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Behandlungsfehler: Krankenkassen prüfen mehr Verdachtsfälle | BR24

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Mehr als 14.000-mal haben sich Patienten im vergangenen Jahr über Fehler von Ärzten beschwert - in fast jedem vierten Fall zu Recht. Und der Medizinische Dienst der Kassen geht von einer hohen Dunkelziffer bei Behandlungsfehlern aus.

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Behandlungsfehler: Krankenkassen prüfen mehr Verdachtsfälle

Verwechslungen bei Medikamenten oder OP-Besteck, das nach einem Eingriff im Körper vergessen wird – für Patienten sind solche Behandlungsfehler eine Horrorvorstellung. 2018 haben die Krankenkassen mehr als 14.000 Verdachtsfälle überprüft.

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In knapp jedem vierten Fall haben die Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) den Verdacht auf Behandlungsfehler 2018 bestätigt, in deren Folge Patienten ein Schaden entstand. Deutschlandweit waren es knapp 3.500 Fälle, in Bayern 675. Zwei Drittel der Vorwürfe bezogen sich auf die stationäre Versorgung, zumeist in Krankenhäusern; ein Drittel bezog sich auf Arztpraxen. Zu den häufigsten fehlerbehafteten Maßnahmen gehören Implantationen einer Hüftgelenks-, oder Knieprothese, Wurzelkanalbehandlungen am Zahn und Versteifungsoperationen an der Wirbelsäule.

Kausalität in jedem fünften Fall

In jedem fünften Fall stellte der MDK nicht nur einen Behandlungsfehler fest, sondern kam auch zum Ergebnis, dass der Fehler den erlittenen Schaden verursacht hat. Die Gutachter sprechen dann von Kausalität. Für Patienten ist dieses Ergebnis wichtig, wenn sie Schadenersatzansprüche geltend machen wollen. Die Statistik zeige jedoch nur einen kleinen Ausschnitt und lasse keine generellen Aussagen zum Gefährdungsrisiko ableiten, sagte Stefan Gronemeyer, stellvertretender Geschäftsführer vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDS).

Was gilt als Behandlungsfehler?

Patienten haben Anspruch auf eine ärztliche, zahnärztliche und pflegerische Behandlung, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht. Als Behandlungsfehler gilt also, wenn eine gebotene medizinische Behandlung unterlassen, eine unnötige durchgeführt oder wenn eine Diagnose trotz eindeutiger Hinweise nicht gestellt wird. Um einen Verdacht auf Behandlungsfehler aufzuklären, beziehen sich die Gutachter der Krankenkassen auf medizinische Leitlinien und die einschlägige wissenschaftliche Fachliteratur.

Wann besteht Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld?

Wenn Mediziner Fehler machen und dies zu einer Schädigung eines Patienten führt, hat dieser möglicherweise Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Hierzu muss der Patient aber einen Behandlungsfehler zunächst beweisen und belegen, dass er durch diesen Fehler einen Schaden erlitten hat. Damit Patienten den Behandlungsfehler nachweisen können, muss in der Regel ein medizinisches Sachverständigengutachten eingeholt werden.

Helfen können hierbei die Krankenkassen und die Gutachterkommissionen oder Schlichtungsstellen der Landesärztekammern.

Und wenn sich keine Kausalität nachweisen lässt?

Astrid Zobel vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Bayern verweist darauf, dass Patienten auch einen Schaden erleiden können, wenn kein Fehler gemacht wurde, sondern eine unvermeidbare Komplikation eingetreten ist. Zudem komme es zu Fehlern, die nicht zwangsläufig den vorgeworfenen Schaden verursachen. Für Patienten wird es dann schwierig, Schadenersatzansprüche geltend zu machen. "Eine etwas komplizierte Angelegenheit, weil das auch immer wieder dazu führt, dass Patienten mit schweren Schäden letztendlich ohne Schadenersatz bleiben", sagte Astrid Zobel vom MDK Bayern dem Bayerischen Rundfunk. Deshalb werde zum Beispiel ein Härtefallfonds für solche Patienten diskutiert.

Kommt ein Entschädigungsfonds für Patienten?

Die Entscheidung für oder gegen einen solchen Fonds liegt bei der Politik. Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, Vorschläge für einen Patientenentschädigungsfonds für Schäden in Härtefällen, bei denen die bestehenden Haftungsregelungen nicht greifen, zu prüfen. Umgesetzt hat die Bundesregierung dieses Vorhaben bisher nicht. Auf BR-Nachfrage heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium: "Die Umsetzung des im Koalitionsvertrag enthaltenen Auftrags zum Patientenentschädigungsfonds bedarf aufgrund der Komplexität und Bedeutung dieses Themas einer sorgfältigen Prüfung durch die zuständigen Ministerien. Aussagen zur Ausgestaltung eines etwaigen Fonds können daher nicht gemacht werden."