BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Benzinpreis-Proteste im Iran: 1.000 Menschen festgenommen | BR24

© BR

Bei Unruhen im Iran sind 1.000 Demonstranten festgenommen worden. Die Proteste waren durch erhöhte Benzinpreise ausgelöst worden. Die politische Führung in Teheran greift mit harter Hand durch.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Benzinpreis-Proteste im Iran: 1.000 Menschen festgenommen

Bei Unruhen im Iran sind 1.000 Demonstranten festgenommen worden. Die Proteste waren durch erhöhte Benzinpreise ausgelöst worden. Die politische Führung in Teheran greift mit harter Hand durch.

Per Mail sharen

Im Iran hat es infolge der Proteste gegen höhere Spritpreise eine Verhaftungswelle gegeben. Nach offiziellen Angaben nahmen Sicherheitskräfte landesweit etwa 1.000 Menschen fest. Sie sollen mehr als 100 Banken sowie etliche Kaufhäuser, Tankstellen und Privatautos in Brand gesetzt haben. Bei den Unruhen wurden bisher ein Polizist sowie ein Demonstrant getötet.

Wirtschaftskrise im Iran

Der Iran steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, die durch die harten US-Sanktionen gegen das Land ausgelöst wurde. Als Konsequenz daraus hatte die iranische Regierung in der Nacht zum Freitag Benzin rationiert und zugleich die Kraftstoffpreise erhöht, was heftige Proteste auslöste. Viele Iraner befürchten, dass sich die Wirtschaftskrise damit noch weiter verschlimmert und fordern eine umgehende Aufhebung der Beschlüsse der Regierung.

Benzin fast dreimal so teuer

Mit einer staatlichen Benzinkarte können die Iraner nur noch bis zu 60 Liter Benzin im Monat zu einem Literpreis von umgerechnet 12 Cent tanken. Wer mehr tanken will, muss pro Liter 24 (Normalbenzin) bis 30 Cent (Super) zahlen - fast das Dreifache des bisherigen Preises.

Rationierung hat es im Iran auch in den vergangenen Jahren mehrmals gegeben, auch Benzinpreiserhöhungen. Folge waren Kritik und Proteste. Unruhen wie diesmal blieben aber bisher aus. Der Benzinpreis gilt im Iran als die "Mutter aller Inflationen", weil nach jeder Preiserhöhung alles teurer wurde.

Iranische Währung nur noch die Hälfte wert

Viele Iraner wollen nicht hinnehmen, dass in einem ölreichen Land, das der viertgrößte Ölproduzent der Welt ist, Benzin rationiert und immer teurer wird. Infolge der US-Sanktionen ist die nationale Währung Rial inzwischen nur noch die Hälfte wert. Zudem nehmen es viele Menschen Ruhani übel, dass er das Versprechen nicht einhalten konnte, über eine Versöhnung im Atomstreit mit dem Westen die iranische Wirtschaft wieder auf die Beine bringen.

Viele Experten halten die Entscheidung der Ruhani-Regierung, Benzin zu rationieren und die Preise zu erhöhen, für gar nicht so falsch. Gerade wegen der US-Sanktionen brauche die Regierung zusätzliche Einnahmen. Da sei Benzin die bessere Option gewesen, so die Experten.

Internet im Iran stark eingeschränkt

Die Berichterstattung über die Proteste wurde massiv erschwert, weil der Zugang zum Internet stark eingeschränkt war. Nach Angaben des iranischen Telekommunikationsministerium wurde das Internet auf Anweisung des Nationalen Sicherheitsrats für 24 Stunden "limitiert". Die Nichtregierungsorganisation Netblocks, die Blockaden des Internets registriert, schrieb am Samstag auf Twitter, die landesweite Internetnutzung sei binnen etwa einer Stunde auf nur noch sieben Prozent der normalen Nutzung gefallen.

Grüne: Bundesregierung soll Gewalt gegen Demonstranten verurteilen

Das Auswärtige Amt in Berlin wies darauf hin, dass es infolge der Benzinpreiserhöhung in Teheran und vielen anderen Städten des Irans zu teils gewaltsamen Demonstrationen, Blockaden und Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften komme. Das AA riet weiter von Film- oder Tonaufnahmen von Demonstrationen und dem Umfeld ab, da dies als Spionagetätigkeit gewertet werden könne.

Der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, forderte: "Die Bundesregierung muss unverzüglich die Gewalt gegen Demonstranten im Iran verurteilen."