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Bertelsmann-Studie: Jeder Zweite sieht Islam als Bedrohung | BR24

© ARD/Dagmar Pepping

Die Hälfte aller Deutschen fühlt sich durch den Islam bedroht. Das besagt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Unter Bürgern, die selbst keinen persönlichen Kontakt zu Muslimen haben, sind die Vorbehalte am größten.

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Bertelsmann-Studie: Jeder Zweite sieht Islam als Bedrohung

Die Hälfte aller Deutschen fühlt sich durch den Islam bedroht. Das besagt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Thema Religion und Toleranz. Unter Bürgern, die selbst keinen persönlichen Kontakt zu Muslimen haben, sind die Vorbehalte am größten.

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Rund die Hälfte aller Bundesbürger fühlt sich durch den Islam bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle "Religionsmonitor" der Bertelsmann-Stiftung. In Westdeutschland geben 50 Prozent der Befragten an, den Islam als Bedrohung zu empfinden, und im Osten sind es 57 Prozent. 30 Prozent der befragten Ostdeutschen und 16 Prozent der Westdeutschen wollen keine muslimischen Nachbarn. Interessant hierbei: Im Westen leben deutlich mehr Muslime als im Osten.

Gegenüber anderen Religionen haben es Muslime vergleichsweise schwer: Während eine Mehrheit der Deutschen Christentum, Judentum, Hinduismus und Buddhismus als Bereicherung empfindet, sieht das beim Islam lediglich ein Drittel so.

Forscher warnen: Intoleranz gefährdet die Demokratie

Die Autoren der Studie warnen: Intoleranz gegenüber anderen Religionen sei auf Dauer genauso schädlich für die Demokratie wie dogmatische Glaubensvorstellungen. Solche abgrenzenden, ablehnenden Haltungen könnten die demokratische politische Kultur gefährden.

Die Religionsexpertin der Stiftung, Yasemin El-Menouar, vermutet, dass viele Menschen den Islam derzeit weniger als Religion, sondern vor allem als politische Ideologie wahrnähmen. Gesellschaftliche Debatten und Medienberichte der vergangenen Jahre hätten den Islam häufig in einen negativ-kritischen Kontext gerückt.

Ähnlich interpretiert der Osnabrücker Islamexperte Rauf Ceylan das Studienergebnis. Islam- und Migrationsdiskurs seien seit einigen Jahren verschmolzen - und zwar nicht erst seit der Flüchtlingskrise 2015. Tatsächlich sei die Angst vieler Deutscher vor einer "Islamisierung" schon in den 2000er-Jahren kontinuierlich gestiegen.

Persönliche Begegnungen bauen Vorbehalte ab

Oftmals würden die Einstellungen der Menschen gegenüber dem Islam durch so genannte Sekundärerfahrungen geprägt, beispielsweise über kritische Berichterstattung. Hier sieht Ceylan die deutschen Medien in der Pflicht, den Islam nicht nur in problematischen Kontexten zu thematisieren. Gleichzeitig appellierte er an die Islamverbände in Deutschland, mehr Dialogangebote zu schaffen, um Ängste in der Bevölkerung abzubauen.

Tatsächlich nimmt die Skepsis gegenüber Muslimen durch persönliche Begegnungen ab. Menschen, die regelmäßig Kontakt zu Angehörigen anderer Konfessionen hätten, empfänden religiöse Vielfalt und den Islam seltener als Bedrohung, im Gegenteil: Fast jeder Zweite dieser Gruppe sähe den Islam sogar als Bereicherung. Im Gegensatz dazu fühlen sich 64 Prozent der Befragten ohne jeden persönlichen Kontakt davon bedroht.

Bekenntnis zur Demokratie - über alle Religionsgrenzen hinweg

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung ergab auch, dass das Bekenntnis zur Demokratie konfessionsübergreifend groß ist. Egal, ob Christ, Jude oder Muslim - demokratische Werte und Prinzipien erfahren große Zustimmung: 89 Prozent halten die Demokratie in Deutschland für eine gute Regierungsform.

Interessant hierbei: Religiöse Menschen stehen stärker zu demokratischen Grundwerten als Konfessionslose. So liegt der Anteil bei Christen bei 93 und bei Muslimen bei 91 Prozent, bei Menschen ohne Religionszugehörigkeit lediglich bei 83 Prozent.