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Regierungsgebäude in Charkiw, Ukraine nach russischem Angriff

Regierungsgebäude in Charkiw, Ukraine nach russischem Angriff

Bildrechte: picture alliance / AA | Andrea Carrubba
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    Bilder aus dem Krieg: Wie berichtet der BR aus der Ukraine?

    Mitten im Angriffskrieg entstehen unzählige Bilder aus Situationen, die sich minütlich ändern können. Gleichzeitig hat das neue russische Mediengesetz die Arbeit des ARD-Studios Moskau extrem erschwert. Wie behalten BR-Redaktionen den Überblick?

    Von
    Jasmin BrockJasmin Brock
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    Ob BR24 digital, im Fernsehen oder im Radio: Der Krieg in der Ukraine ist aktuell das Thema, das die verschiedenen Nachrichtenformate des Bayerischen Rundfunk dominiert. Je unübersichtlicher das Kriegsgeschehen, desto größer die Herausforderungen für Medien, darüber zu berichten.

    Gerade bei Bildmaterial, das der BR beispielsweise im Fernsehen oder in Livestreams zeigt, spielen Einordnung und Verifikation eine immens wichtige Rolle. Wie funktioniert das? Und woher kommen die Bilder?

    Zusammenarbeit in der Europäischen Rundfunkunion

    Als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ist der BR Mitglied der EBU, der Europäischen Rundfunkunion. Knapp 70 weitere europäische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten speisen hier Bildmaterial ein und dürfen im Gegenzug das Material aller anderen nutzen. Das beschränkt sich nicht auf Kriegs- und Krisenberichterstattung, sondern passiert bei allen aktuellen Nachrichtenlagen.

    Der klare Vorteil: Möchte eine Rundfunkanstalt über ein Auslandsthema – wie Spitzentreffen der Politik oder Kulturveranstaltungen – berichten, muss sie nicht zwingend ein eigenes Kamerateam hinschicken, sondern kann auf die Aufnahmen der Kollegen und Kolleginnen vor Ort zurückgreifen.

    Netzwerke und Agenturen für gesichertes Bildmaterial

    Beim Krieg in der Ukraine hat diese europäische Zusammenarbeit laut EBU darüber hinaus den klaren Vorteil, dass die Anstalten Reporter oder Kamerateams an verschiedene Orte schicken können. Eine Aufgabenteilung erhöhe so auch die Sicherheit der Teams, so Liz Corbin, Head of News der in Genf sitzenden Rundfunkunion EBU. Die EBU stellt darüber hinaus auch Social Media Videos zur Verfügung: Eine eigene Abteilung prüft, ob die Videos echt und nicht manipuliert sind und klärt die Copyright-Rechte.

    Der Bayerische Rundfunk hat weitere Verträge mit Nachrichtenagenturen, die ebenfalls Bildmaterial zur Verfügung stellen, etwa mit AP (Associated Press) oder AFP (Agence France-Presse), die beide international arbeiten. Im Fernsehen ist die BR24-Redaktion im Austausch mit der ARD Aktuell Redaktion in Hamburg (Tagesschau und Tagesthemen).

    Erfahrene ehemalige BR-Auslandskorrespondenten wie Johannes Grotzky sind wertvolle Gesprächspartner. Hier spielten Netzwerke in Sachen Einordnung und Verifizierung eine wichtige Rolle, so Gudrun Hubatsch, stellvertretende Leiterin von BR24TV. Auch BR intern stimmen sich alle aktuellen Redaktionen ab und greifen zum Beispiel auf den BR24-#Faktenfuchs zu.

    Russisches Mediengesetz: Berichterstattung fast unmöglich

    Eine breite Aufstellung führt so dazu, dass auch unter erschwerten Bedingungen genügend geprüftes Bildmaterial vorhanden ist. Erschwerte Bedingungen – dazu zählt auch das neue Mediengesetz in Russland: Das ARD-Studio in Moskau, federführend betrieben vom WDR, musste seine Arbeit in Russland vorläufig aussetzen, weil der Kreml die "öffentliche Verbreitung absichtlich falscher Informationen über die Benutzung der Streitkräfte der Russischen Föderation" unter Strafe stellt.

    In russischen Staatsmedien wird nicht von einem "Krieg" gegen die Ukraine gesprochen, sondern von einer "militärischen Spezialaktion". Was als "Falschinformation" gilt, ist völlig ungeklärt. Auch die Unterstützung einer solchen vermeintlich falschen Berichterstattung, zum Beispiel durch technisches oder Büro-Personal, steht unter Strafe. Das Gesetz gilt für inländische Medienschaffende ebenso wie für ausländische Korrespondenten und Korrespondentinnen. Es drohen bis zu 15 Jahre Haft und für Medienunternehmen hohe Geldstrafen.

    Transparenz in der Berichterstattung

    Eine wichtige Leitlinie für den BR bei der Kriegsberichterstattung aus der Ukraine, ist ein offener Umgang mit Quellen. "Wenn es keine unabhängigen Quellen gibt, müssen wir dies deutlich machen", erläutert Christian Nitsche, Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. "Wir wollen Transparenz herstellen, damit jeder einordnen kann, welche Zwecke Bilder womöglich erfüllen sollen."

    Im BR und in der ARD wird deswegen aktuell auch vermehrt mit Sätzen wie "Die Aufnahme soll zeigen, dass…" oder "Wir können das noch nicht verifizieren" gearbeitet. Jana Heigl vom BR24-#Faktenfuchs begrüßt diese Art der Formulierung. Das Faktenfuchs-Team arbeitet täglich am sogenannten Fact-Checking, das im Krieg besonders wichtig ist.

    Fact-Checking, um Desinformation zu vermeiden

    "Uns kommt immer wieder Bildmaterial unter, das zum Beispiel durch Twitter oder TikTok verbreitet wurde und bei dem später herauskommt, dass die Bilder veraltet sind und so aus dem Kontext gerissen wurden", erzählt Heigl im BR24-Medienmagazin-Interview. Hier helfe beispielsweise eine Bilder-Rückwärtssuche in Suchmaschinen. Ob Material authentisch ist, lässt sich außerdem mit Online-Karten überprüfen – passt der Bildausschnitt zur Umgebung? – oder mit Tools, die zeigen, wie die Wetterbedingungen zu einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort waren.

    Bei aller zusätzlichen Bildrecherche, die nicht nur im Faktenfuchs-Team, sondern beispielsweise auch direkt in der Fernseh- und Onlineredaktion von BR24 stattfindet, betont Faktencheckerin Heigl: "Beim BR sind wir grundsätzlich sehr vorsichtig, welches Material wir verbreiten, weil wir dadurch Bildern natürlich zusätzliche Reichweite geben und Glaubwürdigkeit verschaffen." Wenn die Herkunft nicht abschließend geklärt werden kann, würde das #Faktenfuchs-Team eher von der Nutzung abraten.

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