BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Benzin aus Iran für Venezuela: Mullahs auf Konfrontationskurs | BR24

© ARD / Christian Buttkereit

Benzin für Venezuela: Mullahs auf Konfrontationskurs

5
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Benzin aus Iran für Venezuela: Mullahs auf Konfrontationskurs

Der Iran hat fünf Benzintanker auf den Weg nach Venezuela geschickt, um dem angeschlagenen Machthaber Maduro unter die Arme zu greifen. Zwei der Tanker sind bereits angekommen. Die Lieferungen drohen die Spannungen mit den USA zu verschärfen.

5
Per Mail sharen

Hafenarbeiter in Carabobo begrüßen die Besatzung der "Bright Fortune". Sogar Venezuelas Ölminister ist gekommen. Diese Szenen veranlassen die iranische Führung von einem Sieg zu sprechen. Zwei Benzin-Tanker sind bereits ohne Probleme in Venezuela angekommen, drei weitere sollen das südamerikanische Land in der kommenden Nacht erreichen. Sowohl Iran als auch Venezuela unterliegen US-Sanktionen. Dass zumindest die ersten beiden Tanker unbehelligt von amerikanischen Kriegsschiffen blieben, die sich in der Karibik aufhalten, wundert Ali Fathollah Nejad, Iranexperte vom Brookings-Institut in Doha und an der Uni Tübingen, nicht:

"Die iranischen Benzinlieferungen an Venezuela halten sicherlich die Spannungen zwischen den USA und Iran auf einem hohen Niveau. Dennoch ist es kein Frontalangriff auf amerikanische Interessen, wenn diese Lieferung nur sporadischer und nicht kontinuierlicher Natur sein werden." Ali Fathollah Nejad, Iranexperte

Benzin gegen Gold

Doch die Verlockung, weitere Benzinlieferungen auf den Weg zu bringen, dürfte groß sein. Denn das Geschäft lohnt sich für Iran. Dem Vernehmen nach zahlt Venezuela in Gold. Und zwar einen Preis, der über dem derzeitigen Marktwert des Benzins liegt. Zudem reichen die nun gelieferten 250 Millionen Liter schätzungsweise allenfalls für drei Wochen. Außerdem sei es ein ganz normales Geschäft, sagte der iranische Regierungssprecher Ali Rabiee:

"Die Lieferung von Benzin erfolgte auf Bestellung der venezolanischen Regierung und basiert auf dem freien Willen der Länder zum internationalen Warenaustausch." Ali Rabiee, Regierungssprecher Iran

Druckmittel Waffenembargo

Die Quittung könnte Iran auf anderem Wege erhalten. So fordert US-Präsident Trump das Waffenembargo gegen Iran, dass im Oktober ausläuft, zu verlängern. Es war Bestandteil des Atomabkommens von 2015, aus dem die USA vor zwei Jahren ausgestiegen waren. Genau deshalb hätten sie in diesem Punkt nichts mehr mitzureden, konterte der iranische Außenminister Zarif. Allerdings könnte Trump versuchen, den Weltsicherheitsrat zu überzeugen – mit Verweis auf die aggressive iranische Außenpolitik, meint Iran-Experte Fathollah Nejad:

"Zwar haben Russland und China signalisiert, dass sie keinem weiteren Waffenembargo gegen den Iran zustimmen werden, aber ich glaube auf politischer Ebene gibt es da durchaus Bedenken, so dass man da abwarten muss, wie sich die europäischen Staaten positionieren." Ali Fathollah Nejad, Iranexperte

Aggressive Rhetorik aus dem Iran

Ein Beispiel für die aggressive Rhetorik lieferte der oberste geistliche und politische Führer Ali Chamenei gerade wieder Ende vergangener Woche bei ein Videoansprache zum Al Quds Tag, mit dem das Regime jedes Jahr an die Besetzung Jerusalems im 6-Tage-Krieg 1967 erinnert:

"Heute ist das Coronavirus Realität und jeder halbwegs intelligente Mensch weiß, dass wir es bekämpfen müssen. Das Virus des Zionismus existiert schon viel länger Aber es wird von nun an definitiv nicht mehr lange überleben." Ali Chamenei, oberster geistlicher Führer Iran

Khameneis Ansprache war zwar einerseits Teil der üblichen anti-israelischen Rhetorik. Andererseits soll solche außenpolitische Kraftmeierei auch die Reihen im Land schließen, so Iran-Experte Nejad.

Iran hofft auf anderen US-Präsidenten

Ein aus der Sicht vieler Iraner entscheidendes Datum ist der 3. November: Die Präsidentschaftswahlen in den USA. Natürlich hofft man in Teheran, dass der nächste US-Präsident nicht Trump heißt und man dann endlich über eine Lockerung der Wirtschaftssanktionen reden kann und vielleicht sogar die USA dem Atomabkommen wieder beitreten. Bis dahin wird es weiterhin gegenseitige Sticheleien geben. Vielleicht auch mehr als das: Manche Iraner erwarten, dass Trump in der letzten Phase des Wahlkampfs iranische Ziele, wie etwa Atomanlagen angreifen lässt, um seinen Wählern Stärke zu demonstrieren. Ali Fathollah Nejad hält das für eher unwahrscheinlich.

Ob sich die Beziehungen zu den USA nach einer möglichen Abwahl Trumps bessern würden, ist keineswegs ausgemacht. Gut möglich, dass man in Washington erst einmal abwartet. Denn im nächsten Jahr wählen die Iraner einen neuen Präsidenten. Nach jetzigem Stand haben die Hardliner die Nase vorn.