BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance / Sven Simon
Bildrechte: picture alliance / Sven Simon

EKD Ratsvorsitzender Landesbischof Dr.Heinrich Bedford-Strohm 2017

8
Per Mail sharen

    Bedford-Strohm tritt 2021 nicht mehr als EKD-Ratsvorsitzender an

    Im Herbst kommenden Jahres wählt die Synode der Evangelischen Kirche einen neuen Ratsvorsitzenden. Jetzt hat Heinrich-Bedford-Strohm im BR angekündigt, dass er für das Spitzenamt, das er seit 2014 inne hat, nicht mehr zur Verfügung steht.

    8
    Per Mail sharen
    Von
    • Tilmann Kleinjung

    Heinrich Bedford-Strohm will gar nicht erst den Eindruck entstehen lassen, er sei amtsmüde. "Ich werde dieses Amt auch im kommenden Jahr mit großer Lust und ganzer Kraft ausüben", sagt er im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Und trotzdem sei es gut, wenn im kommenden Jahr jemand Neues an die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt werde, der neue Akzente setze. Er freue sich vor allem darauf, dass er dann noch zwei Jahre habe, in denen er seine ganze Kraft für die Bayerische Landeskirche einsetzen könne.

    Die evangelische Kirche vergibt Leitungsämter auf Zeit

    Im Jahr 2023 endet Bedford-Strohms Amtszeit als bayerischer Landesbischof. Und das hätte auch Konsequenzen für den EKD-Ratsvorsitz. Leitungsämter werden auf Zeit vergeben. Das unterscheidet die evangelische von der katholischen Kirche.

    "Innere Ressourcen" gegen Kritik und Hass

    Damit stellt der 60-jährige Theologieprofessor auch klar: Es ist nicht die Kritik, teilweise auch der Hass, den ihm das Engagement für die Seenotrettung von Flüchtlingen eingebracht hat. Es gab sogar Mord-Drohungen. Das sei nicht der Grund für den Verzicht auf eine erneute Kandidatur. "Man muss wissen, worauf man sich einlässt. Ich habe das gewusst. Und ich habe das gerne gemacht und werde das auch in diesem letzten Jahr noch gerne machen. Und ich bin darauf eingestellt, dass es Kritik geben wird. Da habe ich schon meine inneren Ressourcen, um damit umzugehen."

    Bedford-Strohm gegen erneute Gottesdienstverbote

    Im noch verbleibenden Jahr als EKD Ratsvorsitzender wird Bedford-Strohm vor allem die Bewältigung der Corona-Krise beschäftigen, die auch die Kirchen fest im Griff hat. Die Tagung des evangelischen Kirchenparlaments, der EKD Synode, in einer Woche kann nur virtuell stattfinden. Angesichts steigender Infektionszahlen spricht sich Bedford-Strohm gegen erneute Gottesdienst- und Versammlungsverbote aus. "Ich glaube, dass die Kirchen gezeigt haben, dass sie mit der Situation sehr verantwortungsvoll umzugehen wissen. Und deswegen freue ich mich auch darüber, dass wir in den letzten Monaten keinen einzigen Fall in unserer Kirche hatten, bei dem ein Superspreader-Event eingetreten ist." Er glaube deshalb, es sei verantwortbar, dass Kirchen Gottesdienste mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen halten könnten.

    Aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns lernen

    Insbesondere an Weihnachten müssten die Gemeinden aber wegen des größeren Andrangs dazu übergehen, auch Gottesdienste im Freien zu feiern. Bedford-Strohm will aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns im Frühjahr lernen und lehnt deshalb Teilnehmerbegrenzungen bei Beerdigungen ab. Trauerfeiern seien ja nicht beliebig wiederholbar. "Dieses pauschale Begrenzen auf fünf oder zehn Leute ist aus meiner Sicht nicht mehr gerechtfertigt. Ähnliches ist in den Pflegeheimen zu beachten. Es darf nicht sein, dass es überhaupt Fälle gibt, wo Menschen ohne Begleitung sterben. Das darf nicht wieder passieren." Alte und Kranke müssten selbst bestimmen können, "ob sie ein Risiko eingehen wollen oder nicht", so Heinrich Bedford-Strohm. "Dabei so viel Kreativität wie möglich walten zu lassen, darum geht es jetzt."

    Ideen für die Zukunft der Kirche

    Im noch verbleibenden Jahr als Ratsvorsitzender will Heinrich Bedford-Strohm den Reformprozess in der Evangelischen Kirche voranbringen. Dazu berät die EKD Synode bei ihrer Tagung in einer Woche "zwölf Leitsätze zur Zukunft einer aufgeschlossenen Kirche". Die Ausgangslage ist bekannt: Immer mehr Menschen treten aus den Kirchen aus. Die Christen werden zur Minderheit. "Wir wollen daraus eine Chance machen, anstatt den Niedergang zu beklagen. Digitale Formate spielen eine wichtige Rolle und für junge Leute ist das ganz normal." Das müsse gehört werden. Es brauche eine andere Ausstrahlung "als die historisch gewachsenen Strukturen einer preußischen Behörde".

    Seine persönliche Zukunft: in Lehre und Forschung

    Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk äußert sich Bedford-Strohm auch seinen persönlichen Zukunftsplänen. Nach seiner Amtszeit als bayerischer Landesbischof wolle er vor allem wieder als Theologieprofessor in Lehre und Forschung arbeiten.

    Newsletter abonnieren

    Sie interessieren sich für Religion, Kirche, Glaube, Spiritualität oder ethische Fragen? Dann abonnieren Sie hier unseren Newsletter.