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Ein Bartgeier verfolgt einen Steinadler vor verschneiter Berglandschaft.

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Bartgeier sollen 2021 in Ostalpen ausgewildert werden

Seit über einem Jahr plant der Landesbund für Vogelschutz (LBV) die Auswilderung junger Bartgeier in den Ostalpen - über 100 Jahre, nachdem der Vogel in freier Wildbahn ausgerottet wurde. Im kommenden Sommer soll die Wiederansiedlung starten.

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Von
  • Gabriel Wirth

Die ersten Bartgeier könnten schon bald rund um den Watzmann im Nationalpark Berchtesgaden ihre Kreise ziehen. Der Nationalpark gilt als idealer Ausgangspunkt für das Projekt des Landesbunds für Vogelschutz (LBV).

Unter anderem wird in der Region schon lange nicht mehr mit bleihaltiger Munition geschossen. Denn das größte Risiko für die Vögel geht von Bleivergiftungen aus. Das Blei nehmen die Bartgeier durch Reste von mit Munitionsrückständen belastetem Jagdwild auf und verenden dann qualvoll. Auch ist das Risiko im Nationalpark relativ gering, dass die imposanten Greifvögel abgeschossen werden.

Fränkischer Bartgeier womöglich mit dabei

Die Chancen stehen gut, dass bei diesem Projekt auch ein junger Bartgeier aus dem Nürnberger Tiergarten dabei ist. Der Zoo gehört zum europäischen Bartgeier-Zuchtnetzwerk und wenn es in Nürnberg eine erfolgreiche Brut wird, dann könnte einer dieser Jungvögel neben zwei anderen im Frühjahr im Klausbachtal ausgesetzt werden.

Die Bartgeier dort haben bereits mit der Balz begonnen. Doch der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer bittet um Geduld. Zuerst einmal müssen die Vögel erfolgreich brüten. "Wir schauen uns dann ganz genau die Genetik an, da gibt es verschiedene Linien", erklärt Schäffer. "Da muss man die richtigen Vögel auswählen und dann muss es zeitlich passen. Wir wollen insgesamt drei Jungvögel freilassen und die müssen alle ungefähr gleich alt sein."

Er hoffe, dass ein fränkischer Bartgeier mit dabei sein werde, so Schäffer. Zudem fehlt noch die naturschutzrechtliche Genehmigung. Doch beim LBV ist man zuversichtlicht, dass diese in den nächsten Monaten kommt.

Im nächsten Sommer soll es losgehen

Ein Platz, wo die drei Jungvögel dann im Sommer ausgewildert werden sollen, ist schon gefunden: im Klausbachtal, in der Nähe der Halsalm, in einem künstlichen Horst.

Der LBV habe lange mit Rangern des Nationalparks nach dem passenden Standort gesucht, wie der Vogelexperte und stellvertretende Leiter des Nationalparks Ulrich Brendel erzählt: "Das Klausbachtal bietet für eine Freilassungsnische für junge Bartgeier verschiedene Vorteile. Einer ist: junge Bartgeier lieben Morgensonne, das hat sicherlich mit der Thermik zu tun, dass ist dort idealerweise vorhanden."

In der Felsnische sollen die Jungvögel dann nicht nur rund um die Uhr bewacht, sondern auch zunächst mit Wasser und Futter versorgt werden, bis sie flügge sind. Besucher hätten ab dem ersten Tag Gelegenheit die Vögel zu beobachten, so Brendel.

LBV und Nationalpark versprechen große Emotionen

Die Ranger des Nationalparks freuen sich auf den Zuwachs. Sie hoffen, dass in naher Zukunft neben Steinadlern auch Bartgeier dort ihre Kreise ziehen. Allein schon wegen einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern sind es recht beeindruckende Vögel. Sie seien absolut spannend, meint auch Brendel.

Er geht davon aus, dass sie positive Emotionen in der Bevölkerung hervorrufen werden. Auch der LBV-Vorsitzende Schäffer spricht von einer spektakulären Art - wenn man sich etwa vorstelle, ein Bartgeier fliege über St. Bartholomä die Watzmann-Ostwand entlang. Das seien Weltklassebilder, die täten auch dem Naturschutz gut.

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© Gabriel Wirth / BR
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Die Auswilderung von Bartgeiern schreitet voran