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Symbolbild: Corona-Schnelltests in einem Testzentrum

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    Kein Einzelfall: Bundesweit Testzentren unter Verdacht

    Es begann mit Fällen in NRW und einem in Bayern. Doch nach den ersten Verdachtsfällen zeigt sich: Im ganzem Bundesgebiet gab es anscheinend Betrug bei den Abrechnungen in Testzentren. Auch Berlin und Hessen melden neue Fälle.

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    Von
    • BR24 Redaktion

    Das Ganze begann mit Nachfragen eines Rechercheverbundes aus WDR, NDR und SZ. Sie zeigten, wie unkontrolliert letztendlich die Bürgertests ablaufen, vor allem bei Testzentren. Aus den anfänglichen Ergebnissen hat sich nun langsam, aber sicher ein bundesweiter Betrugsfall entwickelt.

    Bayern und NRW machten den Anfang

    Der Anfang ist gemacht mit einem Online-Kurs für die Abstrich-Entnahme von Schnelltests. Das alleine genügt schon, um beim Gesundheitsamt einen Antrag auf eine Eröffnung eines Testzentrums einzureichen. Damit war anscheinend Tür und Tor geöffnet, wie sich jetzt herausstellt. Wie die Rechercheeinheit berichtet, verzeichnete allein Nordrhein-Westfalen Mitte März 1.862 Teststellen, Mitte April waren es dann 5.776 und Mitte Mai bereits 8.735.

    18 Euro pro Test – davon 12 Euro für Entnahme

    Die Teststationen selbst können insgesamt 18 Euro pro Test abrechnen. Das teilt sich auf in 12 Euro für die Dienstleistung und sechs Euro für das Material. Wie das Rechercheteam ermittelte, waren das alleine für Bayern bis Mitte Mai mehr als 120 Millionen Euro, die so von den Testzentren im Freistaat eingereicht wurden. Abgerechnet wird dies über die Kassenärztliche Vereinigung, die das wiederum vom Bundesamt für Soziale Sicherung erstattet bekommt. Sprich: Steuermittel.

    Immer mehr Verdachtsfälle

    Erste Erkenntnisse über Unregelmäßigkeiten gab es in Nordrhein-Westfalen und bei einem Fall in Bayern. Doch die Sache ist größer, wie sich jetzt herausstellt. Nach und nach werden neue Fälle bekannt, und zwar im ganzen Bundesgebiet.

    Nach Miesbach ermittelt jetzt auch die die Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG) bei der General-Staatsanwaltschaft Nürnberg. Diese spezialisierte Staatsanwaltschaft ist für Straftaten zuständig, die von Angehörigen staatlich anerkannter Heilberufe begangen werden, also etwa Ärzte, Pfleger oder Apotheker. Wo genau der zweite Verdachtsfall aufgetaucht ist, wollte der ZKG-Sprecher mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht preisgeben.

    Senat schließt Einrichtungen in Berlin

    Nach einer Überprüfung mehrerer Corona-Teststellen in Neukölln sind laut Berliner Gesundheitsverwaltung zwei der Einrichtungen geschlossen worden. Hintergrund für den Schritt seien unsachgemäße Testungen gewesen, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit auf Anfrage. Die Kontrollen seien gemeinsam mit dem Bezirk, der Senatsverwaltung für Wirtschaft, der Polizei und dem Zoll durchgeführt worden. Vorausgegangen seien Hinweise auf Ungereimtheiten beim Testablauf. Wie die Zeitungen "B.Z." und "Bild" berichten, befanden sich die geschlossenen Teststellen in einer Bar und in einer Fahrschule.

    Zwei mögliche Betrugsfälle in Hessen

    In Hessen sind nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) zwei mögliche Betrugsfälle in Corona-Testzentren registriert worden. In einem Fall wurde demnach ein Testtermin gebucht und im Voraus bezahlt, zum besagten Termin soll das Testzentrum aber geschlossen gewesen sein. In dem anderen Fall handelt es sich um einen möglichen Betrug in Gießen, der am Montag bekannt geworden war. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft wird gegen zwei Angehörige einer Teststelle ermittelt. Den beiden Männern wird demnach vorgeworfen, gefälschte PCR-Testergebnisse übersandt und pro Test zu Unrecht 79,90 Euro eingenommen zu haben.

    Darüber hinaus seien dem LKA keine ähnlich gelagerten Fälle übermittelt worden, auch keine betreffend der Hygienesituation, teilte die Ermittlungsbehörde mit. Das Frankfurter Gesundheitsamt bestätigte derweil, dass die Behörde die Beauftragung der Stadt für zwei Testzentren wegen "relevanter Mängel bei der Testdurchführung" widerrufen musste.

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