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Beunruhigende Corona-Lage in der Schweiz | BR24

© pa/dpa/Antony Anex

Bern: Plakat mit Verhaltensregeln im Umgang mit dem Coronavirus

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    Beunruhigende Corona-Lage in der Schweiz

    In der Schweiz waren die Fallzahlen lange stabil, die Schutzmaßnahmen eher lax. Seit Anfang Oktober zeigt die Kurve der Neuansteckungen steil nach oben. Die Kantone reagieren ganz unterschiedlich auf die Entwicklung.

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    "Beunruhigung. Das ist das Wort der Stunde", so charakterisiert Lukas Engelberger, der Präsident der Schweizer Konferenz der Gesundheitsdirektionen, im Schweizer Radio SRF gerade die aktuelle Corona-Lage in der Eidgenossenschaft. Relativ lange waren die Fallzahlen linear oder gar rückläufig gewesen - das habe den Schweizerinnen und Schweizern möglicherweise zu viel Vertrauen gegeben, glaubt Engelberger. Nun sei es kühler geworden, das Leben verlagere sich wieder in die Innenräume. Entsprechend müsse sich das Verhalten der Bevölkerung wieder ändern, mahnte der Gesundheitsexperte.

    Zwölfmal mehr Fälle als Ende September

    Tatsächlich zeigt seit Anfang Oktober die Kurve der Neuansteckungen in der Schweiz wieder stark nach oben. Heute vermeldete das Schweizer Bundesamt für Gesundheit in Bern 2.823 Neuansteckungen innerhalb von 24 Stunden und damit fast doppelt so viele wie zum Höhepunkt der Epidemie im März. Vor einer Woche waren es etwa 700 Fälle - Ende September noch 220.

    Auch die Zahl derjenigen, die wegen Covid-19 ins Krankenhaus müssen, ist gestiegen. Betroffen sind vor allem die Ballungsräume. In den Krankenhäusern des Kantons Zürich etwa gibt es mit über 50 so viele Corona-Patienten wie zuletzt vor fünf Monaten, auch wenn man weit vom Höchststand Anfang April entfernt ist. Damals lagen mehr als 200 an Covid Erkrankte in den Krankenhäusern. Auch der Anteil älterer Menschen, die sich mit dem Virus anstecken, hat wieder zugenommen.

    Appelle an die Bevölkerung

    Die Verantwortlichen appellieren an die Bevölkerung, die bekannten Schutzregeln weiterhin konsequent anzuwenden. Zürichs Stadtpräsidentin Corinne Mauch richtete sich im Namen des Stadtrats mit einer Videobotschaft an die Bürgerinnen und Bürger:

    "Halten Sie Abstand, wenn Sie keine Maske tragen. Und waschen Sie sich häufig die Hände. (…) Nur so können wir es vermeiden, dass wieder sehr einschneidende Maßnahmen nötig werden."

    Ein Flickenteppich an Regelungen

    Mit Blick auf die schon jetzt geltenden Maßnahmen und Vorschriften gleicht die Schweiz einem Flickenteppich. Zwar gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln landesweit eine Maskenpflicht, doch im Umgang in Geschäften sind sich die Kantone alles andere als einig.

    Während mehr und mehr Kantone das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch in Einkaufsläden vorschreiben, verzichtet etwa der Kanton Obwalden darauf, obwohl sich auch dort die Situation zugespitzt hat. Das dortige Gesundheitsamt teilte mit, auf zusätzliche Maßnahmen wolle man verzichten, da sich die meisten Personen im privaten Umfeld oder am Arbeitsplatz angesteckt hätten. Im Kanton Schwyz gilt dagegen eine Maskenpflicht für öffentliche und sogar für private Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmenden, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann.

    Schnelle Öffnung fordert ihren Tribut

    In der Schweiz wurden nach dem Ende des landesweiten Lockdowns relativ schnell wieder Clubs und Diskotheken geöffnet. Nach sogenannten Superspreader-Ereignissen mit hochansteckenden Gästen gab es wiederholt Schwierigkeiten, alle Kontaktpersonen zu ermitteln. So hat die Stadt Bern gerade hunderte von Club-Besuchern in Quarantäne geschickt und darüber nachgedacht, für das Contact-Tracing die Armee um Unterstützung zu bitten.

    Seit Oktober sind in der Schweiz auch Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern grundsätzlich wieder erlaubt.

    Muss nun "zurückbuchstabiert" werden?

    Nun setzen die Experten wie Lukas Engelberger auf Disziplin. Sollten sich alle an die gebotenen Regeln halten, sei ein Verbieten von Veranstaltungen wie Fußball- oder Hockeyspielen nicht nötig. Sollte es allerdings anderweitige Hinweise geben, dann müsse "zurückbuchstabiert" werden, sagte er im Radiointerview.

    © dpa

    Lukas Engelberger, der Präsident der Schweizer Konferenz der Gesundheitsdirektionen

    Krisengipfel mit ungewissem Ergebnis

    Ähnlich wie Angela Merkel und die deutschen Ministerpräsidenten wollen sich nun die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Vertreter der Kantone zu einem Krisengipfel treffen. Dort soll ausgelotet werden, wie der Schweizer Bund und die Regionen besser zusammenarbeiten können.

    Was genau von dem Treffen zu erwarten ist, blieb zunächst unklar. Der Gesundheitsminister Alain Berset hatte in den letzten Tagen immer wieder von "regionalen Lockdowns" gesprochen und dabei klar gemacht, dass darüber letztlich die Kantone zu entscheiden hätten. Angesichts der derzeitigen Infektionszahlen kann aber davon ausgegangen werden, dass die Schweiz auf eine Verschärfung der Maßnahmen zusteuert.

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