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Beherbergungsverbote – mehr als nur ein Zungenbrecher | BR24

© ARD/Kai Küstner

Ob die Corona-Übernachtungsverbote verschärft, vereinheitlicht oder gleich ganz gekippt werden sollten – darüber ist deutschlandweit eine heftige Debatte entbrannt. Während die einen sie vehement verteidigen, sind andere strikt dagegen.

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Beherbergungsverbote – mehr als nur ein Zungenbrecher

Ob die Corona-Beherbergungsverbote verschärft, vereinheitlicht oder gleich ganz gekippt werden sollten – darüber ist deutschlandweit eine heftige Debatte entbrannt. Während die einen sie vehement verteidigen, sind andere strikt dagegen.

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Die Kritik an den sogenannten Beherbergungsverboten für Reisende aus Bundesländern mit hohen Corona-Infektionszahlen wächst. Das Thema wird das Treffen von Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch beschäftigen.

Beherbergungsverbot: Auch Jens Spahn stolpert - sprachlich

Es ist ein Wort, das niemandem leicht über die Lippen kommt – auch dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nicht. Bei einer Videokonferenz brauchte er gleich drei Versuche, um es richtig auszusprechen.

Dieses Beherbergungsverbot ist also nicht nur schwer auszusprechen, sondern für so manchen auch schwer zu verstehen. Viele, die sich ganz bewusst in den Herbstferien gegen eine Fernreise und für einen Deutschlandurlaub entschieden hatten, sind verzweifelt oder zumindest verunsichert. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig jedoch verteidigt die strengen Reiseregeln:

"Ich bin nicht für eine Lockerung des Beherbergungsverbotes. Das wird Mecklenburg-Vorpommern auch nicht mitmachen. Ich bin nicht für 'Rein in die Kartoffeln - Raus aus den Kartoffeln'." Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin Mecklenburg- Vorpommern

Es brauche eine klare, stringente Linie. Und die könne in einer Zeit, in der die Zahlen in Deutschland stiegen, nicht Lockerung sein, so die SPD-Politikerin im ARD-Morgenmagazin.

Städte- und Gemeindebund fordert einheitliche Lösung

Wobei, um im Sprachbild zu bleiben, sich zwar viele Bundesländer für ein "Rein in die Kartoffeln" – also für strenge Corona-Maßnahmen - entschieden hatten, aber eben nicht alle. Weshalb sich etwa der Städte- und Gemeindebund eine einheitliche Lösung wünscht, wie deren Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Rheinischen Post sagte. Damit die Regeln für die Menschen wirksam und nachvollziehbar wären.

Söder: Beherbergungsverbot bietet Sicherheit

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verteidigt Maßnahmen wie das Übernachtungsverbot für Reisende aus Corona-Risiko-Bundesländern - grundsätzlich jedenfalls – im Bayrischen Rundfunk gegen Kritik:

"Ich bin da nicht festgelegt. Ich habe das auch deshalb gemacht, weil ich glaube, dass es ein Stück weit Sicherheit bietet." Markus Söder, Ministerpräsident Bayern

Kritik am Beherbergungsverbot wird lauter und deutlicher

Doch die Gegenstimmen werden unüberhörbar lauter: Die Rheinland-Pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat das Beherbergungsverbot vorerst auf Eis gelegt. Nach "verheerenden Rückmeldungen aus den Kommunen", wie die SPD-Landechefin verkündete.

Die Grünen-Politikerin Katja Keul sagte dem Handelsblatt, sie finde die Verbote verfassungsrechtlich bedenklich. Der Hotel- und Gaststättenverband hofft deutschlandweit auf ein Ende der umstrittenen Maßnahme. Und der Politikwissenschaftler Julian Nida-Rümelin bekundete in den ARD-Tagesthemen, auf ihnen mache das Beherbergungsverbot keinen durchdachten Eindruck.

"Damit die Menschen auf Dauer mitgenommen werden können, müssen die Maßnahmen klar, transparent, wohlbegründet sein." Julian Nida-Rümelin, Politikwissenschaftler

"Reisende sollen sicher wieder nach Hause kommen"

Verschärfen, vereinheitlichen oder gleich ganz kippen – der Streit um das Beherbergungsverbot tobt. Allumfassende Einreiseverbote gibt es in Mecklenburg-Vorpommern zwar nicht. Doch müssen Touristen aus Risikogebieten selbst mit negativem Corona-Test zunächst mal fünf Tage in Quarantäne:

"Wir sind das Land mit den geringsten Zahlen. Und wir sind froh, dass unsere Touristen nicht aus einem Risikogebiet zurückreisen, sondern aus einem guten und sicheren Urlaub. Und das soll auch so bleiben." Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin Mecklenburg- Vorpommern

Beherbergungsverbot Thema bei Treffen mit Merkel

Das Wortmonstrum "Beherbergungsverbote" wird ganz gewiss auch beim Treffen der Kanzlerin mit den Länderchefs am Mittwoch wieder auftauchen. Und die Diskussion vielleicht um einen noch schlimmeren Zungenbrecher bereichert werden, der da lautet: "Beherbergungsverbotabschaffungsforderung".

Eine Debatte von "historischer Dimension" über Anti-Corona-Regeln erwartet gar Kanzleramtschef Helge Braun laut "Bild"-Zeitung. Angela Merkel bestehe wegen der hohen Bedeutung auf einer physischen Begegnung statt einer Video-Schalte.

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