Füße hoch!
Bildrechte: picture alliance / dpa Themendienst | Silvia Marks

Füße hoch! Und dann Schuhe an und raus aus dem Haus: Irgendwann macht das "Hotel Mama" dicht.

Per Mail sharen
Artikel mit Bild-InhaltenBildbeitrag

Basta mit "Hotel Mama": Italienierin klagt Muttersöhnchen raus

In Italien bleibt man gern noch eine Weile länger bei den Eltern wohnen. Muttersöhnchen heißen hier Mammoni. Aber jetzt entscheidet eine Richterin, dass mit 40 dann doch einmal Schluss ist. Geklagt hatte: die Mutter selbst.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Was da in Italien passiert, ist so ungefähr das Gegenteil des Drehbuchs von Loriots Film "Ödipussi": Mithilfe der Justiz setzte eine 75-jährige Italienerin durch, dass ihre beiden längst erwachsenen Söhne endlich von zu Hause ausziehen müssen. Das Urteil sorgt in Italien, wo sich der Nachwuchs mit dem Ausziehen traditionell etwas länger Zeit lässt, für Aufregung.

Nach 42 Jahren macht das "Hotel Mama" dicht

Die beiden Männer - der eine bereits 40, der andere sogar 42 Jahre alt - haben auf Beschluss einer Richterin nun bis kurz vor Weihnachten Zeit, das Elternhaus in der Kleinstadt Pavia nahe Mailand zu räumen. Letzter Termin ist der 18. Dezember.

Die 75-Jährige lebte nach einem Bericht der Lokalzeitung "La Provincia Pavese" seit der Trennung von ihrem Mann allein mit den Söhnen zusammen. In den vergangenen Jahren versuchte sie schon einige Male, die beiden zum halbwegs freiwilligen Abschied zu bewegen. Nichts half.

Schließlich entschied sich die Mutter dazu, die eigenen Söhne zu verklagen. Ihr Rechtsbeistand berichtete vor Gericht, dass sich die beiden berufstätigen Männer weigerten, Miete zu zahlen oder auch nur bei der Hausarbeit zu helfen.

Urteilsbegründung: Irgendwann ist Schluss

Richterin Simona Caterbi gab der Mutter nun in vollem Umfang recht. Die juristische Begründung: Der Verbleib in der Wohnung könne zwar "zu Beginn als begründet" angesehen werden, weil er auf der Unterhaltspflicht der Eltern beruhe. Von einem "gewissen Alter" an gebe es eine solche Verpflichtung aber nicht mehr. Auf ein genaues Alter legte sich die Richterin in dem Urteil nicht fest - aber mit 40 oder 42 Jahren ist die Grenze wohl eindeutig überschritten.

Ciao ciao, Bamboccione!

In Italien gibt es traditionell viele deutlich Ü-18-Jährige, die noch gern bei den Eltern leben. Das durchschnittliche Auszugsalter lag dort nach einer Erhebung der EU-Statistikbehörde Eurostat vergangenes Jahr bei genau 30 Jahren. Meistens handelt es sich um Männer. Die Italiener haben dafür auch eigene Vokabeln. Man nennt sie Mammoni (Muttersöhnchen) oder auch Bamboccioni (Riesenbabys).

Auch in Bayern gibt es "Mama-Hotellerie"

In Deutschland liegt das durchschnittliche Auszugsalter übrigens bei knapp unter 24 - die Tendenz ist auch hierzulande steigend. Und: In keinem anderen Bundesland leben so viele 20- bis 25-Jährige noch bei ihren Eltern wie im italophilen Bayern.

Die noch längere Verweildauer in Italien hat ihre Gründe - traditionelle wie aktuelle.

Wo Familiensinn auf Wohnungsnot trifft

Grundsätzlich ist es in Südeuropa eher üblich, auch nach Erreichen der Volljährigkeit noch eine ganze Weile bei den Eltern zu bleiben: In Spanien und Griechenland zieht man durchschnittlich noch später aus als in Italien; in Kroatien sind Männer dann im Durchschnitt sogar fast 35 Jahre alt. Das hat auch damit zu tun, dass Familien im Süden noch enger zusammenhalten. Wenn sich alle wohlfühlen, ist wohl auch alles in Ordnung.

Allerdings spielt auch die wirtschaftliche Lage vielfach eine Rolle: Arbeitslosigkeit, fehlende Ausbildungsplätze, hohe Mieten vor allem in den Städten, die Inflation insgesamt.

Zentralbank warnt vor "ökonomischen und demografischen Folgen"

Die italienische Zentralbank warnte schon vor einiger Zeit in einer Studie vor ernsthaften ökonomischen und demografischen Folgen, wenn junge Menschen Jobsuche und Familiengründung so lange aufschieben.

Die Sorgen sind begründet: Parallel zu dem Urteil gab die nationale Statistikbehörde bekannt, dass vergangenes Jahr im 59-Millionen-Einwohner-Land Italien so wenig Kinder geboren wurden wie noch nie: 393.000.

Mit Informationen von dpa

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!