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Formular für den Antrag auf Ausbildungsförderung
© pa / dpa / Universität Jena

Autoren

Claudia Schaffer
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Formular für den Antrag auf Ausbildungsförderung

Bafög - das ist die Abkürzung für Unterstützung gemäß dem "Bundesausbildungsförderungsgesetz". Ein sperriger Begriff für etwas, das immer weniger Studierende bekommen.

Der aktuelle Gesetzentwurf von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sieht vor, den Bafög-Höchstsatz von bislang 735 Euro in zwei Schritten auf rund 850 Euro anzuheben, doch viele Studierende würden davon nicht profitieren, weil sie die Voraussetzungen für einen Bafög-Bezug nicht erfüllen.

Das Geld kommt nicht da an, wo es gebraucht wird

Knapp 70 Prozent der Studierenden müssen deshalb arbeiten, um über die Runden zu kommen. Die Hälfte sagt, ohne Job müssten sie ihr Studium sogar aufgeben. Das geht aus der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervor.

Bafög bekommen oft genau die nicht, die es eigentlich dringend bräuchten, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Chef des Deutschen Studentenwerks:

"Das Problem ist ja eher, dass gerade in der unteren Mittelschicht es einen erheblichen Bedarf gibt und dass die Eltern oft zu viel verdienen, um die Bafög-Förderfähigkeit der Kinder zu realisieren, auf der anderen Seite aber zu wenig verdienen, um Kinder tatsächlich zu finanzieren." Achim Meyer auf der Heyde, Deutsches Studentenwerk 

Freibeträge werden steigen

Das heißt konkret: Den Bafög-Höchstsatz bekommt derzeit eine Familie mit drei Personen nur dann, wenn das Jahresnetto-Einkommen bei rund 20.000 Euro liegt. Ab einem Jahresnetto-Einkommen von rund 38.000 Euro gibt es gar kein Bafög. Damit aber wieder mehr junge Leute davon profitieren, sollen die Freibeträge für das Einkommen der Eltern in drei Schritten bis 2021 um insgesamt 16 Prozent angehoben werden.

Die Zahl der Bezieher soll wieder steigen

Denn die Zahl der Studierenden wächst seit Jahren, gleichzeitig bekommen aber immer weniger Bafög. 2017 erhielten laut Statistischem Bundesamt 557.000 Studierende die staatliche Förderung - fünf Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Angesichts dieses Rückgangs hatte die Große Koalition beschlossen, bis 2021 eine Trendumkehr zu erreichen.

Problem Regelstudienzeit

Ob das gelingt, ist aus Sicht von Achim Meyer auf der Heyde keineswegs sicher. Denn dass es immer weniger Bafög-Empfänger gibt, hat verschiedene Ursachen. Ein Grund ist, dass das Bafög an Bedingungen geknüpft ist. Die Förderung bekommt man zum Beispiel nur, wenn man in der Regelstudienzeit fertig wird. Über 60 Prozent der Studierenden brauchen aber länger:

"Insofern war unser Vorschlag auch, die Regelstudienzeit um ein Semester mindestens in der Förderungsdauer zu ergänzen, um dem gerecht zu werden. Das ist ein wichtiger Punkt. Es ist auch ungerecht, denn Kinder, die von ihren Eltern finanziert werden, werden natürlich über die Regelstudienzeit hinaus finanziert - während Studierende, die Bafög-Empfänger sind, dann gekappt werden und sehen müssen, wie sie finanziert werden." Achim Meyer auf der Heyde

Ausbildungsförderung im Allzeittief?

Die letzte Erhöhung der staatlichen Ausbildungsförderung ist drei Jahre her. Der Grünen-Bildungsexperte Kai Gehring warf Union und SPD vor, das Bafög durch zahlreiche Nullrunden in ein Allzeittief gestoßen zu haben. Die Bundesregierung plant, den Satz ab Wintersemester auf maximal 850 Euro anzuheben.

Das ist schon ganz ordentlich, aber nicht genug, findet das deutsche Studentenenwerk. Denn ein durchschnittliches Studentenleben kostet laut Studentenwerk mehr als 900 Euro monatlich. Erst recht in Städten wie München, Hamburg, Köln oder Berlin. Durchschnittlich bekommen Bafög-Empfänger pro Monat 494 Euro.

Hohe bürokratische Hürden

Dass der Antrag auf Bafög ziemlich umständlich ist und viele ihn deshalb gar nicht erst stellen, ist für das Deutsche Studentenwerk ein weiterer Schwachpunkt. Daran werde sich aber auch in Zukunft nichts ändern:

"Das ist ein anderer Punkt, der leider in dem Referentenentwurf auch nicht gelöst wird. Wir fordern, dass endlich einmal bundeseinheitlich ein E-Antrag geschaffen wird und vor allen Dingen auch eine E-Akte, die im Fall des Studienfachwechsels mitgenommen werden kann." Achim Meyer auf der Heyde

Wer in Zukunft Bafög bekommt, muss aber zumindest nicht mehr lebenslange Schulden fürchten. Wenn man es innerhalb von 20 Jahren nicht schafft, das Darlehen zurückzuzahlen, dann wird einem künftig die Restschuld erlassen. Außerdem wird das Bafög nicht mehr als verzinsliches Bankdarlehen der Förderbank KfW ausgezahlt, sondern als zinsfreies Darlehen.