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Thorsten Glauber hält eine Rede im Bayerischen Landtag.
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Regina Kirschner
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Thorsten Glauber hält eine Rede im Bayerischen Landtag.

In seiner Fraktion darf sich Thorsten Glauber mit zwei Titeln schmücken: Mit einer Marathon-Zeit von 3,5 Stunden dürfte er der fitteste unter den Freien Wählern sein. In seinen blauen, schmal geschnittenen Anzügen gilt er zudem als der Modischste. Darauf angesprochen lacht er schelmisch und sagt: "Modebewusst bin ich seit Kindestagen an. Ich habe als 16-Jähriger schon Wert darauf gelegt, neue Trends in meinen Heimatort zu bringen."

Zweitbestes Stimmenergebnis

Glauber kommt aus der Gemeinde Pinzberg, fünf Kilometer südöstlich von Forchheim in Oberfranken. Sein Vater ist ebenfalls bei den Freien Wählern und war bis 2014 im Kreis Forchheim Landrat. Als Architekt hat Thorsten Glauber in der Region so einigen Leuten das Haus gebaut. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um sich in der Politik einen Namen zu machen. Bei der Landtagswahl fuhr er das zweitbeste Stimmenergebnis seiner Partei ein.

Engagement für die Jugend

Im Münchner Maximilianeum sitzt er nun schon zehn Jahre, ist aber auch noch in seiner oberfränkischen Gemeinde politisch aktiv und will das bleiben. Die kommunale Perspektive, mit der die Freien Wähler an Politik herangehen, hält Glauber für den Markenkern seiner Partei und ihre Daseinsberechtigung. Er wolle gestalten, etwas für die Gemeinschaft tun, sagt der 47-Jährige. Lange war er in der katholischen und sportlichen Jugendarbeit tätig. Der Nachwuchs ist ihm wichtig. Wenn es nach ihm geht, sollten junge Leute viel mehr in Politik eingebunden werden und Verantwortung übernehmen.

"Politik ist oft spröde und trocken und nicht immer gleich spürbar. Für umso wichtiger halte ich es, dass man politische Strukturen so erlebbar macht, dass man Freude daran findet. Man eifert Dingen nur nach, wenn sie Freude machen. Deshalb glaube ich: Wenn man Politik nicht spürbar macht, dann wird man junge Menschen nicht begeistern können." Thorsten Glauber

Glauber, der Teamplayer mit Ellenbogen

Glauber will den Jungen dabei auch deutlich machen: Es geht nicht um politische Macht, sondern ums Gestalten. Er selbst nennt sich einen Teamplayer. Er folge stets der Devise: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Wenn es drauf ankommt, kann der gelernte Kommunikations-Elektroniker, der auf dem zweiten Bildungsweg Architektur studierte, aber auch mal Ellenbogen zeigen: "Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, kann ich mich fokussiert engagieren. Ich bin ein klassisches Kind des zweiten Bildungswegs, da lernt man auch mal zu beißen."

Niederlage bei 10H-Regelung

Im Landtag hat sich Glauber bisher insbesondere mit Wirtschaft und Bau beschäftigt. Berührungen mit der Umweltpolitik hatte er vor allem über das Thema Energiewende. Im Wahlkampf forderte er noch vehement Änderungen bei der Windkraft-Abstands-Regelung 10H. Im Koalitionsvertrag schlägt sich das nicht nieder. "Das ist in einer Koalitionsverhandlung so, dass man auch Dinge annehmen muss, die man gerne anders gehabt hätte", sagt Glauber dazu und klingt dabei geknickt. Ganz abhaken will er das Thema allerdings noch nicht: Man werde mit den Kommunen sprechen und nachhaken, "warum nichts vorangeht".

Lob und Kritik aus der Opposition

Landtagskollegen auch von den anderen Fraktionen trauen ihm durchaus ein umweltpolitisches Verständnis zu, heben hervor, dass er gut zuhören und sich inhaltlich schnell einarbeiten kann. Trotzdem gibt es auch Kritik. Klaus Adelt (SPD) twitterte kürzlich: "Bayerisches Umweltministerium geht an die Freien Wähler. Somit geht's wohl Biber, Wolf und Fischotter an den Kragen!"

Umwelt als Wunsch-Ressort

Das dürfte allerdings weniger eine Anspielung auf Glaubers jahrelange Aktivität im Schützenverein sein, sondern darauf, dass die Freien Wähler bislang nicht gerade als Umweltpartei aufgefallen sind. Trotzdem sei das Ressort ein Wunsch der Partei gewesen, versichert Glauber. Damit kann man punkten, es interessiert die Leute, meint er.

Hartmann wünscht ihm starkes Rückgrat

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann sieht das anders. "Der Hase und der Igel, die man retten möchte, die klatschen nicht", warnt er. Beim Naturschutz müsse man Rückgrat haben, um auch mal etwas gegen die Interessen der Landwirtschaft durchzudrücken. Die Freien Wähler würden da oft zu schnell einknicken, so der Grünen-Politiker.

Dass es in der Regierung für die Freien Wähler und ihn selber schwieriger wird, weiß auch Glauber: "Zu sagen, wir wollen oder würden gerne, reicht jetzt nicht mehr. Jetzt müssen wir unsere Forderungen auch angehen."