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Bidens Sieg und Berlins Hoffnung | BR24

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Es ist unüberhörbar ein Seufzer der Erleichterung, den das politische Berlin nach dem Wahlsieg Joe Bidens ausstößt. Verbunden mit der Hoffnung auf eine demnächst wieder unbeschwerte transatlantische Beziehung.

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Bidens Sieg und Berlins Hoffnung

Es ist unüberhörbar ein Seufzer der Erleichterung, den das politische Berlin nach dem Wahlsieg Joe Bidens ausstößt. Verbunden mit der Hoffnung auf eine demnächst wieder unbeschwerte transatlantische Beziehung.

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"Es gibt so viele Themen, bei denen wir besser zusammenarbeiten könnten, als das in den letzten vier Jahren der Fall gewesen ist – und darauf setzen wir," sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) in den ARD-Tagesthemen und stellte damit auch nochmal unmissverständlich klar, wie er die Trump-Jahre im Rückblick so sieht.

"Ich glaube, dass wir erstmal das transatlantische Verhältnis insgesamt wieder in Ordnung bringen müssen. Also, dass wir uns als Partner behandeln." Heiko Maas (SPD), Bundesaußenminister

Merkel gratuliert "von Herzen"

Kanzlerin Merkel hatte, übrigens zeitlich abgestimmt mit anderen EU-Staaten, Joe Biden "von Herzen Glück und Erfolg gewünscht", eine Herzlichkeit, die sie bei ihrer Gratulationsbotschaft vor vier Jahren an Donald Trump so nicht an den Tag gelegt hatte.

Kein Zwischen-den-Zeilen-Lesen ist nötig, wenn die Linken-Chefin Katja Kipping im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio ihrer Freude über die Abwahl Trumps Ausdruck verleiht:

"Die Wahl von Donald Trump wäre die Wiederwahl eines Lügners gewesen, der jeden Tag seine Verachtung für Demokratie und Frauen zur Schau getragen hat." Katja Kipping, Parteichefin Die Linke

Biden der Mann des Win-Win

Aber wird denn nun wirklich alles anders, alles transatlantisch besser mit dem Demokraten Joe Biden im Weißen Haus? Zumindest die Art, miteinander umzugehen, meint der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer im rbb-Inforadio:

"Ein Joe Biden glaubt auch daran, dass es Lösungen gibt, die für beide Seiten gut sein können. Auf Englisch nennt man das Win-Win." Peter Beyer (CDU), Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung

FDP: Biden, der Mann der Allianzen schätzt

Auf eine Rückkehr der USA ins Pariser Klimaabkommen setzt man fast komplett parteiübergreifend in Berlin. Auch auf Entspannung in der Handelspolitik. Wobei FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff Deutschland und Europa davor warnt, genießerisch die Hände in den Schoß zu legen und sich zurückzulehnen. Trotz Stimmungsaufhellung:

"Joe Biden – ich kenne ihn persönlich - ist jemand, der Freundschaften schätzt, der Allianzen schätzt. Der weiß, dass Freundschaften Amerika stark und nicht schwach machen. Das ist etwas, was Donald Trump nie begriffen hat." Alexander Graf Lambsdorff, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion

Auch unter Biden: Mehr Geld für Verteidigung gefordert

Wenn auch in anderem Ton als Trump: Auch ein Joe Biden dürfte jedenfalls die Deutschen – wie einst Barack Obama – daran erinnern, dass sie mehr Geld für ihre Verteidigung, für ihre Sicherheit ausgeben müssen:

"Das sollte nicht eine amerikanische Forderung, sondern ein europäischer Wille sein," fordert deshalb auch der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen. Jenseits des Hinweises, dass es ein Zurück zu Weltpolizei-Zeiten von Seiten der USA auch unter Biden nicht geben werde, ist das allgemeine Aufatmen im politischen Berlin ansonsten doch spürbar.

AfD gratuliert pflichtschuldig

Außer bei der AfD vielleicht, auch wenn die Fraktionschefs Alice Weidel und Alexander Gauland Joe Biden pflichtschuldig gratulierten. Viele in der größten Oppositionspartei im Bundestag hatten jedoch keinen Hehl daraus gemacht, dass sie weitere vier Jahre Trump bevorzugten.

"Jetzt isch over"

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erwartet nun von führenden Republikanern, dass die Donald Trump die Wahlniederlage beibringen und ihm sagen: "Jetzt isch over." So Schäuble in der Bild am Sonntag wörtlich und gewürzt mit badischem Zungenschlag.

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Nach dem Wahlsieg Bidens hofft die Bundesregierung auf den Neuanfang. Außenminister Maas sprach von einer besseren Zusammenarbeit als in den letzten Jahren. Auch Trump-Befürworter wie Ungarns Präsident Orban und Polens Staatschef Duda gratulierten.

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