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Biathlon-Trainer Stitzl bestreitet "Reichsbürger"-Vorwürfe | BR24

© BR/David Herting

Mutmaßliche Reichsbürger klagen gegen

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Biathlon-Trainer Stitzl bestreitet "Reichsbürger"-Vorwürfe

Bei Sport-Übertragungen im Winter ist Biathlon-Trainer Andreas Stitzl immer wieder prominent eingeblendet worden, wenn er deutsche Skijäger angefeuert hat. Am Mittwoch kämpfte Stitzl vor dem Verwaltungsgericht München um sein Gewehr und seinen Ruf.

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Die Stimme von Andreas Stitzl überschlägt sich fast vor dem Verwaltungsgericht München, der Biathlon-Trainer kämpft kurz mit den Tränen. "Jetzt werd' ich auch noch emotional", sagte der 45-Jährige am Mittwoch.

"Ich muss das in aller Entschiedenheit sagen, dass ich mich ganz klar und deutlich von der sogenannten Reichsbürger-Szene distanziere. Das gleiche trifft zu zum Rechtsradikalismus. Ich bin das nicht." Andreas Stitzl

Stitzl, der frühere Assistenz-Trainer der Biathlon-Nationalmannschaft, kämpft vor Gericht um sein Biathlon-Gewehr, seine Karriere und seinen Ruf. Das Landratsamt Traunstein hat ihm die Waffenbesitzkarte abgenommen, weil es den Verdacht gibt, der 45-Jährige könnte der sogenannten Reichsbürger-Bewegung nahe stehen, die die Bundesrepublik Deutschland als Staat nicht anerkennt.

Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland

Es sei "erschreckend, dass ich mit den Vermutungen in Verbindung gebracht werde", sagte Stitzl. Er sei vor allem in den Jahren 2014 bis 2018 mit der Nationalmannschaft ein "Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland definitiv gewesen". Er habe immer mit Freude die Nationalhymne gehört. Als Berufssoldat habe er außerdem einen Eid auf die Bundesrepublik geschworen.

Er habe 2015 zwar einen Staatsangehörigkeits-Nachweis beantragt. Das sei aus Sicherheitsgründen geschehen, weil er damals so oft im Ausland unterwegs gewesen sei. Aus Sicht des Landratsamtes Traunstein machte Stitzl mit der Angabe "Königreich Bayern" reichsbürgertypische Angaben, die Behörde entzog ihm daraufhin die Waffenbesitzkarte - auch weil er das Amt als privatwirtschaftliches Unternehmen bezeichnet hatte.

© Peter Kneffel//dpa

Andreas Stitzl steht vor Beginn seiner Verhandlungen um seine Waffenbesitzkarte mit seinem Anwalt Claus Huber Wilhelm im Verhandlungssaal.

"Ein schwieriger Fall", sagt Richter Florian Schlämmer am Mittwoch am Schluss eines langen Verhandlungstages. "Ein Berufssoldat, der hier so krasse Dinge unterschreibt" - das sei "schon eine Ansage". Das Urteil soll am Donnerstag bekannt gegeben werden.

Neben Andreas Stitzl wurde heute vor dem Verwaltungsgericht München noch ein zweiter Fall eines mutmaßlichen sogenannten Reichsbürgers behandelt, der ebenso gegen den Waffenentzug geklagt hatte. Damit hat das Gericht begonnen, zwei von insgesamt 70 anhängigen Klagen zu verhandeln.

19 000 Menschen werden der Szene zugerechnet

Sogenannte Reichsbürger erkennen den Staat und die deutschen Gesetze nicht an und weigern sich, Steuern, Sozialabgaben und Bußgelder zu zahlen. Das Bundesinnenministerium rechnete der Szene im Jahr 2018 etwa 19 000 Menschen zu, im Jahr davor waren es noch 16 500.

Unter verstärkter Beobachtung der Behörden steht die Szene seit den tödlichen Schüssen eines "Reichsbürgers" auf einen Polizisten im fränkischen Georgensgmünd im Oktober 2016. Seither wurden sogenannten Reichsbürgern im Freistaat nach Angaben des bayerischen Innenministeriums insgesamt 778 Waffen entzogen.

Seit 2016 keine Waffen mehr für Reichsbürger

Deutschlandweit waren zum Stichtag 31. Dezember 2018 nach Angaben des Bundesinnenministeriums noch 910 "Reichsbürger und Selbstverwalter" als Waffenbesitzer bekannt. Seit dem Beginn der Beobachtung im Jahr 2016 wurden Angehörigen der Szene mehrere Hundert waffenrechtliche Erlaubnisse entzogen.