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Betrüger verkaufen gemietete Wohnmobile weiter | BR24

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Die Wohnmobilbranche boomt. Doch Vorsicht beim Kauf. Immer wieder kommt es dazu, dass Betrüger günstige Wohnmobile anbieten, die sich dann später als geklaut herausstellen. Wer dann das Recht auf das Wohnmobil hat, ist nicht immer klar.

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Betrüger verkaufen gemietete Wohnmobile weiter

Die Wohnmobilbranche boomt. Doch Vorsicht beim Kauf. Immer wieder kommt es dazu, dass Betrüger günstige Wohnmobile anbieten, die sich dann später als geklaut herausstellen. Wer dann das Recht auf das Wohnmobil hat, ist nicht immer klar.

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Es gibt immer wieder ähnliche Fälle in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen sollen Betrüger in zwei Jahren 15 Millionen Euro Schaden verursacht haben. Mit der immer gleichen Masche: Sie verkaufen "gemietete" Wohnmobile günstig an ahnungslose Kunden. Mit gestohlenen Blanko-Fahrzeugbriefen.

Jan Lomberg aus Weiden in der Oberpfalz vermietet ein Wohnmobil. Eine gute Geschäftsidee, dachte er. Anfang März hat er sein Wohnmobil das letzte Mal vermietet. An einen Kunden, der erzählt, mit seiner Frau drei Wochen lang durch Deutschland reisen zu wollen. Er bezahlt bar und kann sich ausweisen. Doch das Wohnmobil kommt nicht mehr zurück. Er hatte im Vorfeld keinen Verdacht:

"Für mich waren die Papiere eigentlich korrekt. Das war mit Stempel Stadt Köln drauf. Also für einen Laien war es nicht zu erkennen, dass es irgendeine Fälschung war. Außerdem hat er ein nettes Auftreten gehabt." Jan Lomberg

Wohnmobil wurde weiterverkauft

Lomberg ist einem Betrüger auf den Leim gegangen. Der Meldeschein der Stadt Köln war gefälscht, Ausweis und Führerschein auch. Die Polizei nimmt Ermittlungen auf, sucht nach dem Wohnmobil. Es taucht kurze Zeit später in Kiel wieder auf. Doch das sind keine guten Nachrichten für Lomberg: "Zwei drei Tage später habe ich wieder einen Anruf bekommen von der Kripo: Ich solle ganz schnell einen Anwalt einschalten. Der Käufer, der das Wohnmobil gekauft hat, hätte mit seinem Rechtsanwalt gutgläubigen Kauf angemeldet und das Fahrzeug bereits ausgeliefert bekommen. Dann habe ich bei der Staatsanwaltschaft Kiel angerufen und die haben das bestätigt, dass das Fahrzeug bereits abgeholt ist."

Unterschied zwischen Diebstahl und Unterschlagung

Ein "gutgläubiger Kauf". Und deshalb sei dieses Wohnmobil nun nicht mehr Lombergs Eigentum, sondern das des gutgläubigen Käufers in Kiel. Die Dokumente, die dieser ausgehändigt bekommen hatte, stammten aus einem Diebstahl von Blanko-Zulassungsbescheinigungen aus Nordrhein-Westfalen. Ein Schock. Der neue Käufer hat ein Recht auf das Wohnmobil. Denn es war kein Diebstahl, sondern Unterschlagung.

Jan Lomberg ist fassungslos: "Es handelt sich um gefälschte Papiere, um Fahrzeugscheine aus Düsseldorf, die geklaut wurden. Diese Briefe haben doch fortlaufende Nummern. Warum wird das nicht gesperrt? Warum haftet da unser Staat nicht? Wenn die wissen, dass da tausende von gestohlenen Briefen im Umlauf sind, die ganz leicht zu fälschen sind."

Das ist geltendes Recht, sagt Juraprofessor Johannes Kaspar von der Universität Augsburg:

"Es ist so, dass das Gesetz hier die Entscheidung getroffen hat, dass in so einem Fall der Käufer mehr geschützt wird als der ursprüngliche Eigentümer, der dann tatsächlich unwiederbringlich sein Eigentum verliert." Johannes Kaspar, Juraprofessor

In Lombergs Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft Weiden und die müsse sich an das geltende Recht halten, erklärt Staatsanwalt Gerd Schäfer:

"Ich frage nur: Hat der neue Erwerber das gutgläubig erworben? Und da spielt es keine entscheidende Rolle, ob das, was ihm vorgelegt worden ist, das Original oder gefälscht ist.“ Gerd Schäfer, Staatsanwalt

Also gilt der gefälschte Fahrzeugbrief in diesem Fall.

Detektiv auf der Spur der Wohnmobil-Mafia

Rainer Harms kennt das Problem mit unterschlagenen Wohnmobilen. Der Detektiv hat sich auf das Aufspüren von abhanden gekommenen Wohnmobilen spezialisiert. Es sei inzwischen immer die gleiche Masche: "Es kommt sehr häufig vor. Also wir hatten voriges Jahr mit zehn Fällen von Unterschlagung zu tun und wir wissen auch von anderen, dass es doch sehr oft vorkommt. Meistens werden die Wohnmobile bei kleineren Autovermietungen gemietet - mit gefälschten Führerscheinen."

Gerd Schäfer von der Staatsanwaltschaft Weiden geht von mafiaähnlichen Strukturen aus:

"Es spricht schon einiges dafür, dass hier zumindest im Hintergrund eine gewisse bandenmäßige Struktur vorhanden ist." Gerd Schäfer, Staatsanwalt

Versicherung zahlt nicht

Jan Lomberg hat das Wohnmobil über seine Bank finanziert. Der Neupreis war 47.000 Euro. Jetzt muss er noch drei Jahre ein Fahrzeug abbezahlen, das längst einen anderen Eigentümer hat. Und die Versicherung zahlt nicht, weil es kein Diebstahl, sondern eine Unterschlagung war.