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Besuchszeit auf unbestimmt abgesagt - Corona und Gefängnisse | BR24

© picture-alliance/Matthias Balk

Zutritt bis auf Weiteres verboten - wegen der Ansteckungsgefahr sind die Besuchzeiten vorerst ausgesetzt.

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    Besuchszeit auf unbestimmt abgesagt - Corona und Gefängnisse

    Noch sind keine Covid19-Infektionen in Bayern JVA bekannt. Damit es dabei bleibt, gilt seit dem 18. März Besuchsverbot. In Italien und Spanien hat das zu scharfen Protesten und teilweise sogar zu Revolten geführt. Wie ist die Stimmung in Bayern?

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    Der 20. April dürfte für die Häftlinge in Bayerns Gefängnissen ein heiß ersehntes Datum sein: Ab da dürfen sie planmäßig wieder Besuch empfangen, was nun schon seit knapp zwei Wochen untersagt ist. Grund ist die Corona-Krise. Das Verbot sei zum "Schutz der Gefangenen vor einer möglichen Ansteckung" gedacht, heißt es im Beschluss des Justizministeriums.

    Das Team von Nicole Lehnert darf aber nach wie vor in die Gefängnisse. Die Leiterin der Münchner Zentralstelle für Straffälligenhilfe sorgt sich wegen des Besuchsverbots aktuell besonders um die Inhaftierten: "Die Gefangenen befinden sich durch den Freiheitsentzug ja ohnehin in einer Ausnahmesituation, sie haben eine stark eingeschränkte, eigene Handlungsfähigkeit, was ein starkes Gefühl der Ohnmacht erzeugt", so Lehnert. "In der aktuellen Situation wird das noch weiter verstärkt." Das könne wiederum Ängste oder auch Aggressionen bei den Gefangenen auslösen.

    In Italien und Spanien führte das Besuchsverbot zu Revolten

    Auch in Italien und Spanien, wo sich das Coronavirus am stärksten in Europa verbreitet hat, sind Gefängnisbesuche derzeit untersagt. Das führte zu heftigen Ausschreitungen und Revolten, Insassen sind sogar geflohen oder gar ums Leben gekommen. "Natürlich haben wir uns Sorgen gemacht, ob so etwas auch in bayerischen Gefängnissen passieren kann", sagt Nicole Lehnert von der Straffälligenhilfe, "uns war daher recht schnell klar, dass wir unsere Arbeit in den Justizvollzugsanstalten so lange wie möglich aufrechterhalten wollen." Es sei wichtig, in der aktuellen Situation weiter für die Gefangenen als Ansprechpartner da zu sein, damit diese sich nicht alleine gelassen fühlen.

    Gerade weibliche Häftlinge leiden unter Kontaktverbot zu ihren Kindern

    Inhaftierte Frauen trifft das Besuchsverbot besonders hart, sagt Lydia Halbhuber-Gassner, Referentin für Straffälligenhilfe beim Sozialdienst katholischer Frauen in Bayern. Auch und gerade weil Frauen bayernweit nur sechs Prozent der Inhaftierten ausmachen. "Sie haben oft nicht nur ein Kind, viele sind klein, manche Frauen waren vorher auch schon alleinerziehend. Und dass der Kontakt momentan unterbrochen ist, das ist natürlich nachvollziehbar, allerdings sehr, sehr schwierig", beschreibt die SkF-Referentin die Problemlage. "Je jünger das Kind ist, umso wichtiger ist regelmäßiger Kontakt, weil Kinder sonst schnell vergessen."

    Gefängnisseelsorge findet teilweise nur noch per Telefon statt

    Das macht Seelsorge aktuell besonders notwendig. Gefängnisseelsorger der Kirchen dürfen zumindest noch in die Strafanstalten hinein, der Verein "Die Brücke" allerdings nicht. In der unterfränkischen JVA Aschaffenburg leisten die Haupt- und Ehrenamtlichen normalerweise Resozialisierungsarbeit. Corona hat ihr Engagement aber nicht ganz zum Erliegen gebracht, erklärt der Vorsitzende Manfred Sommer: "Wir behelfen uns damit, dass wir die Anfragen entweder am Telefon mit den Gefangenen beantworten oder per E-Mail."

    Denn das Justizministerium hat die Anstaltsleitungen angehalten, nun wenigstens die üblichen Telefonbeschränkungen zu lockern. Auch das scheint die Lage zu entspannen. "Man muss also wissen, dass die Gefangenen sich insgesamt sehr ruhig verhalten und mit den Maßnahmen sehr einverstanden sind", bilanziert Sommer.

    Insgesamt reagieren Häftlinge mit Verständnis auf Besuchsverbot

    Das bestätigen auch die Seelsorger in anderen bayerischen Gefängnissen. Beliebig verlängern ließe sich das Besuchsverbot aber nicht, sollte die Corona-Krise nicht bis zum 20. April eingedämmt sein, sagt Lydia Halbhuber-Gassner von der Straffälligenhilfe des Sozialdienstes katholische Frauen.

    "Wie groß die "Leidensfähigkeit" der Menschen ist, das vermag ich ernsthaft oder seriös überhaupt nicht zu sagen", so die Straffällignehelferin, "aber da müssen wir scheinbar jetzt durch, weil eine Infektion in einer so großen Anstalt wäre natürlich ein ganz großes Problem."