emotionale Debatte im Bundestag: Drei Minuten über Trisomie | BR24

© picture alliance/dpa

Demonstartion gegen Bluttests für Down-Syndrom

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Emotionale Debatte im Bundestag: Drei Minuten über Trisomie

Im Bundestag wurde am Vormittag über vorgeburtliche Bluttests zur Feststellung von Trisomien debattiert. Anlass ist die Frage, ob der medizinisch unbedenkliche Test Kassenleistung werden soll. Doch darum ging es nur am Rande.

Per Mail sharen

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat im Plenum die Macht über das Mikrofon. Als Sitzungsleiter muss er auf die Einhaltung der Redezeit achten. Für die heutige Debatte wurden drei Minuten für jeden Redner und jede Rednerin vereinbart.

Viele Abgeordnete erzählen emotionale, zum Teil sehr persönliche Geschichten. Doch Schäuble bleibt hart. Er dreht nicht nur einmal das Mikrofon ab. Mitten im Satz. Auch als die Abgeordnete der Grünen, Corinna Rüffer, Trisomie-Kindern gerade zuruft: "…wir haben keine Angst vor Ihn...": Mikro aus. Stille im Bundestag.

Zulassung des Trisomie-Test als Kassenleistung nebensächlich

Der Bluttest, der Trisomien bereits im Mutterleib erkennen kann, löste vor einigen Jahren die viel gefährlichere Fruchtwasseruntersuchung ab. Allerdings wird nur die Untersuchung mit der Nadel im Bauch von der Krankenkasse übernommen, und auch nur für Risikoschwangere. Diese sollen den Bluttest nach dem Willen von Gesundheitsminister Jens Spahn nun generell bezahlt bekommen. Viele Abgeordnete schließen sich dieser Meinung allein aus sozialen Gründen an. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fragt symbolisch: "Kann ich den besseren Test Frauen vorenthalten?"

Ethische Fragen über Leben mit Behinderung

"Ginge es nur um eine Kassenleistung, wäre es einfach", sagt der Unions-Sozialpolitiker Peter Weiß. Es geht aber um ethische Fragen. "Warum entscheiden sich Schwangere gegen ein Kind mit Behinderung?", fragt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katja Dörner. Deutschland hat zwar in puncto Barrierefreiheit viel getan. Aber ist die Gesellschaft wirklich behindertenfreundlich? Diese Frage kommt immer wieder. Und die Antwort vieler Abgeordneten lautet: nein.

Zahlreiche Rednerinnen und Redner plädieren dafür, dass es zusätzlich zu dem Test eine psychosoziale Beratung geben sollte. Man müsse Eltern aufklären und begleiten, vor allem aber unterstützen. Viele Paare fühlten sich von der Gesellschaft allein gelassen, berichtet Sören Pellmann von der Linksfraktion aus persönlichen Gesprächen. Es komme nicht selten vor, dass Eltern eines behinderten Kindes die hohe emotionale und auch finanzielle Belastung nicht aushalten und sich trennen.

Ist der Bluttest erst der Anfang von künftiger Selektion?

Mit diesem Test sei die Büchse der Pandora geöffnet, befürchtet Volker Münz von der AfD. Auch Pascal Kober von der FDP sagt, noch nie habe eine politische Generation vor dieser Verantwortung gestanden, Entscheidungen zu treffen, die menschliches Leben nachhaltig und für immer verändern werden.

Der Grünen-Sozialexperte Markus Kurth gibt zu bedenken, mit welcher Arglosigkeit schon heute über Behinderungen gesprochen werde: Die Firma Cenata habe ihren Bluttest "Harmony" genannt, gerade so, als ob ein Kind mit Trisomie 21 Disharmonie bedeute, so Kurth.

Schwangere Abgeordnete erzählt von ihrem eigenen Test

Sichtlich aufgeregt berichtet die FDP-Abgeordnete Katrin Helling-Plahr aus ihrem Leben. Für 269 Euro habe sie testen lassen, ob bei ihrem Kind eine Trisomie 13, 18 oder 21 vorliegen wird. Sie habe eine Schilddrüsenerkrankung. Mit 13 Jahren sei ihr vorausgesagt worden, wenn sie überhaupt schwanger werde, werde sie mit Sicherheit Fehlgeburten erleiden. In ihrer ersten Schwangerschaft seien viele Auffälligkeiten entdeckt worden. Helling-Plahr wurde ein Abgang vorausgesagt. Am Ende habe sie einen gesunden Jungen bekommen. Die hochschwangere Frau bringt ihre persönliche Geschichte in drei Minuten Redezeit unter. Bundestagspräsident Schäuble ist sichtlich froh, dass er sie nicht unterbrechen muss.

© BR

Besuch bei einer Familie, die sich vor einigen Monaten für ein Kind mit Down-Syndrom entschieden hat und heute sagt: Das war richtig so!

© dpa-Bildfunk/Ralf Hirschberger

Debatte im Bundestag zu Trisomie-21-Test