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Belarusische Oppositionelle: Wo ist Kolesnikowa? | BR24

© picture alliance/Ulf Mauder/dpa

Maria Kolesnikowa, Oppositionspolitikerin

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    Belarusische Oppositionelle: Wo ist Kolesnikowa?

    Von der bekannten belarusischen Aktivistin Kolesnikowa fehlt weiter jede Spur. Die Opposition sieht in der mutmaßlichen Entführung einen Einschüchterungsversuch der Regierung - und gibt sich kämpferisch.

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    Von
    • Martha Wilczynski

    Am Sonntag war Maria Kolesnikowa noch mittendrin, unverkennbar mit ihren platinblonden, kurzen Haaren und dem für sie so typischen knallroten Lippenstift. Umgeben von Tausenden Protestierenden sang und tanzte sie im Zentrum von Minsk.

    Am Montag fehlt von ihr jede Spur. "Gerade erst ist uns bekannt geworden, dass Maria Kolesnikowa, Mitglied des Präsidiums des Koordinierungsrates, im Zentrum von Minsk von Unbekannten entführt worden ist", sagte Pawel Latuschko, Präsidiumsmitglied des von der Opposition gegründeten Koordinierungsrates, bei einer Pressekonferenz in Warschau. "Sie ist verschwunden."

    Laut einer Augenzeugin soll Kolesnikowa am Morgen in einen Kleinbus gezerrt und weggefahren worden sein. Seitdem konnte kein Kontakt zu ihr oder ihren beiden ebenfalls verschwundenen Mitarbeitern hergestellt werden. Die Mitglieder des Koordinierungsrates gingen anfangs von einer Festnahme aus. Das belarusische Innenministerium wie auch die Minsker Polizei dementierten das. Auch das staatliche Ermittlungskomitee weiß nach eigenen Angaben nichts.

    Die Letzte, die im Land blieb

    Kolesnikowa ist die letzte der drei Frauen an der Spitze der Oppositionsbewegung, die noch im Land ist. Ihre Mitstreiterinnen, Veronika Tsepkalo und Lukaschenko-Herausforderin Swetlana Tichanowskaja, mussten Belarus verlassen - teilweise wegen massiven Drucks der Behörden. Auf der gestrigen Großkundgebung in Minsk hatte Kolesnikowa auf Deutsch gegenüber dem Team der ARD betont, sie wolle "natürlich" in Belarus bleiben.

    Zurzeit befinden sich drei der sieben Präsidiumsmitglieder des Koordinierungsrates im Ausland, zwei hinter Gittern. Schon bei der Gründung des Gremiums, das sich für einen friedlichen Machtübergang in Belarus einsetzt, hatte Staatschef Alexander Lukaschenko den Mitgliedern den Versuch einer illegalen Machtergreifung vorgeworfen. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete ein Strafverfahren ein.

    Proteste gehen weiter

    Das Verschwinden Kolesnikowas sei nun ein weiterer Versuch, die Demokratiebewegung einzuschüchtern, sagen Kritiker. Auch Oppositionsführerin Tichanowskaja meldete sich schriftlich zu Wort: Das Regime übe Terror aus. Doch je mehr die Regierenden versuchten, die Menschen einzuschüchtern, umso mehr würden auf die Straße gehen.

    Unterdessen gehen die Protestaktionen im ganzen Land weiter, vor allem an den Hochschulen. Am Sonntag demonstrierten wieder mehr als 100.000 Menschen gegen die aus ihrer Sicht gefälschte Wahl vor vier Wochen. Laut belarusischen Innenministerium gab es mehr als 600 Festnahmen.

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