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Ein Bärtierchen unter dem Mikroskop.

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    Forscher lüften das Geheimnis des (fast) ewigen Lebens

    Bärtierchen sind kaum totzukriegen. Die Ursache liegt in ihrem Erbgut. An manchen Genen kleben zum Schutz Eiweißklumpen. So überleben die winzigen Krabbeltiere komplette Austrocknung oder auch kochendes Wasser. Von Birgit Magiera

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    Es klingt nach tödlicher Folter, die Forscher mit den höchstens einen Millimeter kleinen Bärtierchen anstellen: Sie werden mit ätzender Säure übergossen, tiefgefroren, in kochendes Wasser geworfen und hohem Druck und Vakuum ausgesetzt. Auch in den eiskalten radioaktiv strahlenden Weltraum wurden sie schon geschossen. All das überleben die winzigen achtbeinigen Krabbeltiere, die eng mit den Tausendfüßlern und Milben verwandt sind und gern im feuchten Moos leben.

    Wie tot

    Die eigentlich tödlichen Umweltbedingungen überstehen sie, weil sie sich in einen Zustand versetzen können, der mehr dem Tod als dem Leben gleicht: Fachleute sprechen von Kryptobiose. Ein Stadium, in dem keine Enzyme oder Proteine mehr funktionieren. So können Muskeln, Nerven, Sinnesorgane vollständig austrocknen, ohne dass die Zellen zerstört werden. Fällt dann wieder Regen, kehrt die Flüssigkeit auch in den Körper zurück und die Bärtierchen krabbeln weiter, als wäre nichts gewesen.

    Eiweiße schützen Erbgut

    Die Überlebenskunst verdanken die Bärtierchen bestimmten Eiweißen an einzelnen Gen-Abschnitten im Erbgut. Diese Eiweißmoleküle verhindern Schäden. Sie waren den Wissenschaftlern bisher unbekannt, kein anderes Tier besitzt sie.

    Versuche mit menschlichen Zellen

    Bei Versuchen mit menschlichen Zellen konnten die Proteine auch dieses Gewebe vor starker radioaktiver Strahlung schützen. Allerdings nur, wenn sie in allen Zellen vorhanden sind - beim Menschen müsste man daher das Erbgut manipulieren, um das fast ewige Leben zu erreichen. Vorläufig bleibt die Entdeckung also Grundlagenforschung. Und nur die Bärtierchen überleben im All und in der Tiefkühltruhe.