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Bedford-Strohm begrüßt Freilassung von Kapitänin Rackete | BR24

© BR / Friederike Weede

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat die Freilassung der Sea-Watch-Kapitänin begrüßt. Außerdem appelliert er an die EU, eine Lösung für die geretteten Geflüchteten zu schaffen. Allerdings sind nicht alle in der Kirche seiner Meinung.

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Bedford-Strohm begrüßt Freilassung von Kapitänin Rackete

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat die Freilassung der Sea-Watch-Kapitänin begrüßt. Außerdem appelliert er an die EU, eine Lösung für die geretteten Geflüchteten zu schaffen. Allerdings sind nicht alle in der Kirche seiner Meinung.

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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm hat erfreut auf die Freilassung der Sea-Watch Kapitänin Carola Rackete reagiert. Der bayerische Landesbischof nannte die Entwicklung einen "Punktsieg für Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit".

Dem Bayerischen Rundfunk sagte der EKD-Ratsvorsitzende, er freue sich, dass mit der Freilassung von Carola Rackete klar bleibe, dass der "Grundwertekonsens" in Europa sich nicht immer mehr verschiebe. "Hier geht es schlicht um christliche Grundorientierungen."

Bedford-Strohm: "Wer bessere Lösungen hat, soll sie bringen"

Bedford-Strohm hatte sich in den vergangenen Wochen immer wieder eindeutig zur Seenotrettung im Mittelmeer positioniert: Die Rettung Ertrinkender sei eine humanitäre Pflicht.

Innerhalb der Kirche vertreten allerdings nicht alle diese Haltung. Kritiker halten die Unterstützung der privaten Seenotretter aufgrund der migrationspolitischen Folgen für heikel. So hält Ulrich Körtner, Professor für Systematische Theologie an der Universität Wien, die Motive vieler Retter und ihrer Unterstützter für problematisch. Vielen Helfern gehe es nicht nur darum, Menschenleben aus akuter Gefahr zu retten, sondern dass jeder Mensch das Recht habe, in ein Land seiner Wahl zu flüchten. "Solange jede Rettung aus Seenot automatisch ein Ticket nach Europa ist, werden NGOs de facto von kriminellen Schlepperorganisationen ausgenutzt."

"Wer bessere Lösungen hat, die im Einklang mit unseren christlichen Grundorientierungen sind, (...) soll sie bringen", entgegnete der bayerische Landesbischof seinen Kritikern. Der einzige Vorschlag, den er bisher gehört habe, habe sich auf Libyen bezogen. "Gegenwärtig werden die geretteten Flüchtlinge, die die Küstenwachen aufgreifen zurück nach Libyen geschickt. Und die Lager, in die sie da gebracht werden widersprechen allen Menschenrechtsstandards, für die Europa steht."

Die EU müsse die Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge abrufen

Der Ratsvorsitzende dankte der Zivilgesellschaft, die in Sachen Seenotrettung "Flagge gezeigt" habe. Nun sei es an der europäischen Politik, so Bedford-Strom, "einen Mechanismus zu etablieren, der die Anlandung von geretteten Menschen und ihre Verteilung auf aufnahmebereite Länder verlässlich regelt". Die Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge, die so viele Städte bereits signalisiert hätten, müsste schnellstmöglich von den nationalen Regierungen abgerufen werden.

Flagge gezeigt hat die Evangelische Kirche kürzlich auch selbst. Beim evangelischen Kirchentag in Dortmund wurde eine Resolution verabschiedet, nach der die EKD in die Seenotrettung im Mittelmeer aktiv eingreifen und ein eigenes Schiff senden möchte. Im September soll dem Rat der Evangelischen Kirche ein Konzept vorgelegt werden. Dann wird die Entscheidung fallen, in welcher Weise und wie stark sich die Evangelische Kirche an dem neuen Rettungsschiff beteiligen wird.

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