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EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm unterstützt Seenotretter | BR24

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Bei einem Besuch auf Sizilien bei der Crew der Sea-Watch 3 spricht Heinrich Bedford-Strohm privaten Flüchtlingshelfern Mut zu, die Migranten auf dem Mittelmeer aus Seenot retten. Damit kritisiert er auch die italienische Regierung.

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EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm unterstützt Seenotretter

Bei einem Besuch auf Sizilien bei der Crew der Sea-Watch 3 spricht Heinrich Bedford-Strohm privaten Flüchtlingshelfern Mut zu, die Migranten auf dem Mittelmeer aus Seenot retten. Damit kritisiert er auch die italienische Regierung.

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Es ist windig im Hafen von Licata auf Sizilien als der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, am Sonntag darauf wartet, an Bord der Sea-Watch 3 gehen zu können. Das Boot der deutschen Seenotrettungsorganisation Sea-Watch liegt immer noch hinter Gittern, also in einem abgetrennten Teil des Hafens, vor Anker.

Bis vor Kurzem war das Schiff noch von italienischen Behörden beschlagnahmt gewesen - es hatte vor ein paar Wochen Migranten in Seenot vor der libyschen Küste an Bord genommen und nach Italien gebracht. Jetzt ist die Sea-Watch 3 wieder frei. Nach Angaben der NGO sei festgestellt worden, dass die Organisation sich an alle Gesetze gehalten habe. Ein Auslaufen sei für die beginnende Woche fest eingeplant, berichtet Bedford-Strohm.

© dpa-Bildfunk/ Foto: Annette Reuther

EKD-Chef Bedford-Strohm mit der Crew der "Sea-Watch 3" im Hafen von Licata.

Aber so frei, dass der EKD-Chef an Bord gehen könne, ist das Rettungsschiff offenbar doch noch nicht, das stellt sich bei einem Gespräch mit dem Kapitän heraus. Die Küstenwache habe ihm mitgeteilt, dass es nicht möglich sei, an Bord zu gehen, erklärt der Kapitän der Sea-Watch 3, Arturo Centore, Heinrich Bedford-Strohm vor Pressevertretern. Weil das Boot immer noch in einem besonders geschützten Bereich des Hafens liege.

Bedford-Strohm fordert Ende der strafrechtlichen Verfolgung

Für den EKD-Ratsvorsitzenden kommt das Verbot überraschend: "Jetzt seh' ich's nur durch die Gittertür, aber die Crew hat mich empfangen und ich möchte meine ausdrückliche Unterstützung auch der Crew hier mit auf den Weg geben", sagt Bedford-Strohm. Dass das Schiff jetzt wieder fahren dürfe, freue ihn. "Aber das ist natürlich nur ein Punktsieg, das ist noch kein Ende der Kriminalisierung der Menschen, die hier zivile Seenotrettung machen."

"Man solle nicht die Menschen, die andere vor dem Ertrinken bewahren, strafrechtlich verfolgen, sondern denjenigen klar widersprechen, die Seenotrettung verhindern." Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland

Bedford-Strohm: Salvinis Verhalten im Widerspruch zum Christentum

Damit dürfte er unter anderem Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega meinen - der hatte durchgesetzt, dass das Land seine Häfen weitgehend für Hilfsorganisationen sperrt und fordert immer wieder öffentlich, die privaten Seenotretter zu verhaften.

"Das Verhalten und auch das Reden des italienischen Innenministers ist aus meiner Sicht in tiefem Widerspruch zu allem, wofür das Christentum steht. Man kann nicht Menschen einfach im Meer ertrinken lassen, die Hilfe brauchen. Egal, aus welchen Gründen sie sich in diese Situation begeben haben", so der EKD-Ratsvorsitzende.

"Es gehört zu den Grundpflichten des Menschseins und erst recht zu den christlichen Grundpflichten, dass man Menschen, die in Seenot sind, hilft."Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender

"Wir hatten viele kleine Kinder dabei"

Dies sei ein Aufruf an die politisch Verantwortlichen in Europa, an die Institutionen der EU, sagt Bedford-Strohm. Dass sie dafür sorgen, dass die NGOs nicht mehr kriminalisiert werden, dass Menschen nicht mehr an die libysche Küstenwache übergeben werden und dann in Lagern landen, die Menschenrechtsstandards verletzen - und dass es überhaupt wieder eine offizielle Seenotrettungsmission im Mittelmeer gibt. Die EU hat die nämlich weitgehend eingestellt.

Ganz ähnlich sehen das auch die Crew-Mitglieder der Sea-Watch 3, zum Beispiel Sören Moje: "Wir hatten bei der letzten Rettung viele kleine Kinder dabei, das hat mich sehr traurig gemacht, dass die so im Stich gelassen werden. Das gilt für alle Menschen, aber besonders bei den Kindern geht einem das doch schon sehr nah."

Und auch an diesem Tag meldet die internationale Organisation für Migration, dass ein Boot voller Migranten im Mittelmeer untergegangen ist, dass eine Frau und ein Baby dabei ertrunken sind. Die Überlebenden seien zurück in die libyschen Lager gebracht worden.

Er hoffe, dass sich in Europa eine klare Mehrheit forme, die Flüchtlinge wirklich als Menschen sehe, sagt Heinrich Bedford-Strohm dem ARD-Studio Rom. Dann steigt er selbst in ein Schlauchboot. Um das Gitter im Hafen zu umfahren und die Sea-Watch 3, die er nicht betreten darf, wenigstens aus der Nähe zu sehen.

Rechtsanwälte zeigen EU in Den Haag an

Eine Gruppe internationaler Juristen erhebt laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" nun schwere Vorwürfe gegen die EU. Die EU sei verantwortlich für "den Tod Tausender Menschen durch Ertrinken", sowie die Gefangennahme, Versklavung, Folter und Ermordung von Flüchtlingen. Zur Begründung führten die Anwälte in ihrer Strafanzeige an, die Europäische Union fördere den Rücktransport Zehntausender Geflohener nach Libyen durch die libysche Küstenwache.

Das Dokument solle noch am heutigen Montag in Den Haag eingereicht werden. Laut "Spiegel" konnten mehrere internationale Medien wie der "Guardian", "El Pais", "Le Monde" und die "New York Times" das Dokument vorab einsehen.

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Heute geht der Prozess gegen den Landsberger Kapitän der "Lifeline" weiter. Dabei geht es vor allem um die Frage, wo das Rettungsschiff anlanden darf. Was erlaubt das Recht den Seenotrettern und was nicht? #fragBR24

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  • Lisa Weiß
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