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Bahn denkt nicht an Renaissance der Nachtzüge | BR24

© BR/Lorenz Storch

Staus in der Ferienzeit, schädliches Fliegen, Klimawandel: Da wären doch Nachtzüge und Autoreisezüge ein probates Gegenmittel. Doch die hat die Bahn 2016 abgeschafft. Eine Wiederbelebung ist nicht geplant.

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Bahn denkt nicht an Renaissance der Nachtzüge

Staus in der Ferienzeit, schädliches Fliegen, Klimawandel: Da wären doch Nachtzüge und Autoreisezüge ein probates Gegenmittel. Doch die hat die Bahn 2016 abgeschafft. Eine Wiederbelebung ist nicht geplant.

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2016 hat die Deutsche Bahn sich aus dem Geschäft mit Nacht- und Autoreisezügen zurückgezogen. Ein Fehler, gerade jetzt in Zeiten der Klimadebatte, findet zum Beispiel die bayerische SPD-Vorsitzende Natascha Kohnen: Wenn Deutschland wirklich von Straße und Flugverkehr weg wolle, dann müsse man die Schiene mehr nutzen.

"Deswegen war die Entscheidung der Bahn 2016, keine Nachtzüge mehr zu reparieren oder nachzubestellen, eine Fehlentscheidung. Deshalb sagen wir: Wir brauchen wieder Nachtzüge und Autozüge, weil dann wirklich ein klarer Schritt in Richtung Klimawende stattfindet." Natascha Kohnen, Vorsitzende der bayerischen SPD

Diese Forderung richtet sich auch an die Bundes-SPD, sich dafür einzusetzen. Die Grünen hatten schon vor Monaten den Ausbau eines europäischen Nachtzug-Netzes bis 2030 gefordert.

Bahn will nicht in Nachtzüge investieren

Die Deutsche Bahn aber ziert sich. Der Staatskonzern will auch zukünftig keine Nachtzüge mehr anbieten. Eine Bahn-Sprecherin nennt die Schlaf- und Liegewagen auf BR-Nachfrage ein Nischengeschäft, das nur ein Prozent der Kunden interessiere. Die Deutsche Bahn wolle da nicht mehr investieren.

Ganz anders die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB. Sie haben einen Großteil der Nachtzugverbindungen 2016 von den Deutschen übernommen.

"Für uns ist gerade auch der bayerische Raum ein sehr wichtiger Markt. Von München aus geht es direkt mit dem ÖBB-Nightjet ins Ruhrgebiet und nach Hamburg. Richtung Süden geht es nach Venedig, Mailand und Rom." Bernhard Rieder, Sprecher ÖBB

ÖBB: Das Geschäft mit den Nachtzügen trägt sich

Auch die ÖBB nennt das Nachtzuggeschäft eine Nische, von der man nicht reich werde. Aber es trägt sich. Außerdem liege das Bahnfahren wieder stark im Trend.

"Gerade bei den jüngeren Menschen. Wir sehen gerade in den letzten Monaten einen deutlichen Zulauf zu den Nachtzügen. Also die Klimadebatte dürfte jetzt auch bei den Fahrgästen wirklich angekommen sein." Bernhard Rieder, Sprecher ÖBB

Die ÖBB sind vom Erfolg des Nachtzugs überzeugt und investieren weiter. Es seien bereits 13 neue Züge bestellt und sollen ab Anfang 2022 im Einsatz sein. Dann sollen auch neue Nachtzug-Strecken kommen.

Schweiz kehrt wieder zu den Nachtzügen zurück

Auch die Schweizerischen Bundesbahnen SBB, die vor zehn Jahren aus dem Geschäft mit den Nachtzügen ausgestiegen sind, wollen diese Entscheidung revidieren. Armin Weber von den SBB im Schweizer Fernsehen:

"Wir sehen einfach den Bedarf im Markt und wir prüfen deswegen, ob wir wirklich wieder Nachtzugverkehre ausbauen können. Auf welchen Verbindungen, das schauen wir uns jetzt noch genau an." Armin Weber von den SBB

In zwei bis drei Jahren soll es soweit sein. Das sei eine internationale Bewegung:

"Wir sehen den Trend in vielen Ländern wieder zurück zum Nachtzug. Besonders in der Schweiz, aber auch in Skandinavien und den Niederlanden. Also da kann man sich durchaus in Zukunft wieder mehr Nachtzüge vorstellen." Armin Weber von den SBB

Bahn wettbewerbsfähig gegenüber Billigfliegern machen

Obwohl Deutschland in der Mitte Europas liegt, steht die Deutsche Bahn dabei bisher abseits. Man solle die Wettbewerbsnachteile der Nachtzüge gegenüber Billigfliegern beseitigen, fordern nicht nur die Grünen. Die Billigflieger bezahlen nämlich weder Kerosinsteuer noch Mehrwertsteuer und auch keine hohen Trassenpreise wie die Bahn. Umgesetzt ist bisher nichts davon.