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Fernunterricht ist seit 70 Jahren Alltag für die Kinder im Outback. Nicht wegen Corona, sondern aufgrund der weiten Entfernungen. In den 1950-er Jahren, noch über Kurzwellenradio und -funk, heute per Internet, Satellit und mit Live-Videounterricht.

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Blaupause für Fernunterricht: Australiens "School of the Air"

Fernunterricht ist seit 70 Jahren Alltag für die Kinder im Outback. Nicht wegen Corona, sondern aufgrund der weiten Entfernungen. In den 1950-er Jahren, noch über Kurzwellenradio und -funk, heute per Internet, Satellit und mit Live-Videounterricht.

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Andreas StummerAndreas Stummer
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Seit Corona muss Schuldirektorin Kerrie Russell immer öfter nachsitzen. Da sind Anrufe aus Usbekistan oder den Vereinigten Arabischen Emiraten und Emails aus China, den USA und ganz Europa. Oft bitten sie verzweifelte Lehrer um Rat. Kerrie Russell ist Leiterin der "School of the Air" in Alice Springs in Zentralaustralien - einer Schule, die 70 Jahre Erfahrung mit Fernunterricht hat.

Die "School of the Air" hat die weltweit größten Klassenzimmer

Die Lehrer im Fernsehstudio vor der Kamera, die Schüler, weit weg im Hinterland, zuhause vor dem Bildschirm: Die Schulklassen der "School of the Air" sind über gut 800.000 Quadratkilometer verteilt, eine Fläche mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Es sind die größten Klassenzimmer der Welt. Weil die Kinder im Outback nicht in die Schule kommen können, kommt die Schule eben zu ihnen. Per Satellit.

70 Jahre Erfahrung mit Fernunterricht

In den 50-er Jahren war der Unterricht buchstäblich Schulfunk – Lernen per Kurzwelle. Heute sind die Fernschüler durch Laptops, Internet, E-Mail und Video-Livestreaming auch im Bilde. Fast wie in einer gewöhnlichen Schule. Täglich zwei Stunden interaktiver Videounterricht auf dem Heimcomputer, ohne Zeitverzögerung, störungsfrei und in Farbe. Hausaufgaben werden auf einer Online-Plattform eingescannt oder eingetippt. Für Lehrer oder Eltern, für die Fernunterricht Neuland ist, hat "School of the Air"-Direktorin Kerrie Russell drei Ratschläge: einer Routine folgen, engen Kontakt halten und nicht ständig nur auf einen Bildschirm starren.

"Man lernt nichts, wenn man stundenlang nur dasitzt, also immer wieder aufstehen und den Kopf freimachen. Das gilt auch für Lehrer. Aber: Es hilft, sich jeden Tag an einen strikten Stundenplan zu halten. Die Hauptsache ist, positiv zu bleiben, Lehrer sollten immer wieder bei den Schülern nachfragen, wie es ihnen geht. Und wenn sie dann noch etwas lernen - umso besser." Schulleiterin Kerrie Russell

Keine Bildungslücken trotz Fernunterricht

Die Video-Fernkurse der "School of the Air" enden mit dem sechsten Schuljahr, danach besuchen die Kinder die Internate weiterführender Schulen in der Stadt. Zu Bildungslücken kommt es dabei nicht: "School of the Air"-Lehrerin Kathy Hogan ist stolz darauf, dass ihre Schüler akademisch nicht hinterherhinken. Im Gegenteil.

"Unsere Kinder schneiden überdurchschnittlich gut ab. Sie lernen von klein auf, sich mitzuteilen und mit modernster Technik umzugehen. Mit Computern sind unsere Schüler Stadtkindern meilenweit voraus, denn sie sitzen ständig vor dem Bildschirm." Lehrerin Kathy Hogan

Kleinere Klassenstärken und flexiblere Lehrpläne, aus denen sich jeder einzelne Schüler selbst aussuchen kann, was ihn besonders interessiert. Distanzlernen muss keine Einbahnstraße sein. Früher waren Familien im australischen Outback schon zufrieden, wenn ihre Kinder durch die "School of the Air" nur lesen, schreiben und rechnen lernten – heute steht ihnen die ganze Welt offen. Denn Internet, Video-Fernunterricht und Online-Lernen sorgen dafür, dass selbst im australischen Nirgendwo niemand sitzen bleibt.

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