BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Bewaffnete Drohnen: Killermaschinen oder Lebensversicherung? | BR24

© BR24

Sind Kampfdrohnen für Bundeswehreinsätze überlebenswichtig? Vertreter der Truppe warben in einer Anhörung des Verteidigungsministerium für die Bewaffnung. Gegner haben vor allem ethische Bedenken.

12
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bewaffnete Drohnen: Killermaschinen oder Lebensversicherung?

Sind Kampfdrohnen für Bundeswehreinsätze überlebenswichtig? Vertreter der Truppe warben in einer Anhörung des Verteidigungsministerium für die Bewaffnung. Gegner haben vor allem ethische Bedenken.

12
Per Mail sharen

Es war eine Aufklärungsdrohne, die dafür sorgte, dass die deutschen Soldaten die Vorbereitung des Taliban-Angriffs in Echtzeit am Bildschirm verfolgen konnten. Ende August vergangenen Jahres, so berichtete es Generalinspekteur Eberhard Zorn, hätten die Extremisten das kleine deutsche Camp Pamir im nordafghanischen Kundus beschossen: "Unsere Soldaten konnten sehen, wie die Taliban die Rakete aufbauten und in Position brachten."

Nun wusste die Bundeswehrsoldaten in diesem Moment zwar, berichtete der Generalinspekteur, was die Extremisten da taten. Wehren konnten sie sich aber nicht. "Sie mussten mit ansehen, wie der erste Schuss abgefeuert wurde. Und sie mussten mitansehen, wie weitere sieben Schüsse auf sie abgefeuert wurden. Ihnen waren sprichwörtlich die Hände gebunden", erzählte Zorn in einer Anhörung des Verteidigungsministeriums.

Zweifelhafter Ruf der Kampfrohnen

Wäre die deutsche Aufklärungsdrohne bewaffnet gewesen, folgert Zorn, hätte sich die Bundeswehr gegen den Raketenbeschuss durchaus wehren können. Sein Fazit: "Wir, die Bundeswehr, wollen Drohnen zu unserer eigenen Verteidigung und zu unserem eigenen Schutz einsetzen."

Doch während die einen für bewaffnete Drohnen werben, weil sie in ihnen eine Art "fliegende Lebensversicherung" für deutsche Soldaten sehen, sind sie für andere "kalte Killermaschinen". Dass die unbemannten Flugkörper einen zweifelhaften Ruf genießen, dürfte auch daran liegen, dass die USA mit ihrer Hilfe seit vielen Jahren Jagd auf Terroristen machen, zum Beispiel im unzugänglichen Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan.

"Das ist das, was unsere amerikanischen Freunde als 'War on Terror' bezeichnen. Ein unerklärter, weltweiter Krieg", sagte der SPD-Politiker und scheidende Wehrbeauftragter des Bundestages, Hans-Peter Bartels. Dieses Szenario sei doch mit dem deutschen, wo das Parlament über Einsätze und deren Regeln befinde, überhaupt nicht vergleichbar, meint er. Bartels will der Bundeswehr den Schutz bewaffneter Drohnen nicht vorenthalten.

Sinkt die Hemmschwelle?

Doch es gibt noch weitere Bedenken. "Gibt es eigentlich in der zukünftigen Kriegsführung überhaupt noch den Einfluss des Menschen oder läuft es darauf hinaus, dass die Maschinen untereinander aushandeln, wie der Krieg zu führen ist?" fragt der evangelische Militärbischof Sigurd Rink.

Damit hängt auch die Befürchtung zusammen, ob Drohnen nicht die Hemmschwelle für Kampfhandlungen senken, eben weil die Kriegführenden nicht mehr unmittelbar am Ort des Geschehens sein müssten und daher weniger zu befürchten hätten.

Debatte könnten heftiger werden

Diese Debatte soll nun geführt werden. Nach Ansicht des Staatssekretärs im Verteidigungsministerium, Peter Tauber, geht es dabei auch um die Frage, ob man den deutschen Soldaten beim Umgang mit bewaffneten Drohnen vertraue. Tauber meint, Staat und Gesellschaft sollten dies tun.

Es ist kein Geheimnis, dass sich Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im Dezember vergangenen Jahres bei einem Afghanistan-Besuch eindeutig dafür ausgesprochen hatte, deutsche Drohnen zu bewaffnen. Der Koalitionspartner SPD ist mindestens skeptisch. Bislang jedenfalls. Die Debatte, die im Grunde seit Jahren auf niedriger Flamme geführt wird, dürfte nun allerdings wieder etwas heftiger werden.