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Prognosekarte der sogenannten "gefühlten Temperatur"

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Bis zu 44 Grad: Südlichen Urlaubsländern droht Hitzeschock

Wetterextreme prägen den bisherigen Sommer: Während hierzulande viele starke Unwetter tobten, kämpft der Süden Europas zur Urlaubssaison gegen Hitzewellen und Waldbrände. Gefühlte Temperatur: teils um 50 Grad! Hier die Erklärung - und einige Tipps.

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Von
  • Michael Sachweh

Starkregen, Sturm, Böen, Hagel - der Sommer in Deutschland hat sich bisher oft von dieser Seite gezeigt. Auch in Bayern sind zahlreiche Landesteile von heftigen Unwettern getroffen worden. Ganz im Gegensatz dazu die Situation in anderen Ländern Europas: Waldbrände in der Türkei, davor große Feuer auf Sardinien, in Griechenland, in Spanien und Frankreich. Damit nicht genug: Den Prognose-Modellen zufolge werden die nächsten Tage und Wochen in zahlreichen Regionen extrem heiß - wobei es vor allem den Süden und Südosten trifft.

Dabei machen die Folgen der Erderwärmung auch vor dem Norden nicht halt. In polaren Regionen Skandinaviens und am russischen Eismeer hingegen kommt es immer wieder zu Hitzewellen. Inzwischen sind die Gewässer der Ostsee drei bis vier Grad wärmer als normal. Teile der südlichen Ostsee bieten dem Urlauber in diesen Tagen sogar wärmeres Wasser als die Ägäis!

Extreme Hitze in Teilen Südeuropas

Trotz der urlaubstauglichen Temperaturen im hohen Norden zieht es viele Menschen zu Beginn der Ferien wieder in die traditionellen Urlaubsländer Südeuropas. Viel Sonnenschein, ein sehr geringes Regenrisiko, hochsommerliche Temperaturen, und dann die wunderbar lauen Abende: Damit können vor allem die Regionen rund ums Mittelmeer punkten. Der Drang in den Süden entfaltet in diesem Jahr eine besondere Zugkraft, wo doch viele frühe Reisen der Pandemie zum Opfer fielen und der bayerische Sommer wettertechnisch zum Totalausfall zu werden droht.

Ausgerechnet jetzt jedoch bieten manche südeuropäische Länder dem sonnen- und wärmehungrigen Urlauber aus dem hohen Norden zuviel des Guten. Eine extreme Hitzewelle lastet bis weit in die nächste Woche hinein über weiten Teilen Südeuropas. Sie erstreckt sich vom südlichen Italien über den Balkan samt Griechenland hinweg bis zur türkischen Riviera.

Temperaturen von bis zu 44 Grad erwartet - gefühlt noch heißer

Unter dieser Hitzeglocke werden 36 bis 44 Grad erreicht. Die kühle Seebrise, auf die in normalen Sommern vielerorts Verlass ist, soll weitgehend zusammenbrechen. Beides zusammen wird dazu führen, dass die sogenannte gefühlte Temperatur - die übrigens ein objektiveres Maß für die Hitzebelastung des menschlichen Körpers ist als die normale Temperatur - gebietsweise 50 Grad und mehr erreichen dürfte!

Auch die hitzegewöhnten Südländer werden unter der Glut stöhnen. Für die menschliche Physiologie wie der unsrigen, die nicht an solche Hitzewellen akklimatisiert ist, kann das tödlich enden. Die Hitzewellen der Jahre 2003, 2015, 2018 und 2019 in West- und Mitteleuropa forderten Tausende von Hitzetoten. Schuld an der hohen Opferzahl war vor allem die unzureichende Klimatisierung von Räumen.

Erklärung für die Hitze

Ursache dieser anhaltenden und extremen Hitzewelle ist eine relativ kühle atlantische Strömung, die gegen Westeuropa samt Iberischer Halbinsel gerichtet ist. Richtig gelesen! Ein Ausbruch kühler Luftmassen weit nach Süden ist nämlich oft der Auslöser für eine atmosphärische Ausgleichsreaktion östlich der Kaltluftschneise. Wärmeschaukel nennen die Meteorologen das Phänomen: Als atmosphärische Antwort auf die kühle Iberische Luftströmung strömt im Gegenzug nordafrikanische Wüstenluft in die mittleren und östlichen Regionen des Mittelmeers. Hier gerät sie unter die Fittiche eines ausgedehnten Hochdruckgebiets. Fertig ist die stabile Hitzeglocke.

Richtiges Verhalten bei hohen Temperaturen

Wer trotz der extremen Wetteraussichten auf seinen Urlaub in den betroffenen Ländern nicht verzichten will, möge folgende Ratschläge befolgen:

  • Möglichst auf Ausflüge zwischen 11 und 17 Uhr verzichten.
  • Viel Wasser trinken, kein Alkohol bis zum Abend!
  • Unbedingt Unterkünfte mit funktionierender Klimaanlage wählen.

Diese Tipps sollten besonders die älteren Menschen ab 65 beherzigen. Gelten sie doch als besonders vulnerabel gegenüber großer Hitze.

Für den Reisenden, der beim Urlaubsziel noch flexibel ist, zwei Tipps:

  1. Die Inseln der Ägäis sind, wenn das hellenische Festland fest im Griff der Hitzeglocke ist, eine zuverlässige "Sommerfrische". Ursache ist der Meltemi, der dort stetig wehende Nordwind.
  2. Portugal, Spanien und Südfrankreich bleiben von der Hitzewelle weitgehend verschont. Sie bieten "Asyl" vor dem mörderischen Treibhausklima, das bis weit in die nächste Woche hinein den mediterranen Osten heimsucht.

Weitere Hitzewellen sind zu erwarten

Nach allem was uns die Klimaforschung berichtet, werden Hitzewellen im Rahmen des Klimawandels zunehmen. Im Mittelmeerraum ebenso wie in unseren Breiten. Die Häufung heißer Sommer seit den 2000er Jahren ist bereits Bestandteil dieses Wandels. Sie sind ein Vorgeschmack auf das, was uns in Zukunft erwartet. Dagegen muss man sich rechtzeitig wappnen. Sei es durch eine klimagerechte Bauweise oder durch einen Ausbau von Klimaanlagen, besonders in Altenheimen und Krankenhäusern. Hitzewellen-erprobte Länder wie die USA haben uns in puncto Hitzeprävention noch einiges voraus.

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Bei Waldbränden an der türkischen Mittelmeerküste sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. In Marmaris mussten auch Hotels evakuiert werden.

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