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Bildrechte: picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Vor 76 Jahren befreiten amerikanische Truppen das Konzentrationslager Dachau. Landtagspräsidentin Aigner und Innenminister Herrmann legten am Internationalen Mahnmal der Gedenkstätte Kränze nieder.

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Befreiung des KZ Dachau: Gedenken zum 76. Jahrestag

Die Befreiung des KZ Dachau vor 76 Jahren: Ein Historisches Ereignis. Heuer war zumindest ein stilles Gedenken in kleinem Rahmen möglich. Vergangenes Jahr musste die Gedenkfeier abgesagt werden.

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  • Astrid Uhr

Die Gedenkstätte Dachau soll als "Steinerner Zeitzeuge" auch künftige Generationen daran erinnern, wie grausam im Nationalsozialismus Menschen gedemütigt, gefoltert und ermordet worden sind. Ein Aufruf, sich dafür einzusetzen, dass sich Geschichte nicht wiederholt.

Gedenken in kleinem Rahmen mit Zeitzeuge Abba Naor

Die Veranstaltung anlässlich des 76. Jahrestags der Befreiung begann am Donnerstagvormittag mit stillem Gedenken und einer Kranzniederlegung am Internationalen Mahnmal in der Gedenkstätte Dachau. Daran nahmen Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Innenminister Joachim Hermann, der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Karl Freller und Christoph Thonfeld von der Gedenkstätte Dachau, teil.

Extra aus Israel war Zeitzeuge Abba Naor angereist. Der 93-Jährige ist auch Vizepräsident des Internationalen Lagerkomitees (CID): eine unabhängige Organisation ehemaliger Häftlinge aus 37 Ländern, auf deren Initiative die KZ-Gedenkstätte 1965 gegründet wurde. Im KZ Dachau und in seinen Außenstellen waren mehr als 200.000 Gefangene inhaftiert, erinnerte Landtagspräsidentin Aigner. "Mindestens 41.500 von ihnen wurden ermordet, starben an den Folgen von Folter, Hunger, Krankheit oder den Folgen unmenschlicher Haftbedingungen."

KZ-Überlebender Abba Naor

Der 93-Jährige Naor ist einer der letzten Zeitzeugen, der das KZ Dachau überlebt hat, genauer gesagt, das Außenlager Landsberg/Kaufering. Seit Jahren kommt Abba Naor immer wieder nach Deutschland, um vor allem Schülern seine Geschichte zu erzählen: Von seiner glücklichen Kindheit in Litauen, die mit Hitlers Überfall auf Russland am 22. Juni 1941 schlagartig beendet war.

Gemeinsam mit seinen Eltern und seinen zwei Brüdern wurde er in ein Ghetto geschickt. Sein großer Bruder wurde beim Brotkauf erschossen. Von Litauen aus wurde Abba Naor mit seiner Familie durch verschiedene Lager geschickt. Seine Mutter und sein jüngster Bruder wurden in Auschwitz vergast. Mit seinem Vater kam er schließlich nach Dachau. Am 2. Mai 1945 wurde Abba Naor von der US-Armee befreit, nach einem neuntägigen Todesmarsch an die Schweizer Grenze.

Öffentliches Gedenken im Digitalen Raum: "Werkstatt der Erinnerung"

Der historische Tag der Befreiung: Wie haben ihn die ehemaligen Häftlinge selbst erlebt? Antworten darauf bietet die "Werkstatt der Erinnerung": Ein umfangreiches digitales Programm für die Allgemeinheit, mit geschichtlichen Fakten und persönlichen Erlebnissen. Immer wieder wird auch die Frage gestellt, wie künftiges Gedenken aussehen könnte.

Mit Gedenkbotschaften vieler Überlebender und Befreier möchte der virtuelle Raum Platz für Begegnung und Austausch schaffen. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt liegt auf den Nachkommen der Überlebenden, die in Videobotschaften zu Wort kommen. Zudem konnte die Familie von Max Mannheimer für ein Live-Gespräch gewonnen werden. Mit einem zentralen Gedenkakt wird am Sonntag, dem 2. Mai, an die Opfer des Konzentrationslagers Dachau und die Befreiung der Überlebenden durch die US-Armee am 29. April 1945 erinnert. Die "Werkstatt der Erinnerung" ist ein gemeinsames Angebot der KZ-Gedenkstätte Dachau, der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und des Internationalen Lagerkomitees CID.

Wie kann künftiges Gedenken aussehen?

Heute lebt Abba Naor mit seinen Kindern und Enkeln in Tel Aviv. Trotz seiner traurigen Vergangenheit und seines hohen Alters wirkt er immer noch energisch. Es ist sein großes Anliegen, junge Menschen wachzurütteln. "Ich denke oft, die Jugendlichen können gar nicht glauben, was ich an Unmenschlichkeiten erzähle." Damit sich die Gräuel der NS-Zeit nicht wiederholen, ist es auch ihm wichtig, dass Gedenkstätten wie Dachau als steinerne Zeitzeugen erhalten bleiben.

Die Gedenkstätte Dachau besuchten 2019 knapp eine Million Menschen, darunter auch viele Schülerinnen und Schüler. In Bayern sind verpflichtende Besuche von KZ-Gedenkstätten bereits fest in den Lehrplänen verankert. Es ist geplant, die Ausstellungen neu zu gestalten, unter Einbeziehung bislang nicht berücksichtigter Teile des historischen Areals. So soll ein europäischer Gedenk- und Erinnerungsort geschaffen werden, an dem die gesamte Geschichte, der Konzentrationslager exemplarisch aufgearbeitet und ihrer Opfer gedacht wird.

Aufgrund der Corona-Pandemie bleibt die KZ-Gedenkstätte Dachau bis auf Weiteres geschlossen.

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