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Barley: EU wird die Briten nicht Rosinen picken lassen

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Barley: EU wird die Briten nicht Rosinen picken lassen

Die SPD-Europaabgeordnete Barley sieht nur den "ersten Akt" des Brexits abgeschlossen. Dass das Ganze zu einem guten Ende komme, sei noch längst nicht ausgemacht, sagte die frühere Bundesjustizministerin dem BR.

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Laut der deutsch-britischen Europapolitikerin Katarina Barley (SPD) steht nach dem offizielle EU-Austritt Großbritanniens noch viel Arbeit an. "Wir fangen jetzt erst an. Dass das Ganze zu einem guten Ende kommt, ist noch lange nicht ausgemacht", sagte sie im Interview der Woche auf B5 aktuell. Bis die die Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Kontinent ausverhandelt seien, könne es noch "ganz viel Hin und Her und Zick und Zack" geben.

Verhandlungen mit Großbritannien könnten jahrelang dauern

Barley, die seit dieser Legislaturperiode Vize-Präsidentin des EU-Parlaments ist, schließt eine Verlängerung der Frist nicht aus, die für die Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit vorgesehen ist. Dass eine Übereinkunft bis Ende 2020 erzielt und ratifiziert sein solle, bezeichnet sie als eine "alberne Obsession". Da könne schon noch "eine kleine Kelle Zeit draufgelegt" werden. Netto seien für die Gespräche über ein umfassendes Freihandelsabkommen etwa acht Monate vorgesehen, rechnete die frühere Bundesjustizministerin vor und fügte hinzu: "Mit Kanada hat das Ganze zwischen sechs und sieben Jahren gedauert!"

Warnung an Boris Johnson

Vom britischen Premierminister Boris Johnson erwartet Barley eine Strategie des "Rosinenpickens": Enge Zusammenarbeit in allen Bereichen, möglichst keine Zölle, bei gleichzeitiger Missachtung der Regeln des Binnenmarkts. Die SPD-Politikerin stellte aber klar: "Das wird so nicht funktionieren!"

Brexit-Debatte habe das Land verändert

Barley, Tochter einer Deutschen und eines Briten, würdigte zum Abschied Großbritannien als "demokratisch und wirtschaftlich sehr stabil und – meistens – ein Vorbild an Rechtsstaatlichkeit". Die britische Gesellschaft habe sich aber durch die Brexit-Debatte allerdings stark verändert. "Das ist nicht mehr das tolerante, gelassene, offene, freundliche Land von vor fünf Jahren." Seither sei viel Aggression aufgetreten. "Ich hoffe, dass diese Wunden bald verheilen", sagte die Vize-Präsidentin des EU-Parlaments.

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