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Autos verbrauchen weiter mehr Sprit als angegeben | BR24

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Autos in der EU verbrauchen im Realbetrieb noch immer deutlich mehr Sprit als von den Herstellern angegeben. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Forschungsorganisation ICCT heute veröffentlicht hat und die auf Daten von 2017 beruht.

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Autos verbrauchen weiter mehr Sprit als angegeben

Autos in der EU verbrauchen im Realbetrieb noch immer mehr Sprit als von den Herstellern angegeben - deutlich mehr sogar. Das ist das Resultat einer Studie, die die Forschungsorganisation ICCT heute veröffentlichte und die auf Daten von 2017 beruht.

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Zwischen den Herstellerangaben und dem tatsächlichen Kraftstoffverbrauch eines PKW-Modells klafft der Untersuchung zufolge nach wie vor eine große Lücke: Um satte 39 Prozent höher lag der reale Verbrauch im Vergleich zu dem Wert, den die Hersteller zum Beispiel im Internet für ihre jeweiligen Modelle angegeben haben, so das Ergebnis einer Studie des "International Council on Clean Transportation", kurz ICCT.

1,3 Millionen Autos im Verbrauchstest

In die aktuelle Auswertung sind die Verbrauchsangaben von etwa 1,3 Millionen Fahrzeugen aus acht europäischen Ländern aus dem Jahr 2017 eingeflossen. Diese stammen unter anderem von Internet- und Mobilitätsportalen aus Deutschland, Frankreich den Niederlanden und Großbritannien.

Theorie und Praxis klaffen auseinander

Einer der Gründe für die Diskrepanz der Werte sind laut ICCT unterschiedliche Bedingungen im Echt- und im Laborbetrieb. So seien zum Beispiel Klima- oder Entertainment-Anlagen in den Fahrzeugen im Labor ausgeschaltet. Das wirke sich entsprechend auf den Spritverbrauch aus.

Sprit-Lücke erstmals nicht gewachsen

Immerhin: Erstmals seit 2012 ist die Abweichung zwischen angegebenem und realem Verbrauch nicht größer geworden. 2016 hatte sie bei 40 Prozent gelegen, 2015 bei 39 Prozent.

"Wir vermuten, dass die verstärkte Aufmerksamkeit auf das Thema Realemissionen infolge des Dieselgate-Skandals und auch des Übergangs hin zum neuen WLTP-Testverfahren die Hersteller zu einem Strategiewechsel zwingt." Peter Mock, ICCT Europe

Ob es sich um eine echte Trendwende handelt, kann Mock noch nicht sagen. Er sei "nur verhalten optimistisch und überzeugt davon, dass in den kommenden Jahren verstärkt nachgemessen werden muss, und die Ergebnisse dieser Nachmessungen auch veröffentlicht werden müssen, um sicherzugehen, dass es sich nicht nur um eine Verschnaufpause handelt".

Mehrkosten für Autofahrer, Milliarden-Minus für den Staat

Die abermals ermittelte Lücke zwischen Labor- und Real-Verbrauchswert hat für Fahrzeughalter finanzielle Folgen. So liegen die Mehrausgaben für Kraftstoff pro PKW bei etwa 400 Euro pro Jahr. Diese Summe hatte das ICCT auch im vergangenen Jahr schon ermittelt. Die Organisation geht dabei von einem Liter-Preis für Benzin in Höhe von 1,30 Euro aus und von 15.000 gefahrenen Kilometern im Jahr.

Und: Da die KFZ-Steuer auf Basis des CO2-Ausstoßes ermittelt wird, entgehen dem Staat Steuern infolge der großen Lücke. Einer Studie im Auftrag der Grünen im Europäischen Parlament zufolge sind den EU-Staaten 2016 so rund 10 Milliarden Euro entgangen.

Aufforderung zum Handeln

Peter Mock vom ICCT Europe fordert die EU zum Handeln auf. Die EU-Kommission solle "eine Methode entwickeln, um Hersteller, die sich durch unrealistisch niedrige Angaben zum Verbrauch einen Vorteil verschaffen wollen, zu bestrafen. Nur so kann es gelingen, die Abweichung zwischen offiziellen und realen Werten in den kommenden Jahren endlich wieder deutlich abzusenken".

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  • Arne Meyer-Fünffinger