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"Bitte ziehen Sie alle mit": Merkel verkündet Corona-Regeln | BR24

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Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt, die zusammen mit den Ministerpräsidenten beschlossenen Einschränkungen der öffentlichen Kontakte seien Regeln, es seien keine Empfehlungen. Die Polizei werde auf ihre Einhaltng achten.

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"Bitte ziehen Sie alle mit": Merkel verkündet Corona-Regeln

Ein Kontaktverbot und Schließung von Restaurants: Diese und andere Maßnahmen haben Bund und Länder im Kampf gegen das Coronavirus beschlossen. Kanzlerin Merkel appellierte an die Bürger: "Bitte ziehen Sie alle mit."

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Bund und Länder haben sich auf Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus geeinigt. Nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel werden in ganz Deutschland weitgehend einheitliche Regeln eingeführt. Kernpunkt: Versammlungen von mehr als zwei Personen werden verboten. Ausgenommen werden Angehörige, die im eigenen Haushalt leben. Außerdem müsse man sich jederzeit an einen Mindestabstand von 1,5 bis zwei Meter halten.

Bundesweit werden Restaurants geschlossen, es bleibt aber möglich, Mahlzeiten abzuholen und sie daheim zu essen. Auch Friseurgeschäfte und ähnliche Betriebe mit engerem Kontakt werden vorerst geschlossen.

Der Aufenthalt an der frischen Luft, so die Kanzlerin, sei weiterhin selbstverständlich möglich - auch der Weg zur Arbeit oder zum Arzt. Der Öffentliche Nahverkehr darf weiter genutzt werden. Für Beerdigungen gelten Ausnahmen.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Merkel: "Zeigen Sie Vernunft und Herz"

Bei Inkrafttreten der entsprechenden Rechtsverordnung gelten die Maßnahmen ab Montag für mindestens zwei Wochen. Merkel rief die Bevölkerung zu "Verzicht und Opfern" auf. Das öffentliche Leben und die sozialen Kontakte müssten durch neue Abstandsregeln und Schließungen weiter reduziert werden. "So retten wir Leben", betonte sie.

"Bitte ziehen Sie alle mit", appellierte Merkel an die Bürger. "Zeigen Sie Vernunft und Herz." Die Kanzlerin betonte zugleich, die Einschränkungen der öffentlichen Kontakte seien Regeln und keine Empfehlungen. Die Polizei werde auf ihre Einhaltungen achten.

Bayerische Ausnahme

Im direkten Anschluss an die Pressekonferenz der Bundeskanzlerin wurde bekannt, dass Bayern als einziges Bundesland das vereinbarte Ansammlungsverbot für mehr als zwei Personen nicht übernehmen will. Es bleibt bei der bayerischen Regelung, wonach man nur mit Angehörigen des eigenen Hausstandes an die frische Luft gehen darf.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte, der erzielte Kompromiss von Bund und Ländern gehe in die richtige Richtung. "Der Beschluss ist in Ordnung", sagte der CSU-Chef und fügte hinzu: "Jetzt haben wir ähnliche Regelungen in ganz Deutschland. Wir sind als besonders betroffenes Land auch stärker gefordert. Wir hätten keinen Tag länger warten dürfen." Er verteidigte damit erneut seine Entscheidung für Ausgangsbeschränkungen zwei Tage vor der von Bund und Ländern verabredeten Telefonschalte.

Der Ministerpräsident des Saarlands, Tobias Hans, begrüßt die Einigung auf ein Verbot der Treffen von mehr als zwei Personen. Dort gilt ebenfalls bereits eine Ausgangsbeschränkung. "Es ist gut, dass wir in der heutigen Besprechung einen wichtigen Beitrag zur Vereinheitlichung der Maßnahmen gegen Ausbreitung des Corona-Virus geleistet haben", sagt er.

Streit zwischen Söder und Laschet

Bei den Beratungen von Bund und Ländern zur Corona-Krise hat es dem Vernehmen nach einen heftigen Streit zwischen CSU-Chef Markus Söder und NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) gegeben. Laschet habe Söder demnach massiv attackiert, weil dieser bereits am Freitag "ohne Absprache" mit dem Bund und den anderen Ländern eigene Maßnahmen mit Ausgangsbeschränkungen für Bayern verordnet hatte. Medienberichte, wonach Söder die Schalte daraufhin verlassen wollte, konnten nicht bestätigt werden. Kanzlerin Merkel sprach im Anschluss von einer lebendigen Diskussion.

Laschet soll, so berichten Teilnehmer, in der Telefonkonferenz gemeinsam mit weiteren Bundesländern selbst ein Maßnahmenpapier vorgelegt haben. Dies sei aber in den Beratungen nicht weiter verfolgt worden, da Merkel ihrerseits ein eigenes Papier zur Grundlage machte.

Keine Ausgangssperre

Aus Teilnehmerkreisen war zu erfahren, dass man sich gegen eine generelle Ausgangssperre entschieden hat, da ansonsten Bewegung im Freien nicht mehr möglich gewesen wäre. Dies hätte zu Aggressionen und häuslicher Gewalt führen können und sei deshalb nur allerletztes Mittel. Zur Arbeit gehen, Einkaufen, Sport und Bewegung bleiben damit, wie gehabt, weiterhin möglich.

Neben Merkel und den Länderchefs nahmen auch die für den Kampf gegen die Ausbreitung und die Folgen des Corona-Virus wichtigsten Minister teil. Neben Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) waren auch Innenminister Horst Seehofer (CSU), Außenminister Heiko Maas (SPD), Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) dabei.

💡 Die bundesweiten Maßnahmen auf einen Blick:

1. Soziale Kontakte auf Minimum reduzieren. Am besten hauptsächlich Kontakt zu Menschen, mit denen Sie sowieso zusammenleben (Familie, Partner, Mitbewohner).

2. In der Öffentlichkeit Abstand halten. Am besten 1,5 Meter zu nächsten Person, besser noch 2 Meter.

3. In der Öffentlichkeit keine Gruppen bilden. Sie sollten öffentlich nur allein, mit ihren Mitbewohnern (egal, ob das Partner, Kinder oder WG-Kollegen sind) und/oder maximal einer weiteren Person, mit der Sie nicht zusammenleben, unterwegs sein. Achtung: Die bayerische Regelung ist hier härter: Hier sollten Sie nur alleine oder mit Mitbewohnern unterwegs sein.

4. Notwendige Wege sind weiter möglich. Wer zur Arbeit, zum Arzt, zum Einkaufen, zum Spazierengehen oder zu anderen wirklich nötigen Terminen muss, darf das weiter tun. Achtung: In Bayern gelten vor allem Arztbesuche, Einkaufen, Hilfeleistungen und Arbeit als triftige Gründe.

5. Partys sind verboten. Sowohl öffentliche Feiern als auch private Feste in Wohnungen oder anderen privaten Räumlichkeiten werden untersagt.

6. Restaurants müssen schließen. Gastronomiebetriebe dürfen bis erst einmal nur liefern oder Essen zur Abholung anbieten, keine Gasträume betrieben.

7. Friseure und Co. müssen schließen. Betriebe zur Körperpflege, die menschlichen Kontakt benötigen, werden vorerst nicht mehr öffnen. Dazu zählen Friseure, Nagelstudios, Tattoo-Studios, Kosmetiksalons oder Massagepraxen.

8. Firmen müssen Mitarbeiter und Kunden schützen. Betriebe, die noch geöffnet sind, müssen für den Schutz von Mitarbeitern und Besuchern sorgen und Hygienevorschriften einhalten.

9. Die Maßnahmen gelten für mindestens zwei Wochen.

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