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Weichen und Schienen

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    Bahn AG fordert Milliardenbetrag von Kartellsündern zurück

    Bundeskartellamt und EU haben etliche Kartelle aufgedeckt, etwa bei Schienen- und LKW-Herstellern. Nun wollen die Opfer der Preisabsprachen mehr Schadenersatz. Allein für die Bahn AG geht es dabei um mehr als eine Milliarde Euro. Von Felix Lincke

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    Rund 400 Millionen Euro hat die Bahn AG nach der Aufdeckung von verbotenen Preisabsprachen bereits eingetrieben. Ein Kartell von Stahlherstellern und -händlern hatte der Bahn viele Jahre lang überhöhte Preise für Schienen in Rechnung gestellt.

    Weitere Milliardenforderungen der Bahn stünden noch aus, sagte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur. Der Skandal bekommt damit eine neue Dimension. Der Gesamtschaden müsste noch ermittelt werden.

    "Weitere Schadenersatzforderungen im Milliardenbereich stehen noch aus." Tilman Makatsch, Keiter Kartellrecht Deutsche Bahn AG

    Der Konzern ist mit einem Einkaufsvolumen von mehr als 25 Milliarden Euro im Jahr und mehr als 40.000 Lieferanten einer der größten Einkäufer in der Bundesrepublik. "Wir gehen deshalb davon aus, dass die Bahn mittelbar oder unmittelbar von jedem dritten Kartell betroffen ist", betont Makatsch. Mit 20 Unternehmen befindet sich der Konzern zurzeit noch in außergerichtlichen Vergleichsverhandlungen. Insgesamt 28 Lieferanten hat die Bahn bereits verklagt. Und ein Ende der Auseinandersetzungen ist nicht in Sicht.

    Profitieren die Kunden?

    Ob die Verbraucher von den Klagen großer Unternehmen gegen Kartellsünder profitieren, ist schwer zu sagen. Die hohen Forderungen, welche die Gerichte in den nächsten Jahren erst verhandeln müssen, könnten künftige Kartellsünder abschrecken - und es zum Beispiel der Bahn ermöglichen, ihre Tickets billiger zu verkaufen.

    Direkte Verbraucher-Klagen gegen Kartelle dürften nicht sinnvoll sein. Die Kläger würden nach Einschätzung der Experten in den meisten Fällen leer ausgehen, auch wenn sie wegen der verbotenen Preisabsprachen am Ende höhere Preise zahlten.

    "Der Aufwand wäre riesig, denn der Schaden müsste durch Einkaufsrechnungen detailliert belegt werden." Dario Struwe, Kartellrechtler

    Das Ganze "stünde in keinem Verhältnis zu dem, was am Ende an Entschädigung zu erwarten wäre", meint der Rechtsanwalt.