Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Bedford-Strohm fordert Nachbesserung beim Klimapaket | BR24

© BR/Tilmann Kleinjung

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Bedford-Strohm hat auf der Synode in Dresden zu mehr Einsatz im Klimaschutz aufgerufen. Von der Regierung fordert er ein Nachbessern des Klimapakets. Eine CO2-Steuer alleine reiche nicht aus.

16
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Bedford-Strohm fordert Nachbesserung beim Klimapaket

Die Evangelische Kirche in Deutschland fordert von der Regierung mehr Tempo beim Klimaschutz. Der Ratsvorsitzende Bedford-Strohm sagte zum Start der EKD-Synode in Dresden, die Politik bleibe hinter der Veränderungsbereitschaft der Menschen zurück.

16
Per Mail sharen
Teilen

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat zum Start ihrer Jahrestagung in Dresden mehr Einsatz für den Klimaschutz gefordert. Wer wissenschaftliche Studien dazu als bloße Meinung abtue, "leidet unter Realitätsverweigerung und verabschiedet sich aus einer ernsthaften demokratischen Debatte", sagte Bedford-Strohm in seinem Bericht zum Auftakt der EKD-Synode am Sonntag in Dresden.

Bedford-Strohm fordert Nachbesserung des Klimapakets

Von der Bundesregierung verlangte der Ratsvorsitzende ein Nachbessern ihres Klimapakets. Die vorgelegten Vorschläge reichten als Antwort auf den drohenden Klimawandel nicht aus. Wissenschaftler und Ökonomen hätten deutlich gemacht, dass der vorgesehene Einstieg in die CO2-Bepreisung noch keine nennenswerte Lenkungswirkung erzeugt.

"Warum bleibt die Politik an dieser so wichtigen Stelle hinter der inzwischen immer größer gewordenen gesellschaftlichen Bereitschaft zur Veränderung zurück?", fragte Bedford-Strohm.

"Es wäre ein Zeichen von Größe, wenn die Bundesregierung diese gesellschaftliche Dynamik wahrnehmen, auf sie reagieren, sie nutzen und ihr Klimapaket deutlich nachbessern würde." Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche

Bedford-Strohm verteidigt Schiff zur Seenotrettung im Mittelmeer

Es gibt kaum ein Thema, das in der evangelischen Kirche gerade so leidenschaftlich diskutiert wird, wie die Beteiligung der EKD an der Seenotrettung im Mittelmeer. Der Evangelische Kirchentag im Sommer in Dortmund hatte ja den Rat der EKD aufgefordert, ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmeer zu schicken. "Wir sind keine Reederei", sagte Bedford-Strohm. Die EKD wird kein Rettungsschiff kaufen und betreiben.

Stattdessen will sie ein breites gesellschaftliches Bündnis gründen: "United 4 Rescue". Ab dem 3. Dezember sollen Spenden dafür gesammelt werden. Bedford-Strohm hofft, dass schon im Januar genug Geld für den Erwerb eines Schiffes zur Verfügung steht. Damit sind nicht alle Kirchenmitglieder einverstanden, einer der Vorwürfe: Die Kirche macht sich so zum Handlanger der Schlepper. Es gab schon Kirchenaustritte deswegen.

"So sehr mich jeder angedrohte oder gar vollzogene Austritt aus der Kirche schmerzt, ich bin davon überzeugt: Es ist richtig, Seenotrettung im Mittelmeer zu unterstützen. Denn der Satz stimmt ja nach wie vor: 'Man lässt keinen Menschen ertrinken. Punkt.'" Heinrich Bedford-Strohm

Stimmen gegen zweites Rettungsschiff in der Minderheit

Till Vosberg warb dagegen vor der Synode dafür, auch die Stimmen ernst zu nehmen, die gegen ein weiteres Schiff sind, das sich einreihe in eine "Kolonne von Schleppern und Transporteuren nach Europa".

"Mir geht es darum, dass wir uns auch mit denen beschäftigen, die sagen, ich will mich nicht mehr vertreten sehen durch eine EKD, durch eine Amtskirche. Ich will ernst genommen werden damit, dass ich Bedenken habe." Till Vosberg, Mitglied der EKD-Synode

Doch solche Stimmen sind in der EKD-Synode in der Minderheit. Die Mehrheit steht hinter dem Plan des Rates der EKD, gemeinsam mit der Hilfsorganisation Sea-Watch ein zusätzliches Schiff im Mittelmeer zu unterstützen. Die Synodale und Grünen Politikerin Katrin Göring-Eckardt:

"Ich glaube, das wird eine doppelte Wirkung haben. Nicht nur als Akt der Nächstenliebe. Sondern auch im Sinne von: 'Suchet der Stadt bestes' wird das die deutsche und die europäische Politik genauso unter Druck setzen, wie es den Geretteten hilft. Deshalb mein Dank dafür, sich dem auch zu stellen." Karin Göring-Eckardt (Grüne)

Ein weiteres Thema wirft einen dunklen Schatten auf diese Synode. Auch die evangelische Kirche muss sich mit ihrer Missbrauchsgeschichte auseinandersetzen. Das tut sie am Dienstag, dann werden erstmals auch Missbrauchsopfer vor der Synode sprechen.

Rassismus und Antisemitismus eine Absage erteilt

In seiner Rede vor dem Kirchenparlament forderte Bedford-Strohm zudem mehr Engagement für Flüchtlinge und erteilte Rassismus und Antisemitismus eine Absage.

Die AfD wurde im Ratsbericht von Bedford-Strohm mit keinem Wort erwähnt. Und dennoch gab es keinen Zweifel, wer gemeint war, als der bayerische Landesbischof -im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle - sagte:

"Wenn im Bundestag und im Landtag vertretene Parteien rechtsradikale Ideen in ihren Reihen dulden, dann disqualifizieren sie sich im demokratischen Diskurs. Wir werden nie zuschauen, wenn solche Einstellungen in unserem Land salonfähig werden. Juden, Christen, Muslime, Humanisten und Menschen anderer Überzeugungen - wir werden alle gemeinsam aktiv eintreten für unsere Demokratie und die Menschenwürde, der die Demokratie verpflichtet ist!" Heinrich Bedford-Strohm

Kirchen in Ostdeutschland "vorbildlich"

In Dresden hob Heinrich Bedford-Strohm die Rolle der Kirche auf dem Weg zur Wiedervereinigung hervor: "30 Jahre nach dem Fall der Mauer ist es gut, sich an die Quellen zu erinnern, die diese große geschichtliche Wende ermöglichten."

Die Kirchen in der DDR hätten den Glauben nicht mit religiöser Innerlichkeit verwechselt, sondern das Beten und das konkrete Tun als untrennbar zusammengehörig verstanden. Auch heute sei die Kirche in Ostdeutschland mit ihrem Engagement für das Gemeinwesen vorbildlich, auch wenn etliche ihr skeptisch oder feindlich begegneten. "Genau eine solche Kirche wollen wir sein", so Bedford-Strohm.

Bei dem viertägigen Jahrestreffen des Kirchenparlaments geht es um Gerechtigkeit und Frieden sowie um das Aufarbeiten von sexuellem Missbrauch, den es auch in der evangelischen Kirche in Hunderten von Fällen gegeben hat. Die EKD ist der oberste Dachverband der gut 21 Millionen evangelischen Kirchenmitglieder in Deutschland.

© BR.de

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat zum Start ihrer Jahrestagung Rassismus und Antisemitismus eine Absage erteilt. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm kündigte an, rechtsradikalem Gedankengut in den Parlamenten entgegenzutreten.