BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Bedford-Strohm: Morddrohungen wegen Seenotrettungsplänen | BR24

© Doris Bimmer/BR

EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm berichtet von Morddrohungen

99
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bedford-Strohm: Morddrohungen wegen Seenotrettungsplänen

"Soziale Netzwerke sind zum Schutzraum für Hetzer geworden, das kann nicht sein", sagt der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm. Er hat wegen der Pläne zur Seenotrettung von Migranten Morddrohungen erhalten.

99
Per Mail sharen
Teilen

Für sein Engagement in der Seenotrettung von Flüchtlingen habe er Morddrohungen erhalten und zwar recht konkrete. Das sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm im Gespräch mit der "Augsburger Allgemeinen". Anfang Dezember erklärte die evangelische Kirche, über ein Aktionsbündnis selbst ein Schiff kaufen zu wollen, um damit die Arbeit ziviler Seenotretter im Mittelmeer zu unterstützen.

Bedford-Strohm bleibt trotz Drohungen gelassen

Diese Morddrohungen gegen seine Person nehme er nicht ernst, erklärte Bedford-Strohm im Interview. Er verurteile aber generell den Hass und die Hetze im Internet, gleichgültig gegen welche Person sie sich richte. Die Polizei müsse jeden einzelnen Vorfall verfolgen, denn soziale Medien dürften kein Schutzraum für Hetzer sein, so der evangelische Landesbischof. Er wiederholte seine Forderung, dass für das Verbreiten von Inhalten im Web klare Regeln aufgestellt und Kontroll-Instanzen eingesetzt werden müssen.

Auch Meinungsfreiheit hat ein Ende

In sozialen Medien würden aus kommerziellen Gründen durch bestimmte Algorithmen häufig Inhalte nach oben gespült, die Hass transportieren und Unwahrheiten verbreiten. Dann zählten keine Fakten mehr. Manche könnten sich vielmehr darin bestätigt fühlen, dass ihre menschenfeindlichen Äußerungen salonfähig seien. Für den Theologen endet hier die Meinungsfreiheit.

"Hass ist keine Meinung. Rassistische, antisemitische oder pauschal menschenfeindliche Äußerungen lassen sich nicht unter Berufung auf die Meinungsfreiheit rechtfertigen." EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm

Maas und Özdemir solidarisieren sich mit Bedford-Strohm

Bundesaußenminister Heiko Maas zeigte sich auf Twitter bestürzt. Es sei unerträglich, wenn Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit zu Morddrohungen führten. Der SPD-Politiker forderte Solidarität: "Wir müssen uns an die Seite aller stellen, die bedroht und verhetzt werden, weil sie sich für unsere Gesellschaft engagieren."

Auch der Grünen-Politiker Cem Özdemir verurteilte die Drohungen: "Rechtsradikale entlarven sich selbst am besten. Sie geben vor, das christliche Abendland zu verteidigen & drohen Bischof mit Mord? Dümmer geht’s nicht", schrieb er ebenfalls auf Twitter.

Planung zur Seenotrettung geht weiter

Einschüchtern lässt sich die Evangelische Kirche von den Drohungen nicht. Die Seenotrettungspläne gingen weiter, so Bedford-Strohm. Mit "politischem Aktivismus" hätten die Pläne nichts zu tun: "Wir stehen für die Seenotrettung ein." Dies gelte auch für andere Hilfsorganisationen: "Wenn das Handeln der Seenotretter kriminalisiert wird, haben sie uns auf ihrer Seite", sagte der EKD-Ratspräsident.

Dem von der Evangelischen Kirche gegründeten Aktionsbündnis United4Rescue haben sich inzwischen mehr als 150 Organisationen angeschlossen. Ende Januar will das Bündnis nach eigenen Angaben das Schiff "Poseidon" aus dem Besitz des Landes Schleswig-Holstein kaufen. Es soll zur Seenotrettung auf dem Mittelmeer eingesetzt werden.