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Barrierefreies Reisen in Bayern: Ein Hindernisparcours | BR24

© picture alliance/Waltraud Grubitzsch

Ein sehbehinderter Mann (l.) und eine gehbehinderte Frau testen zusammen mit einem Begleiter (r.) die Barrierefreieheit eines Wanderwegs

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    Barrierefreies Reisen in Bayern: Ein Hindernisparcours

    In Bayern gibt es kaum barrierefreie Tourismus-Angebote. Menschen mit Beeinträchtigungen müssen ihre Reisen genau planen und mit Hindernissen umgehen. Dabei könnte barrierefreies Reisen ein lukrativer Markt sein. Pilotprojekte sind vielversprechend.

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    Türen, die zu schmal für den Rollstuhl sind. Speisekarten, die Sehbehinderte nicht lesen können. Hotelrezeptionen, an denen der Hintergrundlärm so laut ist, dass Schwerhörige sich nicht verständigen können. Wer als Mensch mit Beeinträchtigung verreisen will, steht oft vor Hindernissen.

    Plan verfehlt: Keine komplette Barrierefreiheit bis 2023

    Dabei sollte der Öffentliche Raum in Bayern bis 2023 barrierefrei sein, das war das Ziel eines Regierungsprogramms. 2013 hatte der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer angekündigt, den öffentlichen Raum in Bayern binnen zehn Jahren barrierefrei zu gestalten.

    Holger Kiesel, Behindertenbeauftragter der Staatsregierung, sagt, es habe schon Fortschritte gegeben – aber inzwischen seien eben nicht mehr, wie am Anfang, hauptsächlich Rollstuhlfahrer im Fokus, jetzt gehe es auch um Barrierefreiheit für Seh- oder Hörbehinderte, für Menschen mit psychischen und geistigen Beeinträchtigungen oder Autisten – jeder habe individuelle Bedürfnisse. Und den barrierefreien Ausbau bayerischer Bahnhöfe bezeichnet er als "quälend langsam".

    Barrierefreies Reisen ist ein lukrativer Markt

    Inzwischen gibt es Seiten wie "Reisen für alle", betrieben vom Deutschen Seminar für Tourismus, die Angebote testen und detailliert auf einer Homepage beschreiben. Der Behindertenbeauftragte Holger Kiesel hält barrierefreies Reisen für einen lukrativen Markt – in Deutschland gibt es laut Tourismus-Seminar rund 11 Millionen Menschen mit einer anerkannten leichten oder schweren Beeinträchtigung, viele davon würden gern reisen.

    Oft lange Reise-Planung notwendig

    Thomas Bannasch, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, sitzt selbst im Elektrorollstuhl. Er erzählt, dass er seine Reisen meist schon ein halbes Jahr im Voraus plant und oft dieselben Urlaubsorte wählt, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben: unüberwindbare Stufen, die vor der Buchung niemand erwähnt hat, Waschbecken, unter die er mit seinem Rollstuhl nicht fahren kann, Aufzugknöpfe, an die er nicht herankommt. Er lässt sich vorher Fotos und Videos schicken, damit er weiß, womit er rechnen muss.

    Geländegängige Allrad-Rollstühle für Bergtour

    Auf der Tannenhütte am Wank bei Partenkirchen läuft im August und September ein Projekt, das Vorzeigecharakter für Bayern hat. Der Verein "Bewegung und Begegnung" aus Rottenbuch stellt dort für sechs Wochen einen geländegängigen Allrad-Rollstuhl zur Verfügung. 15 Euro soll der für einen Tag kosten, der Rollstuhl schafft den steilen Anstieg zur Tannenhütte mit prächtigem Ausblick auf die Zugspitze und einen Rundweg um die Hütte. Wird das Angebot angenommen, will der Verein ab kommendem Jahr den Allrad-Rollstuhl ständig anbieten – braucht dafür aber noch Sponsoren: immerhin kostet ein Rollstuhl rund 30.000 Euro.

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