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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Britta Pedersen

Vier Jahre Donald Trump waren "ein Alptraum", so das vernichtende Urteil von Heinrich Bedford-Strohm. Überhaupt warnte der EKD-Ratsvorsitzende beim Jahrespressegespräch vor Nationalismus und mahnte zum Wachhalten der Erinnerung an den Holocaust.

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Bedford-Strohm zu Amtswechel in USA: "Nationalismus ist Sünde"

Vier Jahre Donald Trump waren "ein Alptraum", so das vernichtende Urteil von Heinrich Bedford-Strohm. Überhaupt warnte der EKD-Ratsvorsitzende beim Jahrespressegespräch vor Nationalismus und mahnte zum Wachhalten der Erinnerung an den Holocaust.

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Die Kirchen haben durch die Corona-Krise an Boden verloren, das stellte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm beim Jahrespressegespräch am Dienstag im Münchner Presseclub unumwunden fest.

Wie Corona die Kirchen verändert - "digitale Revolution"

Sie müssten nun alle ihnen zur Verfügung stehenden Kanäle nutzen, um die Menschen zu erreichen, so der Landesbischof. Trotz derzeit eingeschränkter Möglichkeiten, Gottesdienste zu feiern, beurteilt Bedford-Strohm die Angebotspalette der evangelischen Kirchen - vor allem im Netz - insgesamt optimistisch: "Wir haben jetzt eine digitale Revolution in unserer evangelischen Kirche."

Bedford-Strohm über Trump: Nationalismus ist Sünde

Mit Blick ins Ausland begrüßte Bedford-Strohm den Amtswechsel im Weißen Haus. Nationalismus sei Sünde, so bringt der Landesbischof seine Einschätzung des Politikstils von Donald Trump auf den Punkt: "Es war ein Alptraum, vier Jahre lang einen Menschen an der Spitze dieses Landes zu haben, der die Grundregeln des menschlichen Zusammenseins (...) schlicht ignoriert hat", so der bayerische Landesbischof. "Das Schlimmste an dieser Zeit war, dass es bestimmte Selbstverständlichkeiten nicht mehr gab, von denen die meisten von uns dachten, dass die Teil der demokratischen Kultur waren."

Neuer Antisemitismus: "mit aller Entschiedenheit widerstehen"

Bedford-Strohm warnte angesichts des morgigen Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) vor populistischer Spaltung und Nationalismus und mahnte zur Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus. "Es ist gut, dass wir in Deutschland eine Erinnerungskultur entwickelt haben, die das unfassbare Leid präsent hält, das Juden in unserem Land angetan worden ist. Weil wir es nicht vergessen, werden wir mit aller Entschiedenheit denen widerstehen, die heute dieses mörderische antisemitische Gedankengut wieder salonfähig zu machen versuchen", so der Ratsvorsitzende. Bedford-Strohm ruft dazu auf, jüdisches Leben im Rahmen des aktuellen Festjahres "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" positiv wahrzunehmen und zu würdigen: "Wir wollen in diesem Jahr noch viel mehr als bisher den Reichtum dessen wahrnehmen, was das Judentum für unsere Kultur und Gesellschaft heute bedeutet."

Bedford-Strohm bekräftigt Einsatz für zivile Seenotrettung

Im Bezug auf Europa verteidigte Bedford-Strohm erneut die zivile Seenotrettung im Mittelmeer. Er warf den italienischen Behörden eine willkürliche Blockade ziviler Rettungsschiffe vor, unter vorgeschobenen "angeblichen Mängeln". So sitzt etwa seit Monaten die von der EKD mitfinanzierte "Sea-Watch 4" in Palermo fest. Die evangelische Kirche hatte das Schiff des privaten Seenotrettungsbündnisses "United4Rescue" maßgeblich finanziell unterstützt. Bedford-Strohms Engagement für die Seenotrettung ist auch innerhalb der EKD nicht unumstritten.

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