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Bildrechte: Celestino Arce/NurPhoto

Der seit Jahren schwelende Konflikt um Bergkarabach mit seinen etwa 150.000 Einwohnern ist wieder in Gewalt umgeschlagen. Es sollen nach Angaben beider Seiten Dutzende Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden sein.

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Bergkarabach-Konflikt: Raketenangriff auf Stepanakert

Seit einer Woche dauern die Gefechte im Südkaukasus an. Erneut wurde die Hauptstadt Bergkarabachs, Stepanakert, von aserbaidschanischen Kräften angegriffen. Der Konflikt um die Region besteht zwischen Armenien und Aserbaidschadan.

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Von
  • tagesschau.de

Bei den Kämpfen im Südkaukasus ist die Hauptstadt von Bergkarabach nach Darstellung der Behörden vor Ort mit Raketen angegriffen worden. Das aserbaidschanische Militär habe Stepanakert erneut beschossen, teilte der Anführer der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach, Araik Arutjunjan, auf Twitter mit. Es sei dabei auch auf zivile Objekte gezielt worden.

Explosionen und Ausfall der Stromversorgung

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP heulten in Stepanakert am Morgen Alarmsirenen, kurz danach wurde die Stadt von Explosionen erschüttert. Zudem war die Stadt ohne Strom, nachdem die aserbaidschanischen Angriffe laut örtlichem Außenministerium "eine Einrichtung der Stromversorgung" getroffen hatten.

Bereits am Freitag hatte die Armee Aserbaidschans durch schweres Artilleriefeuer mehrere Gebäude in der Stadt zerstört. Die Bewohner suchten Zuflucht in Kellern und Unterständen, um sich vor den Angriffen in Sicherheit zu bringen.

Armenischer Angriff auf Gandscha als Vergeltung

Arutjunjan drohte als Reaktion auf die Angriffe, militärische Objekte in größeren Städten Aserbaidschans anzugreifen. Die Bevölkerung solle sich deshalb in Sicherheit bringen, schrieb er.

Wie das aserbaidschanische Verteidigungsministerium mitteilte, griff Armenien die nordwestlich gelegene Stadt Gandscha an. "Die aserbaidschanische Stadt Gandscha steht unter dem Beschuss armenischer Kräfte", teilte das Ministerium auf Twitter mit. Die Behörden in Bergkarabach erklärten ihrerseits, ihre Kräfte hätten einen Militärflughafen in Gandscha zerstört.

Einmischung der Türkei?

Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan warf der Türkei vor, an den Gefechten direkt beteiligt zu sein. "Es gibt 150 hochrangige türkische Offiziere, die die Militäroperationen Aserbaidschans leiten", sagte Paschinjan am Samstagabend in einer Ansprache an sein Volk. "Das Ausmaß der Offensive ist beispiellos."

Laut armenischer Agentur Armenpress telefonierte er am Samstagabend zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und habe sie über die Beteiligung türkischer Militäroffiziere informiert.

Zuvor hatte der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev gesagt, die Türkei als Verbündeter seines Landes sei nicht in den Konflikt verwickelt.

Seit einer Woche Kämpfe

Seit einer Woche liefern sich die beiden verfeindeten Nachbarländer Armenien und Aserbaidschan Gefechte in Bergkarabach. Es ist die heftigste Eskalation seit Jahren.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um Bergkarabach, wo rund 145.000 Menschen leben. International wird die selbsternannte Republik nicht anerkannt. Das Gebiet wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über die Region. Sie wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe.

Offizielles Gremium für die Vermittlung zwischen den beiden verfeindeten Ex-Sowjetrepubliken ist die so bezeichnete Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die Gruppe forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen sowie eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

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