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Berufsausbildung trotz Corona-Krise: Betriebe bekommen Prämie | BR24

© picture alliance/Felix Kästle/dpa

Auszubildender im Schreiner-Handwerk arbeitet an einem Werkstück.

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Berufsausbildung trotz Corona-Krise: Betriebe bekommen Prämie

Wenn kleine und mittlere Unternehmen bei der Ausbildung junger Leute nicht nachlassen, bekommen sie vom Staat eine Art Krisen-Bonus. Wie hoch ist die Ausbildungsprämie? Was sind die Voraussetzungen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Aus der Wirtschaftskrise soll nicht auch noch eine Ausbildungskrise werden. Deshalb hat das Bundeskabinett Hilfen für angeschlagene Unternehmen auf den Weg gebracht, die trotzdem ihre Azubis halten oder auch neue einstellen. Die Verunsicherung bei Unternehmen und Schulabgängern ist groß. Das erklärt vielleicht auch diese paradoxe Situation: Die Bundesagentur für Arbeit hatte Anfang des Monats von einem "auffälligen Rückgang" bei den gemeldeten Ausbildungsstellen gesprochen. Gleichzeitig waren aber zuletzt noch 250.000 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Wie sieht die Unterstützung konkret aus?

Die sogenannte Ausbildungsprämie der Bundesregierung soll Anreize schaffen. Wenn Betriebe genauso viele junge Leute ausbilden wie im Schnitt der letzten drei Jahre, bekommen sie 2.000 Euro pro abgeschlossenem Vertrag. Wenn sie mehr ausbilden als bisher, sind es sogar 3.000 Euro. Außerdem will die Bundesregierung Firmen unter die Arme greifen, wenn sie ihre Lehrlinge nicht in Kurzarbeit schicken oder wenn sie Azubis von Betrieben übernehmen, die Insolvenz anmelden müssen.

Wie sind die Voraussetzungen?

Von der Prämie können alle kleineren und mittleren Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitern profitieren. Sie müssen von der Corona-Krise besonders betroffen sein. Das heißt konkret: Der Betrieb hatte wegen der Pandemie große Umsatzeinbrüche oder er musste seine Mitarbeiter mindestens einen Monat in Kurzarbeit schicken. Die Prämie gilt für alle Ausbildungsverträge, die in diesem Jahr geschlossen werden.

Was will die Bundesregierung erreichen?

"Wir kämpfen um jeden Ausbildungsplatz", sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) nach der Kabinettssitzung. "Wir brauchen jetzt einen Spirit in den Unternehmen, dass trotz der schwierigen Lage ausgebildet wird." Man dürfe junge Leute in der Krise nicht hängen lassen und hinterher über einen Fachkräftemangel jammern. Nach den Worten von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) geht es darum, das "hervorragende Ausbildungssystem in Deutschland" zu erhalten. Sie verweist darauf, dass 70 Prozent der Ausbildungsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen angesiedelt sind.

Wie sind die Reaktionen in Bayern?

Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) spricht von einem "positiven Signal", vor allem für die besonders gebeutelte Gastronomie. "Da hilft jede Unterstützung", so Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, im Gespräch mit BR24. Er verweist darauf, dass es in Bayern mehr Ausbildungsplätze als Schulabgänger gibt. "Das sind gute Möglichkeiten, einzusteigen." Daher sei die Ausbildungsprämie eine "zusätzliche Stütze". Der BIHK steht in Bayern für circa 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.

"Hilfe wird mit der Pipette verteilt"

Auch der Bayerische Handwerkstag begrüßt die Hilfen für Ausbildungsbetriebe. Geschäftsführer Dieter Vierlbeck sagte, das sei ein "starkes Signal für die duale Ausbildung". Er hält allerdings die Voraussetzungen für zu hoch. Sie würden eine Reihe von Betrieben ausschließen. Friseure und Kosmetiker kämen beispielsweise in den Genuss der Prämie, weite Teile des Handwerks aber nicht: "Hier wird die Hilfe mit der Pipette verteilt."

Was sagen die Betriebe in Bayern?

Bei der Firma Würschinger aus Lindau am Bodensee hält man die Ausbildungsprämie für sinnvoll. Das Familienunternehmen mit mehr als 100-jähriger Tradition ist auf die Bereiche Heizung, Klima und Sanitär spezialisiert und hat trotz Corona-Krise gut zu tun. Geschäftsführer Jan Coenen sagte BR24: "Ausbildung ist immer eine Investition in die Zukunft. Wir haben auch weiterhin einen Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern und werden die auch weiterhin selbst ausbilden." Die Unterstützung der Bundesregierung bezeichnete Coenen als Anreiz, "noch mehr zu tun als bisher".

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Für den deutschen Mittelstand - kleine und mittlere Unternehmen - soll es Ausbildungsprämien geben. Als Unterstützung für alle, die trotz Corona in den Nachwuchs investieren.

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