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Europaabgeordnete Nadja Hirsch, FDP
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Europaabgeordnete Nadja Hirsch, FDP

Anfang Februar, Brüssel: Noch läuft alles wie gewohnt in Nadja Hirschs Abgeordnetenbüro. Aber sie weiß: Es sind ihre letzten Wochen hier. Über sechs Jahre lang war die Münchnerin für die FDP im Europaparlament, hat als Mitglied im Handelsausschuss für liberale Politik gekämpft. Gegenüber dem BR Politikmagazin Kontrovers äußert sie sich enttäuscht, dass sie bald ihre Koffer packen muss:

"Ich habe meine Arbeit gemacht, ich glaube, ich habe auch Akzente setzen können. Insofern ist es überraschend, dass die Leistung nicht anerkannt wird." Europaabgeordnete Nadja Hirsch

Nadja Hirschs Abstrafung bei der FDP-Listenaufstellung

Wenige Tage zuvor, eine Messehalle in Berlin-Kreuzberg, Europaparteitag der FDP: Nadja Hirsch ist Spitzenkandidatin der bayerischen FDP. Sie rechnet damit, auf Platz 2 der Bundesliste für den Europawahlkampf gewählt zu werden und damit gute Chancen für einen Wiedereinzug ins EU-Parlament zu haben. Doch sie erhält überraschend nur 21 Prozent der Stimmen, verliert mit großem Abstand. Sie probiert es erneut, kandidiert für Listenplatz 6 - und verliert wieder. Danach gibt sie auf.

Vorwurf der Einflussnahme für Viktor Orbán

Eine andere Parteikollegin wird an diesem Tag zur Spitzenkandidatin gewählt: Nicola Beer, FDP-Generalsekretärin. Eine Auseinandersetzung mit ihr scheint ausschlaggebend dafür, dass Nadja Hirsch abgestraft wurde. Denn in den Tagen zuvor erschien im Spiegel ein kritischer Artikel über die Verbindungen von Nicola Beer zur ungarischen Regierung von Ministerpräsident Orbán. Nadja Hirsch wird darin mit einem deutlichen Vorwurf zitiert: Ihre Generalsekretärin habe vor einer Abstimmung für ein Rechtsstaatlichkeitsverfahren gegen Orbán versucht, sie von ihrer kritischen Haltung abzubringen.

Nicola Beer: Enge Verbindungen nach Ungarn

Nicola Beer ist mit Jürgen Illing verheiratet, dem ehemaligen Leiter der deutsch-ungarischen Handelskammer; ihre Trauung wurde in Budapest von einem ehemaligen Kabinettsmitglied der Regierung Orbán durchgeführt. Sie selbst weist jeglichen Vorwurf der Einflussnahme von sich: Auf dem FDP-Parteitag betonte sie in ihrer Rede, dass sie "keinerlei Sympathien" für Orbán habe. In der Partei werden ihre engen Kontakte nach Ungarn durchaus diskutiert. Nadja Hirschs öffentliche Kritik an der Generalsekretärin kam bei den Delegierten jedoch ebenfalls nicht gut an.

Dämpfer für Bayerns Liberale bei der Europawahl

Bayerns FDP wollte die Europawahl eigentlich nutzen, um im Freistaat bekannter zu werden. Doch die Degradierung ihrer Europa-Spitzenkandidatin Hirsch macht ihnen jetzt einen Strich durch die Rechnung. Führende bayerische Liberale sind sauer auf ihre Partei - aber auch auf Nadja Hirsch. Die eigene Generalsekretärin in die Nähe von Viktor Orbán zu rücken, sei im Vorfeld einer Aufstellung nicht klug gewesen, so Gabriele Neff, stellvertretende Landesvorsitzende. Doch Nadja Hirsch verteidigt ihre Aussage: "Ich habe die Wahrheit gesagt, insofern kann man nichts Falsches sagen."