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Bildrechte: picture alliance/dpa | Arne Dedert

Der Synodale Weg tagt derzeit online. Das Forum von Geistlichen und Laien diskutiert über Reformen in der katholischen Kirche.

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Bilanz des Synodalen Weges: "Am Anfang war der Missbrauch"

An diesem Freitag ist die zweitägige Online-Konferenz des Synodalen Weges zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt stand die Debatte um den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche sowie konkrete Reformvorhaben, die auf den Weg gebracht werden sollen.

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Von
  • Tilmann Kleinjung

"Am Anfang war die Missbrauchskrise", sagt Johanna Beck, selbst Betroffene von Missbrauch in der Kirche. "Die Missbrauchskrise war in der Kirche. Und die Kirche war in der Krise. Dieses war der Anfang des Synodalen Weges." Umso rätselhafter, dass Betroffene nicht von Anfang an mitgenommen wurden beim Reformprozess.

Das wurde bei dieser Online-Konferenz, der bereits dritten Versammlung, nachgeholt. Und Beck erinnerte die Teilnehmer daran, worum es überhaupt geht, bei diesem "Synodalen Weg": um nicht weniger als einen Systemwechsel.

Erste Reformvorschläge klingen wenig revolutionär

"Macht in der katholischen Kirche ist eine ungerechte, eine verletzende, eine als Dienst verschleierte und somit unkontrollierte Macht," so Beck. "Eine Macht, die den Schutz der Täter und der Institution viel zu lange über den Schutz der Betroffenen gestellt hat und das bisweilen immer noch tut." Diese ungleiche Verteilung von Macht in der Kirche will der Synodale Weg ausgleichen.

Die ersten, konkreten Reformvorschläge klingen da wenig revolutionär. Nicht nur Priester, auch theologisch gebildete Frauen und Männer sollen in Gottesdiensten predigen. Es soll mehr Transparenz in Finanzfragen geben und Schieds- und Ombudsstellen für Konflikte. Tatsächlich aber geht es um mehr - um Partizipation auf allen Ebenen, sagt die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Claudia Lücking-Michel.

"Zuerst sollten auf der Grundlage des geltenden Kirchenrechts alle organisatorischen und strukturellen Veränderungen eingeleitet werden, mit denen die Rechte und Beteiligungsmöglichkeiten aller Getauften in der Liturgie, in der Verkündigung und in der Diakonie gestärkt werden", fordert Lücking-Michel.

Marx: Reine Ausrichtung auf männliche Macht hat keine Zukunft

Dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer klingt das alles zu sehr nach Demokratie. Die katholische Kirche könne diese Hoffnungen "von ihrem Wesen her niemals" erfüllen, schreibt er in einem offenen Brief. Und auch die Diskussion über eine Weihe von Priesterinnen hält er für überflüssig.

"Papst Franziskus ruft die Frauen dazu auf, all die Ämter mit Leben zu füllen, für die es nicht die sakramentrale Weihe braucht," so Voderholzer. "Das sind: Gemeinde- und Pastoralreferentinnen, Religionslehrerinnen, Ordinariatsrätinnen oder gar Äbtissinnen."

Also alles wie gehabt? Voderholzer ist eine Art Sprecher der konservativen Minderheit in der Synodalversammlung. Die Mehrheit, auch der Bischöfe, will Veränderungen. So findet es Kardinal Reinhard Marx fragwürdig, dass in der katholischen Kirche Macht immer an die Priesterweihe gebunden ist. "Da komme ich dann zu dem Schluss: Also können nur Männer die Kirche leiten. Das kann ja nicht sein! Also ich kann mir nicht vorstellen, dass das für die Zukunft irgendeine Perspektive ist."

Trotz Rückschlägen gibt es Zuversicht für Reformen

Die Studentin Viola Kohlberger nimmt für die Pfadfinderschaft aus dem Bistum Augsburg am Synodalen Weg teil. Sie ist trotz aller Rückschläge zuversichtlich, dass am Ende des Wegs tatsächlich Reformen stehen. "Wir sind auf dem Weg, sehr, sehr langsam. Manchmal machen wir auch Pause. Aber ich habe das Gefühl, dass wir langsam zu etwas Besserem kommen."

Doch die Missbrauchskrise holt die katholische Kirche immer wieder ein. Der anhaltende Konflikt um die Aufarbeitung im Erzbistum Köln überschattet die Konferenz. Kardinal Rainer Maria Woelki hat ein bereits fertiges Gutachten zum sexuellen Missbrauch in seinem Erzbistum nicht veröffentlicht und stattdessen ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben. Ein Teilnehmer nannte es unerträglich, wie die "Energie in Vertuschung statt in Verantwortungsübernahme gesteckt werde".

Neues Gutachten soll am 18. März veröffentlicht werden

Woelki selbst räumte ein, dass Vertrauen verloren gegangen sei und übernahm erstmals auch die Verantwortung für Fehler. "Wir werden mit dem zweiten Gutachten, von dem wir uns erhoffen, dass es rechtssicher ist, weiterarbeiten, systemische, institutionelle und auch persönliche Verantwortlichkeiten benennen und aufdecken", so Woelki. "Und ich stehe zu meinem Wort, dass dann auch Namen genannt werden. Das habe ich den Betroffenen versprochen und das wird auch so sein."

Das Gutachten soll am 18. März veröffentlicht werden. Der Kölner Erzbischof steht allerdings auch selbst unter Verdacht, Missbrauchsvorwürfe gegen einen mittlerweile verstorbenen Priester nicht wie vorgeschrieben nach Rom gemeldet zu haben. Woelki weist diesen Vorwurf zurück. Das Präsidium des Synodalen Wegs formulierte in einer Erklärung einen allgemeinen Appell: Alle, die in der Kirche Leitung ausüben, müssten die Konsequenzen tragen, "wenn sie im Umgang mit Missbrauch gravierende Fehlentscheidungen" getroffen haben. Dabei könne auch ein Rücktritt kein Tabu sein.

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