Die Münchner Runde im BR Fernsehen u.a. mit Verena Bentele.
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VdK Präsidentin Verena Bentele in der Münchner Runde

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Bentele: "Regierung betreibt Poker ums Geld"

VdK-Präsidentin Verena Bentele fordert mehr Hilfe für arme Kinder und Familien. In der aktuellen Ausgabe der Münchner Runde hat sie fehlendes Interesse an dem Thema beklagt. Die Aufregung um die Elterngeld-Pläne der Ampel irritiert sie umso mehr.

Über dieses Thema berichtet: Münchner Runde am .

Fast jedes fünfte Kind in Deutschland gilt als armutsgefährdet. "Das sind leider nicht wenige, sondern sehr, sehr viele", sagte Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, diese Woche in der Münchner Runde. Diese bräuchten dringend mehr Unterstützung.

So schätzt das auch Sabina Schutter ein. Die Vorsitzende von SOS Kinderdorf e.V. verwies in der aktuellen Sendung auf die Inflation. Dass diese unter anderem die Preise für Lebensmittel in die Höhe treibe, sei für arme Familien nicht nur eine Belastung - sondern eine ernsthafte Bedrohung.

"Wir haben es zunehmend mit Familien zu tun, bei denen das Geld nur noch bis zum 20. des Monats reicht." Sabina Schutter, SOS Kinderdorf

SOS Kinderdorf e.V. betreibt bundesweit Zentren für Familien in Armut, unter anderem im Münchner Stadtbezirk Riem. Dort werde für Jugendliche, die nach der Schule dorthin kommen, erst einmal gekocht. Für viele sei das die erste Mahlzeit am Tag: "Die Kinder haben noch nichts gegessen und zu Hause ist der Kühlschrank leer." Deswegen hat Schutter auch wenig Verständnis für die Aufregung um eine mögliche Streichung des Elterngelds für Gutverdiener: "Es tut mir wirklich leid, aber da habe ich weniger Mitleid mit der Akademiker:innen-Familie."

Bentele beklagt fehlendes Interesse am Thema Kinderarmut

Nachdem Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) mit seinem Haushaltsplan bekanntgegeben hatte, dass das Bundesfamilienministerium von Lisa Paus (Grüne) nur zwei statt der ursprünglich geforderten zwölf Milliarden Euro erhalten solle, war ein Streit zwischen den Koalitionspartnern entbrannt. Um das Ampel-Projekt der Kindergrundsicherung zu retten, hatte Paus vorgeschlagen, das Elterngeld für Paare mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen über 150.000 Euro zu streichen.

Auch VdK-Präsidentin Bentele zeigte wenig Verständnis für die Menschen, die sich öffentlich über eine Streichung des Elterngelds für einkommensstarke Paare aufregen. Sie betonte, dass "die allermeisten Eltern" nicht davon betroffen wären. "Aber für so ein Thema kriegt man ganz schnell ganz viele Unterschriften." Eine Petition gegen Kinderarmut hingegen, die drei Millionen Kinder betreffe, erfahre deutlich weniger Unterstützung. "Ich schäme mich in Grund und Boden, dass wir so weit gekommen sind", sagte Bentele.

So soll die Kindergrundsicherung funktionieren

Die Kindergrundsicherung ist eines der größten Projekte der Berliner Ampel-Regierung. Sie soll ab dem Jahr 2025 sämtliche Familienleistungen wie Kindergeld, Kinderzuschlag und Teile des Bildungs-und Teilhabepakets bündeln. Bestehen soll sie aus einem Garantiebetrag, der für alle Kinder gleich ist und dem jetzigen Kindergeld entspricht.

Außerdem ist ein Zusatzbetrag geplant: Je weniger die Eltern verdienen, desto höher soll dieser ausfallen. Die Antragstellung soll zukünftig über ein Onlineportal möglich sein. Ziel ist es, dass von Armut betroffene Familien es in Zukunft leichter haben, staatliche Hilfen für ihre Kinder zu beantragen. Denn: Ein Großteil der von Armut betroffenen Kinder erhält diese zusätzliche Unterstützung aktuell gar nicht. Ein Grund seien unter anderem bürokratische Hürden, sagt Bentele.

VdK-Präsidentin kritisiert Ampel-Regierung: "Poker ums Geld"

"Bildungs-und Teilhabeleistungen werden von nur 35 Prozent der Familien, die ein Anrecht darauf haben, überhaupt in Anspruch genommen", sagte die VdK-Chefin. Diese müssten erst einmal bei den Familien ankommen: "Das wäre schon mal ein Anfang."

Die von Finanzminister Lindner bereitgestellten zwei Milliarden Euro würden für eine "echte Kindergrundsicherung" nicht reichen. Statt die Bedürfnisse der Kinder in den Vordergrund zu rücken, könne man viel mehr einen "Poker ums Geld" beobachten. Sie sei "wirklich enttäuscht" von der Ampel-Regierung, so Bentele. Kinder könnten an ihrer Situation selbst nichts ändern – die Regierung sei jetzt in der Pflicht.

Die Münchner Runde am 12. Juli 2023
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