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Jemen: Ein kleiner Junge steht in einer Trümmerlandschaft nach einem Luftangriff.
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Maxim Landau
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Jemen: Ein kleiner Junge steht in einer Trümmerlandschaft nach einem Luftangriff.

Seit 2015 herrscht Krieg zwischen der anerkannten Regierung des Landes und den Huthis, den Rebellen, die die Regierung stürzen wollen. Mehr als 20 Millionen Menschen im Jemen benötigen humanitäre Hilfe - in einem Land, das rund 29 Millionen Einwohner hat, sind das mehr als 70 Prozent der Bevölkerung.

Doch zu wenig Menschen erführen von dem Leid, klagen Hilfsorganisationen. Es fehle die Aufmerksamkeit in den Medien. "Wenn keine Bilder, wenn keine Videos, wenn keine Geschichten von den Notleidenden zu uns gelangen, wird auch bei den Deutschen nicht gespendet", sagt Kai Mirjam Kappes vom Hilfsbündnis "Aktion Deutschland Hilft". "Deswegen ist es besonders wichtig, dass über Krisen wie im Jemen berichtet wird."

Warum Saudi-Arabien eine entscheidende Rolle spielt

Warum aber wird so wenig berichtet? "Da spielt Saudi-Arabien eine entscheidende Rolle, weil nichts ohne die Genehmigung des Königreichs geht, wenn man über den Jemen berichten möchte“, erklärt Volker Schwenck. Er arbeitet im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin und war schon mehrmals im Jemen, um über die Lage im Land zu berichten. Alleine schon in das Kriegsland hineinzukommen, sei schwierig, sagt er.

Denn Saudi-Arabien ist selbst in den Krieg verwickelt. Das Land unterstützt die Regierung im Jemen und kämpft gegen die Rebellen, bombardiert die Städte. Dass die Saudis kaum Journalisten in dem Jemen ließen, so Schwenck, begründeten sie oft mit Sicherheitsbedenken:

"Aber dahinter mag möglicherweise auch noch eine ganz andere Überlegung stecken. Nämlich, dass man nicht zeigen möchte, wie wenig militärisch erfolgreich dieser doch nun schon seit vielen Jahren dauernde Krieg gegen die Huthis ist - und wie groß auf der anderen Seite das Leid der Bevölkerung ist", analysiert Schwenck.

Hunderttausende Tote und Hungersnot

Rund 70.000 Menschen sind bislang im Krieg gestorben. Katastrophal ist auch die Hungersnot. Allein 400.000 Kinder sind lebensbedrohlich unterernährt. Alle zehn Minuten, so geben Hilfsorganisationen an, stirbt ein Kind an den Folgen der Unterernährung. Diesem Leid begegne man als Journalist im Jemen, sagt Schwenck. Wie können Medien Hunger und Tod zeigen, ohne die Menschen zu entstellen?

"Was man schon zeigen kann, ist das Ausmaß des Leids", so der Journalist. "Und dazu braucht man oftmals gar keine drastischen Bilder, sondern man kann auch zeigen, was Familien an Nahrungsmitteln zur Verfügung steht." Schwenck weiter: "Dieses Nichts ist manchmal viel eindrücklicher, als wenn man ausgemergelte Körper zeigt."

Jemen-Konflikt ist für viele zu weit weg

Mit möglichst schockierenden Bildern um Aufmerksamkeit zu buhlen, hält er zwar für keine gute Idee, aber wichtig sei, dass man überhaupt berichte. Nur so könne der Zuschauer ein Gefühl für dieses Land bekommen. Schwenck sieht weitere Gründe dafür, dass die Aufmerksamkeit für den Jemen begrenzt ist: Zum einen gehe der Krieg schon so lang, dass er vergessen werde. Zum anderen sei er zu weit weg von Deutschland.

Zu viel Migrationsdebatte – zu wenig über Fluchtursachen?

Während viele Menschen beispielsweise aus Syrien nach Deutschland fliehen und damit auch hierzulande Aufmerksamkeit für die Notlage des Landes schaffen, kommen kaum Menschen aus dem Jemen aus ihrem Land fort, geschweige denn bis nach Europa. Der Jemen bleibt uns fern.

"Medien können Aufmerksamkeit nicht generieren, aber sie haben die Verpflichtung, abzubilden, was passiert", fordert Schwenck. "Und vielleicht mal ein bisschen weniger über die Migrationsdebatte in Deutschland und dafür mehr über das Entstehen der Migration zu berichten. Dieser Teil der Geschichte wird häufig nicht ausreichend erzählt."

Außenminister Heiko Maas (SPD) bei einer Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN) in New York (USA).

Außenminister Heiko Maas (SPD) bei einer Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN) in New York (USA).