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Besorgnis über Ergebnisse der neuen PISA-Studie | BR24

© Dagmar Pepping / BR

Nach mehrjährigem Aufwärtstrend bis zum Jahr 2013 erlebt Deutschland nun den zweiten Pisa-Knick in Folge. Die deutschen Schüler haben sich in allen drei untersuchten Bereichen leicht verschlechtert.

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Besorgnis über Ergebnisse der neuen PISA-Studie

Das schlechtere Abschneiden deutscher Schüler in der neuen internationalen Pisa-Studie hat Sorgen ausgelöst. Deutschland liegt zwar über dem OECD-Durchschnitt, doch der Abstand zur Weltspitze ist groß.

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Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat besorgt auf die Ergebnisse der PISA-Studie reagiert. In allen drei untersuchten Bereichen - Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften - liegen die Schüler in Deutschland zwar über dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Die getesteten 15-Jährigen erzielten jedoch überall geringere Punktwerte als bei der letzten internationalen Vergleichsstudie und sie blieben deutlich hinter den Spitzenreitern aus Asien und Europa zurück.

Karliczek will nationale Kraftanstrengung

Bundesbildungsministerin Karliczek forderte einen Aufbruch in der Bildungspolitik:

"Mittelmaß, selbst gehobenes Mittelmaß, kann für ein Land wie Deutschland ohne nennenswerte Rohstoffe nicht der Anspruch sein." Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) 

Karliczek sagte, die Bundesregierung bleibe bei ihrem Angebot an die Bundesländer zur verstärkten Zusammenarbeit. "Jetzt müssen sich die Länder überlegen, was sie wollen." Ein von der Bundesregierung geplanter nationaler Bildungsrat war kürzlich gescheitert, weil Bayern und Baden-Württemberg ausgestiegen sind.

FDP spricht von "PISA-Klatsche"

Der Grünen-Vorsitzender Robert Habeck sagte, Deutschland habe über die letzten Jahre im Vergleich zu den anderen OECD Staaten zu wenig für Bildung ausgegeben. Der deutsche Bildungsföderalismus habe seinen Wert, dürfe aber nicht dazu führen, dass die Zukunft nicht finanziert werde. Der FDP-Bildungspolitiker Thomas Sattelberger sieht Deutschland in der Bildungspolitik "auf Sinkflug", weil sich Bund und Länder im "kleinkarierten Kompetenzgerangel" verlören. Seine Fraktionskollegin Katja Suding sprach von einer "Pisa-Klatsche."

Sorgen auch bei der Wirtschaft

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte bundesweite und verbindliche Bildungsziele, damit den Schülern ein besserer Einstieg in den Beruf gelingt. Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks verwies auf die nötigen Kenntnisse in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen, um "einen guten Start ins Berufsleben zu finden".

Meidinger im BR: "Enttäuschung aber kein Schock"

Besonders der Aspekt, dass in Deutschland der Erfolg von Schülerinnen und Schülern immer noch sehr stark vom Elternhaus abhängt, löst kritische Reaktionen aus. Die Bildungsgewerkschaft GEW und der Philologenverband fordern mehr Chancengleichheit im deutschen Schulsystem und sagen: Auch der Lehrkräftemangel an Schulen ist Schuld.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte dem BR, er sei enttäuscht, dass sich der positive Trend der letzten Jahre nicht fortgesetzt habe. Er habe aber allerdings mit noch schlechteren Ergebnissen gerechnet. Ein Grund sei die hohe Zahl von schulpflichtigen Kindern mit Migrationshintergrund. Zugleich gebe es hierzulande einen massiven Lehrermangel.

"Keine Freude am Lesen"

Die Leiterin des deutschen Teils der Pisa-Studie, Kristina Reiss, sagte, Deutschlands Anspruch müsse "einfach größer sein, als ein bisschen über dem OECD-Durchschnitt zu liegen". Reiss zeigte sich besonders besorgt darüber, dass etwa ein Fünftel der 15-Jährigen nur schlecht lesen kann. Dazu komme, dass die Freude am Lesen abgenommen habe.

"Es ist doch traurig zu sehen, dass die Jugendlichen inzwischen lesen, um Informationen zu bekommen, weniger aus Freude am Lesen", sagte Reiss. Sie forderte als Konsequenz aus den Ergebnissen mehr individuelle Förderung. Ob sich das Schulsystem insgesamt ändern müsse, könne sie aus den Ergebnissen nicht ableiten.

© BR

Die neueste Pisa-Studie stellt deutschen Schülern kein gutes Zeugnis aus. Die Leistungen der 15-Jährigen sanken in allen drei untersuchten Bereichen: Lesen, Naturwissenschaften und Mathematik.