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"Wie im Kriegsgebiet": Beirut nach der verheerenden Explosion | BR24

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Bildrechte: REUTERS/Issam Abdallah

Der Libanon steht unter Schock: die schwere Explosion in der Hauptstadt Beirut hat mindestens 100 Menschen getötet, mehr als 4000 wurden verletzt, unter den Trümmern vermuten die Rettungsmannschaften noch viele weitere Opfer.

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"Wie im Kriegsgebiet": Beirut nach der verheerenden Explosion

Mindestens 135 Bewohner sind tot, etwa 5.000 verletzt, Hunderttausende obdachlos: Nach der riesigen Explosion in Beirut liegt die halbe Stadt in Trümmern. Die Krankenhäuser sind überlastet, die Versorgung der libanesischen Hauptstadt ist in Gefahr.

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Von
  • Carsten Kühntopp
  • BR24 Redaktion

Am Tag nach der verheerenden Explosion am Hafen von Beirut bietet sich in der libanesischen Hauptstadt ein unfassbares Bild der Verwüstung: Reihenweise wurden Häuser durch die Wucht der Detonation dem Erdboden gleich gemacht.

Der Gouverneur von Beirut, Marwan Abboud, schätzt, dass durch das Unglück bis zu 300.000 Menschen obdachlos geworden sind. Fast die Hälfte der libanesischen Hauptstadt sei zerstört oder beschädigt. Die Höhe des Schadens bezifferte der Gouverneur auf drei bis fünf Milliarden Dollar.

Beiruts Bürgermeister, Jamal Itani, sagte bei einem Gang durch die Stadt, es sehe "wie im Kriegsgebiet" aus. Gesundheitsminister Hassan Hamad erklärte am Mittwochabend, mindestens 135 Menschen seien gestorben, etwa 5.000 wurden verletzt.

Suche nach Toten und Verletzten in Beirut dauert an

Noch immer suchen Rettungsmannschaften nach Toten und Verletzten. Mehrere Dutzend Menschen werden weiterhin vermisst. Die Krankenhäuser sind überfüllt und müssen Verletzte zurückweisen.

Nun droht auch noch die Versorgung der Stadt zusammenzubrechen: Der Hafen war der wichtigste Umschlagpunkt für Importe. Hilfsorganisationen befürchten bereits Engpässe bei Nahrungsmitteln und Medikamenten. "Der Libanon importiert 80 Prozent seiner Lebensmittel. Ich habe sofort gedacht: leere Supermarktregale, erhöhte Preise", sagt Maya Terro von der libanesischen Hilfsorganisation "Food Blessed".

Tonnenweise Ammoniumnitrat detoniert

Am Dienstag waren in einem Lagerhaus am Hafen mutmaßlich 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat detoniert. Als erste Konsequenz stellte die libanesische Regierung das für den Hafen verantwortliche Personal unter Hausarrest.

Eine erste kleinere Explosion hatte zahlreiche Neugierige an die Fenster und auf die Balkone gelockt. Mit ihren Handys filmten sie das Geschehen, als die zweite massive Detonation viele in die Tiefe riss.

Die riesige Rauchwolke habe ihn an eine "Pilzwolke wie bei einer Atombombe" erinnert, berichtet der Büroleiter der deutschen Friedrich-Naumann-Stiftung im Libanon, Kristof Kleemann. Als die "Riesendruckwelle" auf ihn zugekommen sei, habe er sich hinter einer Wand in Sicherheit gebracht. Alle Fenster und Türen seiner Wohnung seien aus den Angeln gehoben worden.

Apokalypse im Hafen von Beirut

Die Druckwelle riss einem Erdbeben gleich die Gebäude am Hafen nieder, kippte Autos um und ließ Fensterscheiben in der ganzen Stadt bersten. In den völlig überforderten Krankenhäusern von Beirut spielten sich chaotische Szenen ab. Die Menschen drängten sich in den überfüllten Fluren in der Hoffnung auf Hilfe, viele mussten abgewiesen werden.

Noch Stunden nach den Explosionen hatte sich am Hafen von Beirut ein apokalyptisch anmutender Anblick geboten: Container waren wie Konservendosen verbogen, ihr Inhalt auf dem Boden verstreut. Schiffe standen in Flammen, zahlreiche Autos brannten aus. In den umliegenden Straßenzügen wurden Fensterscheiben und Schaufenster zertrümmert. Über der gesamten Hafengegend lag eine riesige Rauchwolke.

Internationale Hilfe für den Libanon kommt in Gang

Unterdessen kommt die internationale Unterstützung in Gang. Aus Kuwait und Katar trafen erste Hilfsflüge ein, weitere sollen folgen. Auch Deutschland, Frankreich und andere Staaten kündigten schnelle Hilfe an.

Einem internen Lagebericht des Technischen Hilfswerks (THW) zufolge wurden mindestens acht Deutsche bei der Explosion verletzt. Einsatzkräfte des THW sollten am Abend zur Unterstützung der Deutschen Botschaft nach Beirut fliegen. Das Botschaftsgebäude war durch die Detonation beschädigt worden.

Tausende Bürger verließen bereits am Dienstagabend die libanesische Hauptstadt, um sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Doch viele der plötzlich obdachlos gewordenen Menschen saßen ohne Zufluchtsort fest oder wollten ihre zerstörten Häuser nicht Plünderern überlassen.

Die verheerenden Explosionen haben das ohnehin durch eine schwere Wirtschaftskrise gebeutelte Land hart getroffen - und die Bewohner Beiruts traumatisiert zurückgelassen.

Mit Material von afp