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Bischofskonferenz: Streit um Wege aus der Kirchenkrise | BR24

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In Fulda beginnt heute die Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz. Die Idee: Auf einem "synodalen Weg" sollen Katholikinnen und Katholiken gemeinsam mit den Bischöfen über Reformen diskutieren und diese beschließen. Doch es gibt Widerstand.

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Bischofskonferenz: Streit um Wege aus der Kirchenkrise

In Fulda beginnt heute die Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz. Die Idee: Auf einem "synodalen Weg" sollen Katholikinnen und Katholiken gemeinsam mit den Bischöfen über Reformen diskutieren und diese beschließen. Doch es gibt Widerstand.

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Wie findet die katholische Kirche den Ausweg aus der Krise? Michael Kral und Katharina Libon vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) haben da sehr klare Vorstellungen:

"Dann reden wir von einem Frauenpriestertum, von einer Abschaffung des Pflichtzölibats. Ich erhoffe mir sehr ein starkes Signal, dass der Weg gegangen werden soll, und dass die Bischöfe die Notwendigkeit sehen, das verbindlich zu machen." Michael Kral und Katharina Libon, Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)

Es geht um mehr als fromme Worte

Verbindlichkeit, das ist das Schlüsselwort. Denn der letzte Versuch, Reformen in der katholischen Kirche anzustoßen, endete in einem: "Schön, dass wir darüber geredet haben". Ausgelöst durch die Missbrauchsskandale im Berliner Canisius-Kolleg oder im Kloster Ettal wurde 2011 ein "Gesprächsprozess" gestartet, an dessen Ende allerdings keine zählbaren Ergebnisse standen. Deshalb sagt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, diesmal:

"Wir werden dann sehen, was das ist, so ein 'synodaler Weg'. Und er muss auf konkrete Ergebnisse bezogen sein. Nicht nur ein Redeprozess." Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)

Das war Anfang Juli, als Sternberg gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, den "synodalen Weg" aus der Taufe hob. Da hatte Papst Franziskus bereits einen Brief an die katholische Kirche in Deutschland geschrieben, mit der Mahnung, dass die Deutschen bei allen Reformen auch die große katholische Weltkirche im Blick behalten sollten. Außerdem warnte der Papst: Redet nicht nur über Strukturen, sondern auch über Evangelisierung. Und dennoch war Kardinal Marx da noch zuversichtlich, dass die deutschen Katholiken viele heiße Eisen anpacken können.

"Die Themen der priesterlichen Lebensform und der priesterlichen Ausbildung. Dann die Fragen der Sexualität. Die Fragen von Macht und Gewaltenteilung. Und wir sind sehr froh, dass wir uns heute auch einigen konnten, dass wir ein viertes Forum einrichten über das Thema Dienste und Ämter der Frauen in der Kirche." Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Frauen für Erneuerung, Frauen gegen Erneuerung

Bischofskonferenz und ZdK haben die Rolle der Frauen in der Kirche als das große Zukunftsthema identifiziert. Der Unmut ist gewaltig. Die Initiative Maria 2.0 fordert eine Gleichberechtigung von Frauen. Allerdings zeigt sich bei diesem Thema auch die Spaltung der katholischen Kirche. Im oberbayerischen Schongau gründete sich die Aktion Maria 1.0. "Maria braucht kein Update", findet Dorothea Schmidt. Und die Kirche brauche auch nicht diesen "synodalen Weg".

"Dass was passieren muss, ist klar, aber unserer Meinung ist das nicht ganz der richtige Weg." Dorothea Schmidt, Schongau

Gegner warnen vor Kirchenspaltung

Wortführer der Unzufriedenen ist der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Er fürchtet eine "Spaltung innerhalb der deutschen Kirche" und warnt davor, das "uns anvertraute Glaubensgut mutwillig zu verändern". Im Interview mit dem bistumseigenen Internetkanal erinnert er an den Brief des Papstes an die deutschen Katholiken.

"Dass es uns an erster Stelle darum gehen muss, in alle unsere Lebensbereiche hinein das Evangelium und Christus zu tragen." Rainer Maria Woelki, Kardinal Köln

Was sagt der Papst?

Rückendeckung bekommt Woelki auch von der Römischen Kurie. Die hat in einem eigenen Gutachten den von der Bischofskonferenz eingeschlagenen Weg infrage gestellt. Wie könne eine Teilkirche verbindliche Beschlüsse fassen, die die ganze Weltkirche betreffen? Katharina Libon vom BDKJ hält solche Sorgen für unbegründet.

"Wir werden natürlich unsere Haltungen nach Rom weitergeben. Aber die Entscheidung liegt dann bei ganz großen, wegweisenden Veränderungen in Rom." Katharina Libon, BDKJ

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Marx, war in der Woche vor der Fuldaer Tagung in Rom und hat auch mit dem Papst über die Situation in Deutschland gesprochen. Die Gespräche, heißt es aus der Bischofskonferenz, waren sehr konstruktiv und: Es sei kein Stoppschild vor den "Synodalen Weg" gestellt worden.

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Der Ton war versöhnlich heute bei der katholischen Bischofskonferenz in Fulda. Aber in der Sache tut sich ein Graben auf. Nicht alle Bischöfe stehen hinter dem synodalen Weg - der sperrige Begriff steht für ein nie dagewesenes Reformvorhaben.