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Bahnverkehr: Deutschlandtakt soll mehr Kunden anlocken | BR24

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Bahnfahren soll bis 2030 pünktlicher und schneller werden und auch abgelegene Gebiete bedienen. Das wurde heute in einem Schienenpakt besiegelt. Die Hauptstrecken sollen bald alle halbe Stunde befahren werden.

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Bahnverkehr: Deutschlandtakt soll mehr Kunden anlocken

Der Masterplan Schienenverkehr steht. Darin erklären Verkehrsminister Andreas Scheuer und die Bahnbranche die Zukunft der Bahn und versprechen einhergehend Kunden bessere Anschlüsse. Aber wie schnell kann dieses Vorhaben Realität werden?

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Menschen umarmen sich, Züge flitzen durch sonnenbeschiene Landschaften und kommen pünktlich an. Das Verkehrsministerium zeigt Hochglanzfilme - opulente Inszenierung für den Schienenpakt und den dazu gehörigen Arbeitsplan, den Masterplan Schienenverkehr. Obwohl vieles darin schon lange bekannt ist, schwärmt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) von einer Revolution, obwohl er den Begriff als konservativer Politiker nicht gern benutze. Gelungen ist ihm, dass die zerstrittene Bahnbranche - 27 Gewerkschaften, Unternehmen, Verbände - zusammen über die Zukunft spricht. Scheuer sagt: "Die Schiene kann mit diesem Pakt Verkehrsträger Nummer eins in Deutschland und in Europa werden."

Deutschlandtakt soll mehr Kunden locken

Der Grund für die Bahnoffensive der Bundesregierung: Sie muss ihre Klimaziele auch im Verkehrsbereich erreichen. Der Plan ist deshalb, die Fahrgastzahl im Personenverkehr bis 2030 zu verdoppeln. Heißt aber auch: Die Bahn muss attraktiver werden. Das Kernstück des Masterplans soll genau das erreichen: Der Deutschlandtakt, den man sich in der Schweiz abgeguckt hat und der schon lange diskutiert wird. Die Idee: Züge zwischen großen Städten sollen jede halbe Stunde fahren. Anschlüsse auch im Regionalverkehr werden darauf abgestimmt, bis hin zur Busverbindung ins Dorf.

Trotz neuem Planungsprinzip: Der Deutschlandtakt braucht Zeit

Nur schnell geht der Aufbau des Taktes nicht. Hauptproblem: Für den Deutschlandtakt muss ordentlich Infrastruktur ausgebaut werden, vor allem auf besonders befahrenen Strecken wie zwischen Würzburg und Nürnberg. Dazu stellt die Bahn ihr bisheriges Planungsprinzip um. Erst den Deutschlandtakt-Fahrplan erstellen, dann die dafür nötigen Strecken ausbauen.

Experte: Deutschlandtakt-Erstling bremst die anderen aus

Experten wie Peter Westenberger, Geschäftsführer des Netzwerks europäischer Eisenbahnen begrüßen das. Dass Scheuer noch schnell aufs Gaspedal drückte und die erste Deutschlandtaktstrecke zwischen Hamburg und Berlin schon für Dezember angekündigte, hält er für verfrüht. Die Infrastruktur auf der Strecke sei nicht aufnahmefähig für einen Halbstundentakt. Damit sie das werde, müssten Ausbaumaßnahmen auf der Strecke erledigt werden, wie zum Beispiel Überholgleise und mehr Bahnsteige.

Sorgenkind Güterverkehr soll stärker werden

Alles würde zugunsten des Fernverkehrs ausgebremst. Ein Problem, das der Güterverkehr auf vielen Strecken in Deutschland hat. Auch er soll im Masterplan gefördert werden. Das Ziel trägt das Verkehrsministerium erstmals mit: Der Schienengüterverkehr soll in zehn Jahren 25 Prozent der Transporte ausmachen. Heute sind es um die 19 und der Bereich fährt konstant Schulden ein.

FDP-Verkehrspolitiker Christian Jung ist skeptisch, dass es hier schnell bergauf geht. "Da bräuchte man ja massive Umbaumaßnahmen und zum Beispiel auch neue Terminals für Containertransporter, bis die überhaupt da wären, würde sehr viel Zeit vergehen, deshalb sind diese Ziele politisch motiviert."

Bahn-Chef setzt auf Tempo beim Deutschlandtakt

Planungszeiträume bei der Bahn lägen zwischen zehn und 20 Jahren, sagt Jung. Bahn-Chef Richard Lutz will versuchen, das Schneckenimage der Branche zu verbessern. Vieles könne sehr wohl schneller gehen. Man müsse in den nächsten Wochen und Monaten daran arbeiten, dass nicht der Eindruck entsteht, der Deutschlandtakt braucht jetzt 20 Jahre bis ihn Kunden spüren. Zügig sollten neue Etappen freigegeben werden.

Der Bahnchef steht zusätzlich unter Druck, weil die Bahn trotz erheblich mehr Geld vom Bund und eines Corona-Zuschusses dieses Jahr auf eine Rekordverschuldung zuläuft. Die Gesamtverschuldung könnte Ende des Jahres die 30 Milliarden-Euro-Marke erreichen.

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