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Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir verfolgt die Debatte um die erste Regierungserklärung von Olaf Scholz am 15.12.

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    Bauern wegen rasant steigender Düngerpreise in Sorge

    Bei den Ackerbauern explodieren die Kosten für den Stickstoffdünger. Grund ist das teurere Erdgas, das für dessen Herstellung benötigt wird. Für Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir Anlass, die "Ramschpreise für Lebensmittel" zu kritisieren.

    Von
    Ulrich Möller-ArnsbergUlrich Möller-Arnsberg
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    Viele Landwirte gehen wegen gestiegener Kosten für Düngemittel besorgt ins neue Jahr. Bei der Herstellung von Stickstoffdünger habe es in den vergangenen Monaten Preissteigerungen von bis zu 236 Prozent gegeben, heißt es in einem Marktbericht des Bauernverbands für 2021. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) fordert in diesem Zusammenhang mehr Wertschätzung für Lebensmittel – und höhere Preise. Der "Bild am Sonntag" gegenüber sagte er:

    "Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben, sie treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierwohl, befördern das Artensterben und belasten das Klima. Das will ich ändern." Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

    Lieferengpässe und hohe Nachfrage für Dünger

    Sollten die Preise auf diesem Niveau bleiben und es zu Lieferengpässen kommen, könnte es zu teilweise erheblichen Ertragsrückgängen bei der Ernte 2022 kommen, heißt es in dem Marktbericht des Bauernverbands, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Jüngste Spannungen mit Russland, die Energiekrise in China und eine nicht nachlassende globale Nachfrage nach Düngern ließen ein solches Szenario realistisch erscheinen.

    Höhere Kosten für Dünger und Diesel schlagen bei vielen Höfen auch auf die Ertragslage durch. "Die Erzeugerpreise für Getreide- und Ölsaaten ließen auf den ersten Blick zwar eine positive Stimmung vermuten", so der Bauernpräsident Joachim Rukwied. Doch "diese verbesserte Erlössituation wird durch die beispiellos explodierten Betriebsmittelpreise für Düngemittel und Energie ausgebremst."

    2021 niedrigster Schweinebestand seit 25 Jahren

    Nach dem Bericht von Rukwied ist generell die Lage insbesondere bei Schweinehaltern "mehr als angespannt". Erzeugerpreise für Schlachtschweine und Ferkel seien "nach wie vor ruinös" und hätten viele Betriebe in den Ausstieg gedrängt. Laut Marktbericht beschleunigte sich der seit Jahren zu sehende Rückgang der Schweinebestände weiter.

    Zahlen der Viehzählung von November 2021 wiesen mit 23,6 Millionen Schweinen den niedrigsten Bestand in Deutschland seit 25 Jahren aus. Sofern sich die Corona-Lage wieder bessere, sollte sich der Markt mit zunehmender Geschwindigkeit erholen. Wegen stark gestiegener Futterkosten sei der Weg zu einem auskömmlichen Preisniveau aber noch sehr weit.

    Positive Marktentwicklung bei Rindfleisch

    Bei Rindfleisch habe sich der Markt 2021 positiv entwickelt, auch angesichts kleinerer Bestände in Deutschland. Die Erzeugerpreise liegen laut Marktbericht zum Jahresende passend zum traditionellen Hoch zur Weihnachtszeit auf Rekordniveau.

    Agrarminister Özdemir strebt eine Ausweitung der Fläche ökologisch bestellter Felder bis 2030 von derzeit knapp 10 auf 30 Prozent an und will dafür die "Nachfragemacht des Staates nutzen": Die Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen sollte auf mehr regionale und Bio-Produkte umgestellt werden. "Der Staat muss da Vorbild sein."

    Weiterhin plant Özdemir strengere Vorgaben für Fertigprodukte, damit sich die Menschen gesünder ernähren. "Deutschland ernährt sich insgesamt zu ungesund", sagte er. Über 50 Prozent der Erwachsenen seien übergewichtig. "Der Grund dafür sind zu viel Zucker, Fett und Salz, vor allem in Fertigprodukten."

    Die Politik habe zu lange versucht, die Industrie mit freiwilligen Selbstverpflichtungen zur Reduktion dieser Inhaltsstoffe zu bewegen. "Damit ist jetzt Schluss. Mit mir wird es verbindliche Reduktionsziele geben", machte Özdemir deutlich.

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